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Buchrezension: Die Intelligenz der Tiere

Ein Meeresbiologe über das Denken und Fühlen der Tiere

von Armin Pfahl-Traughber

Der Meeresbiologe Carl Safina berichtet in seinem Buch „Die Intelligenz der Tiere. Wie Tiere fühlen und denken“ von entsprechenden Eindrücken bei seinen Beobachtungen bei Elefanten, Killerwalen und Wölfen. Er macht dabei anschaulich auf die Empathie und Solidarität unter Tieren aufmerksam, wobei er mehr seine Beobachtungen referiert und weniger systematische Reflexionen anstellt.

"Sie sind wie wir!"
Empathie und Freude, Persönlichkeit und Trauer galten lange Zeit als Besonderheiten der Menschen gegenüber den Tieren. Diese Auffassung wird durch die Forschung häufiger in Zweifel gezogen. Mit Erstaunen stellen immer mehr Menschen fest: „Sie sind wie wir!“ Dies gilt zwar nicht pauschal und vollständig. Alleinstellungsmerkmale wie die ausgeprägte Fähigkeit zu eigenständigem und geplantem Denken und Handeln sind dem Menschen für längere Zeitphasen allein eigen. Gleichwohl kann von einem Denken und Fühlen von Tieren gesprochen werden. Die eher privaten Beobachtungen von vielen Hunde- und Katzenbesitzern erhalten dadurch von immer mehr Forschern mit den unterschiedlichsten Methoden ihre wissenschaftlichen Weihen. Ein Beispiel dafür ist das Buch „Die Intelligenz der Tiere. Wie Tiere fühlen und denken“, das der Meeresbiologe Carl Safina vorgelegt hat. Er ist als Autor in der „New York Times“ und „National Geographic“ bekannt geworden und hat die Stiftungsprofessur für Natur und Humanität der Stony Brook University inne.

"Unser Blick ist eingeschränkt"
In seinem Buch plädiert Safina für einen anderen Blick: „Naturgemäß haben wir eine exklusiv menschliche Sicht auf die Welt. Doch da wir diese nur durch unsere Brille betrachten, ist unser Blick eingeschränkt.“ Er wolle eine Außenperspektive einnehmen, auf eine Welt, „in welcher der Mensch nicht das Maß aller Dinge und nur eine Spezies unter vielen ist“ (S. 12). Ganz aus dieser Perspektive ist sein Reisebericht geschrieben. Denn die Leser werden mit an verschiedene Orte genommen, wobei der Autor seine Beobachtungen schildert und sie mit Forschungsergebnissen von Kollegen erweiternd kommentiert.

Besonderer Charakter und spezifische Persönlichkeit
Zunächst geht es zu den Elefanten im Amboseli-Nationalpark in Kenia, danach zu den Wölfen im Yellowstone-Nationalpark in den USA und dann noch zu den Killerwalen im nordwestlichen Pazifik. In allen Fällen beschreibt und kommentiert Safina einzelne Tiere, welche als Individuen durch eine Namensgebung auch wahrnehmbar sind. Er macht dadurch auch den besonderen Charakter und die spezifische Persönlichkeit ohne falsche Tierromantik deutlich. Der Autor berichtet über das Bewusstsein, die Emotionen, die Intelligenz und die Wahrnehmung von Elefanten. Die besonderen sozialen Bindungen werden auch durch viele Fotos anschaulich gemacht. Ein solches Bild zeigt etwa: „Elefanten begrüßen sich häufig, indem sie mit ihrem Rüssel das Maul des anderen berühren, eine Art Kombination aus Händeschütteln, Umarmung und Kuss“ (S. 28). Danach geht es um die Rudelbildung und –auflösung bei Wölfen. Auch hier idealisiert Safina nicht: „Tödliche Konflikte zwischen rivalisierenden Banden gibt es nicht nur bei Menschen und Schimpansen. Die zweithäufigste Todesursache für Wölfe … ist die Tötung durch einen anderen Wolf. (Der Tod von Menschenhand ist die Nummer eins)“ (S. 188). Und schließlich berichtet der Autor von den Killerwalen, die Persönlichkeitsmerkmale aufwiesen und von einem Sozialverhalten geprägt seien. Sie lebten in „komplexeren sozialen Strukturen als Schimpansen. Und sie sind friedlicher“ (S. 377). Es fehle ihnen völlig an Aggressionen untereinander.

"Ich sehe überwältigende Ähnlichkeiten"
Safina berichtet auch von anrührenden Ereignissen, da wo beispielsweise ein verletzter Delfin Hilfe bei Tauchern suchte oder da wo etwa ein Killerwal einzelnen Menschen in einer Notsituation half. Er macht dabei das Denken und Fühlen von Tieren deutlich. Manche Leser werden entzückende Rufe ausstoßen. Es geht dem Autor aber nicht um Tierromantik. Die Darstellung will vielmehr das Denken über Tiere ändern. Er meint: „Ich selbst sehe fast nie Andersartigkeit, wenn ich andere Tiere anschaue. Ich sehe überwältigende Ähnlichkeiten; sie erfüllen mich mit einem Gefühl tiefer Verbindung“ (S. 436). Das Gemeinsame ist wohl tatsächlich größer als das Trennende. Doch an einem Bewusstsein dafür fehlt es nach wie vor noch vielen Menschen. Der Autor erwähnt auch, dass derartige Einsichten früher in der Forschung auch karriereschädigend waren. Dort scheinen aber Änderungen eingetreten zu sein. In der breiteren Öffentlichkeit mangelt es noch an einem notwendigen Umdenken. Das Buch, das aber mehr beschreibt denn reflektiert, leistet dazu aber einen Beitrag.

Carl Safina, Die Intelligenz der Tiere. Wie Tiere fühlen und denken, München 2017 (C. H. Beck-Verlag), 526 S., 26,95 €

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