Slideshow Image 1
Slideshow Image 2
Slideshow Image 3
Slideshow Image 4

Tierrechtspersönlichkeit und außergewöhnlicher Mensch: Trauer um Edgar Guhde

EGAm 14. Februar 2017 starb Edgar Guhde im Alter von 81 nach langer schwerer Krankheit in Düsseldorf. Edgar war ein ganz besonderer, ein wirklich außerordentlicher Mensch. Als Tierrechtler, Mitstreiter und Freund hat er viele Menschen inspiriert, geprägt und ermutigt, sich – trotz aller Rückschläge – für Tiere und Menschlichkeit einzusetzen.

Obwohl er selbst Krieg, Gewalt und Verfolgung erlebte, setzte er immer auf einen ruhigen, sachlichen Dialog. Er wirkte vermittelnd statt spaltend und ausgleichend statt polarisierend. Konfrontiert mit dem Leid der Tiere im Krieg – er sah die ausgemergelten Pferde von den Fronten zurückkommen und die herrenlosen Haustiere verhungern – wurde er schon in den 1940er Jahren zum Vegetarier. Er prangerte das Leid der sogenannten „Nutz“tiere schon an, als die meisten von uns noch nicht geboren waren.

Als er 1957 – er lebte zu dieser Zeit in der DDR – einen demokratischen und rechtsstaatlichen Sozialismus und ein Tierschutzgesetz einforderte, wurde er in einem Geheimverfahren zu sechs Jahren Gefängnis wegen „Untergrabung der Staatsordnung“ verurteilt. Für seinen mutigen Einsatz wurde er mit Isolationshaft in einer winzigen Einzelzelle ohne Kontakt zur Außenwelt bestraft.

Trotz seiner ausgeprägten Intellektualität – er war Politologe, Autor, Bibliothekar und Dozent – gab er einem Gesprächspartner nie das Gefühl, diesem überlegen zu sein. Im Gegenteil: Bei Infoveranstaltungen zu Tierschutzthemen sprach er auf der Straße geduldig mit jedem/jeder und erklärte unermüdlich, warum unser Umgang mit den Tieren inakzeptabel ist.

Er vermittelte zwischen Tierschützern, Politikern und Tiernutzern, aber auch zwischen Tierrechtlern und Tierschützern – in der festen Überzeugung, dass die Bewegung für die Tiere ihre ideologischen Grabenkämpfe überwinden muss, um sich geeint gegen die tatsächlichen Gegner behaupten zu können. Nämlich jene, die von der (Aus-) Nutzung von Tieren profitieren.

Edgar war Mitglied und Förderer in zig Vereinen. Er unterstütze nicht nur Organisationen, die sich um Tierschutz und Tierrechte bemühten. Ihm lagen u.a. auch Naturschutz, bedrohte Völker und humanes Sterben am Herzen. In vielen Vereinen und Initiativen wirkte er aktiv mit. Er war beispielsweise langjähriger Vorsitzender von Pakt e.V., dem politischen Arbeitskreis für Tierrechte in Europa. In dieser Funktion organisierte und leitete er Fachtagungen zu Themen wie Tierversuche oder Schlachten und schrieb Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben oder Haltungsverordnungen und verfasste viele wertvolle Fachtexte. Sogar im Krankenbett setzte Edgar sich noch ein, vernetzte, beantwortete Fragen und leitete Informationen weiter.

Es war eine Ehre, Edgar gekannt zu haben. Nicht nur wegen seiner besonderen intellektuellen und diplomatischen Qualitäten, sondern auch, weil Menschlichkeit für ihn nicht nur ein Schlagwort war. Er war eine Tierrechtspersönlichkeit und ein außergewöhnlicher Mensch.

In seinem Sinne sollten wir weiter unermüdlich für unsere Mitgeschöpfe, die Bewahrung unserer Erde und unserer Menschlichkeit kämpfen. Und wir sollten die Gräben und Vereinsegoismen überwinden, die unsere Bewegung schwächen.

Wir werden dich nicht vergessen! Danke Edgar!

Christina Ledermann

Mehr Informationen zu Edgar Gude auf Wikipedia
Text von Edgar Guhde: Erinnerungen an Kindheit und Jugend und Tiere in Krieg und Diktatur

Facebook Twitter You Tube E-Mail schicken

Kostenloser Newsletter

Immer über tagesaktuelle Entwicklungen, Hintergrundinformationen, Pressemitteilungen sowie über Tierrechts-Kampagnen und Mitmach-Aktionen informiert sein.

Jetzt Gratis-Infos bestellen »