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Affenversuche: Undercover-Recherche offenbart Versagen des deutschen Tierschutzrechts

Leidender Affe im TierversuchslaborDie grausamen Bilder von leidenden Affen im Max-Planck-Institut in Tübingen haben die Diskussion über Tierversuche neu entfacht. Um Tierquälereien in Tierversuchslaboren zukünftig zu verhindern, muss dringend das Tierschutzgesetz geändert werden.

Während einer sechsmonatigen Undercover-Recherche im Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik in Tübingen konnte der Verein SOKO Tierschutz e.V. mit versteckter Kamera die Leiden von Rhesus- und Javaneraffen dokumentieren, die dort in Hirnversuchen eingesetzt werden. Die schockierenden Aufnahmen wurden in der Sendung stern TV am 10. September 2014 ausgestrahlt. Sie zeigen unter anderem einen Affen, der versucht, sich das Kopfimplantat herauszureißen, das ihm zu Versuchszwecken eingepflanzt wurde. Andere Tiere erbrachen sich oder waren apathisch, ein Affe war nach den Eingriffen halbseitig gelähmt. Die künstlich durstig gehaltenen Tiere wurden zudem dabei beobachtet, wie sie ihren eigenen Urin tranken.

Einstufung der Leidensbelastung ist nicht haltbar
Die Bilder und Beschreibungen des Undercover-Tierpflegers stehen in krassem Widerspruch zu den Angaben der Wissenschaftler. Danach belasten diese Versuche die Tiere allenfalls „mittelgradig“, die Manipulationen an den Affenhirnen seien nicht mit Schmerzen verbunden. Doch die Dokumentation zeigt, dass die Affen in Wirklichkeit schweren und schwersten Leiden ausgesetzt sind: Manche Tiere werden mit Gewalt aus dem Käfig gezerrt. Fixiert in Primatenstühlen müssen sie stundenlang in einem dunklen, schalldichten Raum visuelle Aufgaben am Bildschirm lösen. Dies tun sie keinesfalls freiwillig, sondern, weil sie in den Vortagen dursten mussten. Erst wenn sie die Aufgaben lösen, werden sie schluckweise mit Flüssigkeit belohnt. Der Pfleger dokumentierte, dass die Affen so durstig waren, dass sie nach der Reinigung der Käfige die Gitterstäbe nach Wassertropfen absuchten und sogar ihren eigenen Urin tranken. Die Bilder belegen, dass die Leiden der Affen im Experiment deutlich höher liegen als im Tierversuchsantrag angegeben. Es handelt sich in Wahrheit um schwerbelastende Versuche, die ethisch nicht vertretbar und nach geltendem Recht nicht genehmigungsfähig sind.

Versuche dürften nicht genehmigt werden
Zu dem Schluss kommt auch Eve-Marie Engels, Professorin für Ethik in den Biowissenschaften von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen im Interview mit dem Schwäbischen Tageblatt. Gestützt wird dies auch durch die Aussagen des Konstanzer Biologen Prof. Marcel Leist, Inhaber des deutschlandweit bisher einzigen Lehrstuhls für tierversuchsfreie Verfahren. Er wies in einem Interview daraufhin, dass der Erfolg dieser Versuche im Hinblick auf eine spätere therapeutische Anwendung beim Menschen äußerst ungewiss ist. Unterdessen führte die Undercover-Recherche auch zu Streitigkeiten innerhalb der Grünen. Während der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, die Affenversuche befürwortet, lehnen sie die baden-württembergischen Grünen ab.

Dass diese Versuche dennoch genehmigt wurden, liegt an den falschen Angaben der Antragsteller zum Schweregrad der Leiden und dem eingeschränkten Prüfrecht der Genehmigungsbehörden. Der Bundesverband hatte bereits im März Bundesminister Christian Schmidt aufgefordert, diesen skandalösen Zustand so schnell wie möglich abzustellen und den entsprechenden Passus im Tierschutzgesetz zu streichen. Lesen Sie dazu auch den Kommentar.

Christiane Baumgartl-Simons

BU Foto: damy: Die Undercover-Recherche zeigte, dass die Affen schwersten Leiden ausgesetzt waren.

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