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Affenversuche

Der Druck der Öffentlichkeit, die Verwendung von Tieren in der Grundlagenforschung zu beschränken, wächst. Dies wird auch am Fall der Affenversuche des Bremer Neurowissenschaftlers Andreas Kreiter deutlich.

Seit 1998 erforscht der Biologe an Makaken die Funktionsweise des Affenhirns. Dazu werden den Affen durch Aufbohren des Gehirns Messelektroden am Kopf  befestigt. Im eigentlichen Versuch werden die Makaken in einem sogenannten Primatenstuhl stundenlang fixiert. Unfähig sich zu bewegen, müssen die an einem Bildschirm Linienfiguren betrachten oder ignorieren. Durch Flüssigkeitsentzug werden sie zur Mitarbeit gezwungen.

Gericht verlängert Versuche um ein Jahr

Universität und Gesundheitsbehörde streiten seit 2008 über die Fortsetzung der Versuche, die nach dem Willen der Behörde aus ethischen Gründen beendet werden sollen. Kreiter hatte 2010 die vorläufige Fortsetzung seiner Versuche erstritten und im August 2011 die Fortführung der Versuche bis 2014 beantragt. Obwohl die Bremer Gesundheits-Senatorin Jürgens-Pieper diesen Neuantrag Mitte November 2011 wiederum ablehnte, konnte die Universität Bremen am 25. November mit einem Eilbeschluss  vor dem Oberverwaltungsgerichts (OVG, 1 B 272/11) erreichen, dass die umstrittenen Affenversuche vorläufig für ein Jahr fortgesetzt werden dürfen.

Gutachten belegt: Affen leiden erheblich

Das Bremer Gesundheitsressort begründet die Ablehnung der Versuche mit dem Leiden der Tiere. Dass die Affenversuche mit erheblichem Leid für die Makaken verbunden sind wurde u.a. in einem Gutachten des anerkannten Wissenschaftlers John Gluck dargelegt. Der Psychologie-Professor der University of New Mexico belegt, dass die Tiere zwischen "moderat und erheblich" leiden. Besonders der Wasserentzug während der Experimente wird als sehr belastend bewertet. Das Gutachten stützt damit die Position von Tierschützern und Behörden.

Hauptsacheverfahren geht weiter

Über die Ablehnung weiterer Genehmigungen muss das OVG in einem Berufungsverfahren entscheiden. Es ist nach Einschätzung der Richter offen, wie der Rechtsstreit in der Hauptsache ausgeht. Die Entscheidung, die Versuche vorerst nur für ein Jahr zu genehmigen, fuße auf einer Abwägung zwischen dem Tierschutz, der als Staatsziel hohen Rang habe, und dem Interesse des Forschers, dessen Vorhaben von der Wissenschaftsfreiheit geschützt sei. Die von der Gesundheitsbehörde obengenannten Gutachten können nach Ansicht des Gerichts erst im Hauptsacheverfahren eingehend geprüft und gewürdigt werden. Universität hat angekündigt, alle Mittel auszuschöpfen - bis hin zum Gang vors Bundesverfassungsgericht.

Richtungsweisendes Verfahren

Das Gerichtsverfahren gilt als richtungsweisend, denn es entscheidet darüber, was schwerer wiegt: Forschungsfreiheit oder Tierschutz. Beide sind in der Verfassung verankert. Es ist wahrscheinlich, dass letztlich das Bundesverfassungsgericht entscheiden muss, denn es geht um eine verfassungsrechtliche Entscheidung, die eine Signalwirkung für weitere Tierversuche haben wird. Der Bundesverband setzt sich für ein Verbot der Affenversuche ein und bestärkte die Gesundheitsbehörde – auch mit einer Online-Aktion – darin, zugunsten der Affen bei ihrer Linie zu bleiben.

Auch Berlin und München lehnen Affenversuche ab

Neben Bremen ist man nicht in jedem Bundesland mit der Forschung an nicht-menschlichen Primaten einverstanden: In Berlin und München wurden vergleichbare Versuche abgelehnt. Auch hier waren die Behörden der Ansicht, dass der medizinische Nutzen das Leid der Tiere nicht rechtfertige. Zu Gerichtsverhandlungen kam es nicht, denn in Berlin kam der Forscher erst gar nicht, während in München die Einspruchsfrist gegen die Ablehnung versäumt wurde.

Der Bundesverband lehnt die Affenversuche aus ethischen, medizinischen und methodischen Gründen ab. Neben den ethischen Gründen, lassen sich die Erkenntnisse aus diesen Versuchen nicht zuverlässig auf den Menschen übertragen und sind für den medizinischen Fortschritt irrelevant. Dies zeigt sich auch daran, dass die Hirnforschergruppe um Andreas Kreiter wenig veröffentlicht.1

Auch andere Universitäten machen Affenversuche

Neben der Uni Bremen gibt es andere Universitäten, die mit vergleichbaren Methoden arbeiten. So wird in Baden-Württemberg gleich an drei Instituten am Hirn von Rhesusaffen experimentiert.2 Die Universität Bochum legt ebenfalls Wert auf Hirnforschung mit nicht-menschlichen Primaten.  Außerdem arbeitet das Max Planck Institut für Hirnforschung in Frankfurt invasiv an Affen, das Ernst Strüngmann Institut in Frankfurt kooperiert mit dem MPI in Frankfurt. Für die Beendigung der Toxikologie-Auftragsforschung durch die Firma Covance kämpfen Tierversuchsgegner schon seit vielen Jahren.

Computersimulation macht auch die Makakenversuche unnötig

Dabei geht die Forschung heute den innovativen, tiereinsatzfreien Weg der Computersimulation des menschlichen Gehirn mit Supercomputern.3 Aktuell wollen europäische Forscher das menschliche Gehirn nachbauen und konkurrieren derzeit mit fünf weiteren Forschergruppen um EU-Fördermittel von rund einer Milliarde Euro. Einst nicht ernst genommen, zählen mittlerweile sehr renommierte Europäische Institute zu den Kooperationspartnern, so innerhalb Deutschlands die Technische Universität München, das Kirchhoff-Institut für Physik der Universität Heidelberg und das Supercomputing Center des Forschungszentrums Jülich. So langsam gewinnt die Großprojektidee allgemeine Anerkennung. Berücksichtigt werden dabei auch kognitive Forschungsansätze, so wie sie in der traditionellen Hirnforschung mit Makaken Fragestellung sind.4


1 Galashan, F. O, Rempel, H. C., Meyer, A, Gruber-Dujardin, E., Kreiter, A. K. & Wegener, D. (2011): A new type of recording chamber with an easy-to-exchange microdrive array for chronic recordings in macaque monkeys. J Neurophysiol 2011 Mar 30. [Epub ahead of print]
2 Reutlinger Generalanzeiger. http://www.gea.de/region+reutlingen/
3 Forschungsprojekt Das 1-Milliarde-Euro-Hirn. Zeit online. http://www.zeit.de/
4 http://www.humanbrainproject.eu/


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