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Tierschutzskandal: Illegale Tierversuche in Jena

Niemand weiß, wie viele Tiere in Deutschland in heimlichen und damit völlig unkontrollierten Versuchen leiden und sterben. Der aktuelle Fall von ungenehmigten Experimenten in Jena zeigt, wie dringlich eine effektive Kontrolle durch die Behörden ist. Weitere notwendige Maßnahmen sind die Einführung der Tierschutz-Verbandsklage und Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Tierschutz. Stattdessen sollen die illegalen Versuche nun noch nachträglich genehmigt werden - ein absolutes NO-Go!

Cruelty Free International Copyright mice toxicity testingAm 11. Mai 2016 wurde bekannt, dass die Polizei gegen das Leibnitz-Institut für Altersforschung (FLI)  und das Institut für Versuchstierkunde und Tierschutz des Universitätsklinikums in Jena  wegen möglicher Tierschutz-Verstöße ermittelt. Im Leibnitz-Institut sollen über Jahre hinweg genmanipulierte Mäuse ohne behördliche Genehmigung gezüchtet und in Tierversuchen eingesetzt worden sein. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen haben im Juni zu personellen Entscheidungen geführt. Dem früheren Direktor des Instituts für Versuchstierkunde der Uni Jena wurde gekündigt. Ihm werden Untreue und Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vorgeworfen. Er war wohl auch für das Leibnitz-Institut als Tierschutzbeauftragter zuständig.

Im Leibniz-Institut wurde die Stelle der Tierhaus-Leitung neu besetzt und ein eigener Tierschutzbeauftragter bestellt. Die nicht genehmigten  Tierversuchsprojekte mit den illegal gezüchteten Tieren wurden gestoppt. Zucht und Versuche sollen jedoch nachträglich behördlich angezeigt und genehmigt werden. Das wäre ein absolutes NO-Go! Das FLI für Altersforschung in Jena untersucht die Entstehung und Behandlung alternsbedingter Krankheiten wie Blutkrebs und Muskelschwund und gehört zu den größten der bundesweit insgesamt 88 Leibnitz-Institute. Der Präsidiumsbeauftragte für Tierschutz der Leibnitz-Gemeinschaft, der tierexperimentell hochdotierte Neurobiologe und Professor am Deutschen Primatenzentrum, Stefan Treue, soll jetzt in Jena bei der Lösung der Probleme helfen.

Tierquälereien sind systembedingt
Nach Ansicht des Bundesverbandes ist es systembedingt, dass die Veterinärbehörden nur mit Hilfe von Whistleblowern illegale Tierversuche entdecken können. Den Veterinärämtern fehlt es an Personal. Außerdem werden in den Laboren zeitgleich eine Vielzahl von Tieren gezüchtet und viele Tierexperimente durchgeführt, so dass Wissenschaftler die Veterinärbeamten leicht täuschen können. Das zeigt der Fall in Jena einmal mehr.     

Was muss passieren?
Um illegale Tierversuche so gering wie möglich zu halten, müssen die Kontrollbehörden personell aufgestockt werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die Experimente zu jedem Zeitpunkt lückenlos überwachen zu können. Die Mitschuld aller beteiligten Personen an illegalen Tierversuchen muss konsequent geahndet werden. Dazu ist die Einführung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Tierschutz und die Tierschutz-Verbandsklage unverzichtbar. Der Presse war zu entnehmen, dass in Jena allen Ernstes darüber nachgedacht wird, die behördlichen Genehmigungen nachträglich zu erhalten, um die Ergebnisse der illegalen Versuche doch noch verwerten zu können. Dieses dreiste Ansinnen hintertreibt nicht nur geltendes Tierschutzrecht, sondern auch das frische Bekenntnis der Gemeinschaft zur guten wissenschaftlichen Praxis vom November 2015. Eine nachträgliche Genehmigung der Experimente wäre der Türöffner für Nachfolgeprojekte. Die Jenaer Ereignisse dürfen keinesfalls weichgespült werden. Vielmehr wäre es angemessen, alle an der Durchführung illegaler Tierversuche beteiligten Personen für jegliche Forschung – nicht nur die tierexperimentelle – zu sperren. Damit weiterhin Forschungsgelder nach Jena fließen,  muss das Leibnitz-Institut im Herbst evaluiert werden. Der perfekte Anlass, um das Institut von Filz und Vetternwirtschaft radikal zu säubern. 

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