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Wie begegnen Kommunen dem »Stadttaubenproblem«?

In manchen Städten versuchte man, den Bestand der Stadttauben durch Tötungsaktionen (z. B. Abschuss oder Vergiftung) zu reduzieren, teilweise sogar gänzlich auszurotten. Der im Tierschutzgesetz zwingend geforderte »vernünftige Grund« für das Töten von Tieren ist jedoch im Falle der Stadttauben nicht gegeben. Auch der rechtsstaatliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel wird verletzt. U. a. stellte schon 1997 das Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen heraus, dass Tötungsmaßnahmen von Stadttauben dem Tierschutzgesetz widersprechen. Daher ist es vollkommen unverständlich, wenn noch immer Schädlingsbekämpfungsfirmen und andere Interessenvertreter Tötungsaktionen gegen Tauben durchführen wollen und dies mitunter auch tun.

Tötungsaktionen: Tierquälerisch und ungeeignet zur Regulierung

Die Folgen solcher Tötungsaktionen sind das qualvolle Sterben der Tauben und das Verhungern von elternlosen Jungtieren, die dann als verwesende Tierleichen tatsächlich eine potenzielle Gesundheitsgefährdung darstellen können. Aus den Bekämpfungsmaßnahmen ergibt sich ein fortwährender Kreislauf des Tötens, da sie nicht an den Ursachen ansetzen. Tötungen stellen kein wirksames Instrument zur Bestandsregulierung dar, sondern führen lediglich zu einer Populationsverjüngung und die Bestände wachsen nach einiger Zeit erneut an. Bei Vergiftungsaktionen, z. B. durch Blausäure oder Alpha-Chloralose, sind zudem auch andere Vogelarten betroffen, so dass in diesen Fällen möglicherweise auch gegen Artenschutzrecht verstoßen wird.

Stadttauben sind auf den Menschen angewiesen

Einige Kommunen verordnen Fütterungsverbote, obwohl die Tauben erwiesenermaßen Haustiere sind, die als sogenannte Körnerfresser in der Stadt kaum natürliche Nahrung finden und auf die Hege durch den Menschen angewiesen sind. Totale Fütterungsverbote ohne die Einrichtung von festen Futterstellen führen zum Aushungern der Tiere und sind abzulehnen. Die Begründung, dass die Brutaktivität wie bei Wildtieren vom Nahrungsangebot abhängt, ist nicht zutreffend. Ein erhöhtes Brutverhalten, sprich das Ansteigen der Reproduktionsraten und -phasen, ist ein allgemeines Haustiermerkmal und durch zuchtbedingte genetische Veränderungen verursacht.

»Im Fortpflanzungsverhalten erweisen sich die Stadttauben ebenfalls als Nachfahren von Haustauben; sie sind ganzjährig fortpflanzungsbereit, (…)« (Wolf Herre, Manfred Röhrs: Haustiere - zoologisch gesehen, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart,1990). Die Tiere sind aufgrund ihrer Standorttreue, ihres eingeschränkten Aktionsradius sowie ihrer genetischen Veranlagung nicht in der Lage, außerhalb der Städte zu leben. Tauben, die wir auf Feldern sehen oder die in Bäumen brüten, sind in der Regel Wildtauben wie z. B. Ringel- und Türkentauben.

Abwehrmaßnahmen sind oft nicht tierschutzgerecht

Die Anbringung von Abwehrmaßnahmen an Gebäuden ist sehr kostenintensiv und führt als alleinige Maßnahme nur zu einer Verlagerung des Problems, nicht aber zu einer Lösung. Die Tauben werden dadurch lediglich gezwungen, auf benachbarte Standorte auszuweichen. Die Folge ist: Tauben leben auf immer weniger Raum. Dadurch kommt es zu einer erhöhten Konzentration auf nicht mit Abwehrmaßnahmen versehenen Häusern. Zudem können unsachgemäße Vergrämungen schwere Verletzungen bei den Tieren verursachen.

Auch chemische Substanzen, die über den Geruchssinn fluchtauslösend wirken sollen, können tierschutzrelevant sein und/oder haben sich als wirkungslos gezeigt. Visuelle Maßnahmen wie Plastik-Krähen oder -Eulen versagen in der Regel aufgrund der Gewöhnung der Tiere.

Grundsätzlich können Vergrämungsmaßnahmen in Einzelfällen bzw. als begleitende Maßnahmen sinnvoll sein. Jedoch muss die Wahl der Mittel immer im Einklang mit dem Tierschutz stehen und Kosten und Nutzen sollten gegeneinander abgewogen werden. Nach Paragraf 13 Abs. 1 Tierschutzgesetz ist es »verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist; (...).«

Keine Lösung: Falken gegen Tauben

Falkner sehen neuerdings ein lukratives Geschäft in der Beizjagd auf Tauben. Neben einem blutigen »Spektakel« ist der Effekt ein erzwungener Standortwechsel der Tauben, aber keine Problemlösung. Zudem müssen die Greifvögel ein nicht ihrer Art gemäßes Leben in Gefangenschaft führen. Ein Teil von ihnen wurde als Jungtier »ausgehorstet«, also aus Nestern in freier Wildbahn entfernt. Diese Methode ist aus Natur- und Tierschutzgründen abzulehnen.

Immer mehr Kommunen erkennen jedoch, dass zuvor genannte Maßnahmen keine nachhaltige Wirkung in Bezug auf Verminderung des Taubenbestandes und Verschmutzungen durch deren Kot haben. Sie setzen daher auf »Geburtenkontrolle« bzw. das nachfolgend beschriebene integrative Gesamtkonzept.

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