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Modellstadt Aachen

Das »Aachener Modell«... so lautete im Dezember 1997 eine Presseüberschrift. Noch 1995 hieß es »Plage bringt Behörde in Rage: Jährlich werden dem Aachener Stadtbild 2.000 Tauben entnommen«. Was ist das Aachener Modell? Welchen Weg hat man in Aachen zur Lösung der Stadttaubenproblematik beschritten?

Aachener Chronik

1995: Gründung der Arbeitsgruppe Stadttauben
Im September 1995 gründeten die Tierversuchsgegner Aachen e.V. mit allen Aachener Natur- und Tierschutzorganisationen (Bund für Umwelt und Naturschutz - BUND, Bundesverband Tierschutz e.V., Bundesverband Tierversuchsgegner e.V., NABU Naturschutzbund Deutschland Stadtverband Aachen e.V., Tierschutzverein für Aachen und Umgebung e.V.) die Arbeitsgruppe Stadttauben. Ziel dieses Zusammenschlusses ist eine tiergerechte und ökologisch sinnvolle Bestandskontrolle der Stadttaubenpopulation sowie das Verhindern tierquälerischer Maßnahmen gegen die Tauben. Nach Recherche im gesamten Bundesgebiet wurde ein integratives Konzept entwickelt, das die Errichtung von Taubenschlägen, kontrollierte Futterstellen, Verminderung der Zuwanderung von Außen durch Brief- und Rassetauben sowie (bei Bedarf) den Einsatz einer unschädlichen Taubenpille beinhaltet. Dieser Zusammenschluss war und ist die Grundlage einer effektiven Arbeit.

Der »Runde Tisch«/ Kooperationspartner
An der Umsetzung des Konzeptes sind seit Beginn der Arbeit alle Fraktionen des Stadtrates und die zuständigen Ämter beteiligt. Die Kontaktaufnahme in Aachen erfolgte zunächst zu den umweltpolitischen SprecherInnen der Parteien. Neben dem »runden Tisch« mit Politik und Verwaltung, wenden wir uns direkt an Hausbesitzer, die ein »Problem« mit Tauben haben, an das Bistum, da Kirchen oft von Taubenschwärmen frequentiert werden, an das Bundesvermögensamt, da es zuständig für Bunker ist, an die Deutsche Bahn AG sowie an den Haus- und Grundbesitzerverein. Wichtig ist auch der Kontakt zu den Fütternden, da sie in das Konzept eingebunden sein sollen. Die Umsetzung solch eines Konzeptes bedarf der Zusammenarbeit aller Betroffenen und nicht zuletzt der Medien.

1996: Beschluss des tierschutzgerechten Konzeptes im Umweltausschuss
Im Januar 1996 erfolgte im Umweltausschuss der Stadt Aachen einstimmig der Beschluss die Tötungen der Tauben einzustellen und das tiergerechte Konzept zur Bestandskontrolle umzusetzen.

Aachener Symposium: Fachleute diskutierten Gesundheitsgefährdung
Ängste und Vorurteile erschwerten in der Anfangsphase zunächst die Umsetzung des Konzeptes, so dass 1996 ein Bundesaktionstag zum Thema »Gesundheitsgefährdung« in Aachen veranstaltet wurde, um in diesem Bereich Aufklärung zu erreichen. Fachleute, wie z.B. Prof. Dr. Wormuth, Direktor des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin, Dr. Th. Bartels, Tierärztliche Hochschule Hannover u.a. aus dem Bundesgebiet erörterten die Frage der Gesundheitsgefährdung des Menschen durch Tauben und die Möglichkeiten einer tiergerechten Bestandskontrolle. Einhellige Meinung aller ExpertInnen war, dass die Gesundheitsgefährdung durch Tauben nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere ist. Die Einstufung der Taube als Schädling nach dem Bundesseuchengesetz wurde aufgrund neuer Erkenntnisse bereits 1989 zurückgenommen. Die Errichtung betreuter Taubenschläge, kontrollierte Futterstellen sowie gegebenenfalls der Einsatz einer »Taubenpille« wurden von den Fachleuten durchweg befürwortet.

1997 - 2000: Errichtung von Taubenschlägen
Im April 1997 konnte der erste Taubenschlag in Eigeninitiative errichtet werden. Die Trägerschaft hat der Bundesverband Tierschutz e.V. übernommen. Im Dezember folgte die Stadt mit der Errichtung eines zweiten Taubenschlages auf dem Verwaltungsgebäude Katschhof. Im April 2000 sind insgesamt sechs Taubenschläge in der Aachener Innenstadt realisiert und in Betrieb genommen. Für einen siebten Schlag wurden die Gelder im Finanzausschuss der Stadt Aachen bereits bewilligt. Standortabhängig bieten die Taubenschläge durchschnittlich 80 Tieren Platz. Die tägliche Betreuung der Taubenschläge erfolgt durch tierliebe Taubenwarte, die diese Tätigkeit gegen eine Aufwandsentschädigung durch die Stadt Aachen ausführen.

Bilanz der Taubenschläge
Nach einer Eingewöhnungszeit, wurden die Taubenschläge von den Tieren angenommen. Die Tauben haben ihr neues Zuhause »bezogen« und halten sich in den Schlägen auf, brüten und schlafen dort. Dies ist als eindeutiger Erfolg zu bewerten. So konnten beispielsweise alleine aus einem Schlag im Jahre 1999 rund 200 Eier im Rahmen des Gelegeaustausches entnommen werden. Eine Form der Geburtenkontrolle, die sowohl im Sinne des Tierschutzes als auch im Sinne der Bevölkerung ist. Der Taubenkot, der sonst ein Ärgernis für Hausbesitzer und Mieter darstellt, wird in den Taubenschlägen regelmäßig entsorgt. Die entsorgte Kotmenge von über 300 kg in einem Schlag sprechen für sich. Durch die kontinuierliche Wegnahme der Eier wird die Vermehrung der Tauben unterbunden und langfristig eine Regulierung der Stadttaubenpopulation bewirkt. Die Entsorgung des Taubenkotes in den Schlägen bedeutet eine erhebliche Reduzierung der Verschmutzung an Fassaden.

Einrichtung kontrollierter Futterstellen
Neben den Taubenschlägen wurden sechs Futterstellen in der Aachener Innenstadt eingerichtet. An diesen Stellen werden die Tauben mit artgerechtem Futter versorgt. Die Fütterung erfolgt durch ehrenamtliche Mitarbeiter der Arbeitsgruppe. Die Fütterung dient der Anbindung und Kontrolle der Taubenschwärme. Langfristig sind an diesen Stellen die Errichtung weiterer Taubenschläge sowie der Einsatz einer »Taubenpille« geplant.

Auffangstation für Stadttauben
Jeder kennt die Bilder in unserer Innenstadt: Tauben mit abgeschnürten oder zusammengebunden Gliedmaßen, die sich schrecklich entzünden und den Tieren große Schmerzen bereiten. Häufig sieht man auch Tiere mit gebrochenen Flügeln und anderen schweren Verletzungen, die zu einem elendiglichen Tod u.a. durch Verhungern führen. Für diese verletzten Tiere und auch für Jungtauben gibt es in Aachen eine Auffang- und Pflegestation.

Öffentlichkeits- und Beratungsarbeit
Parallel zu den Gesprächen mit der Stadt wurde ein guter Kontakt zum Bistum aufgebaut und unser Konzept im Umweltbrief des Bistums den Pfarrgemeinden vorgestellt. Bei Problemen von Hausbesitzern und Mietern arbeitet das Ordnungsamt mit der Arbeitsgruppe Stadttauben zusammen; so dass hier Beratung und Hilfe angeboten werden kann. Im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit haben wir eine Broschüre zum Thema »7 Fragen und Antworten zum Thema Stadttauben« erstellt. Diese Broschüre ist ebenfalls beim Bundesverband Tierschutz e.V. erhältlich. Aus vielen Städten erhält Aachen Anfragen mit der Bitte um Unterstützung. Besonders erfreulich ist daher die Gründung der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben, die dem Bundesverband Menschen für Tierrechte angeschlossen ist. Das in Aachen umgesetzte Konzept einer tiergerechten und nachhaltigen Bestandskontrolle der Stadttauben ist ein bundesweites Arbeitspapier, dass bei der Bundesarbeitsgruppe (BAG) Stadttauben erhältlich ist.

Beratung bei Problemfällen
Dank der Kooperation mit dem Ordnungsamt werden alle Beschwerden und Anfragen bezüglich Stadttauben an die Arbeitsgruppe weitergeleitet. Innerhalb der nunmehr viereinhalb jährigen Arbeit konnten so in einer Vielzahl von Fällen eine Beratung und Hilfe vor Ort geleistet werden. Die Hilfe bei Problemen reicht von der Beratung über tiergerechte Abwehrmaßnahmen bis hin zu »Räumungsaktionen« im Vorfeld von anstehenden Bauarbeiten, um Tiere und Brutgelege herauszuholen. Da die Vergrämung der Tauben stets nur eine Verlagerung der Population zur Folge hat, klärt die Arbeitsgruppe Hausbesitzer über die Errichtung von Taubenschlägen auf. Hausbesitzer und Wohnungsbaugesellschaften stehen diesem Anliegen in Aachen dank sachlicher Informationen aufgeschlossen gegenüber.

Perspektiven
Taubenschläge und Futterstellen haben sich als die wirkungsvollste Alternative zur Bestandskontrolle erwiesen. Ziel ist daher die Einrichtung von mindestens zehn Taubenschlägen im Innenstadtbereich sowie die gleiche Anzahl Futterstellen, an denen gegebenenfalls ein unschädliches Taubenhormon ausgebracht werden kann. Die Anzahl der Taubenschläge und Futterstellen orientieren sich an den vorhandenen Taubenschwärmen und ihren Aufenthaltsorten. Die Annahme der Taubenschläge durch die Tiere, die positive Resonanz in der Bevölkerung sowie die zahlreichen Anfragen anderer Kommunen zeigen, dass Aachen den richtigen Weg beschritten hat. Diese positiven Erfahrungen werden von anderen Städten, wie z.B. Augsburg, durchweg geteilt.

Unsere Empfehlung aus Aachen:
Setzen sie sich für die Umsetzung eines tiergerechten Konzeptes für den Umgang mit den Stadttauben in Ihrer Gemeinde ein. Fordern Sie Informationen über die Bundesarbeitsgruppe Stadttauben an. Wir wünschen allen Initiativen in diesem Sinne Erfolg und hoffen, dass Hetzkampagnen gegen Tauben und Fütterungsverbote bald der Vergangenheit angehören.

Landesregierung Nordrhein-Westfalen ehrt mit Tierschutzpreis Aachener Stadttaubengruppe
Im November 2007 wurde der Stadttaubengruppe Aachen der Tierschutzpreis der Landesregierung NRW verliehen. Lesen Sie hier mehr

Was können Sie tun?
Setzen sie sich für die Umsetzung eines tiergerechten Konzeptes für den Umgang mit den Stadttauben in Ihrer Gemeinde ein.
Bitte nehmen Sie tierquälerische Maßnahmen gegen die Tauben nicht hin. Treten Sie für den Schutz der Tiere ein.
Fordern Sie Informationen über unsere eMail-Adresse an.

Wir wünschen allen Initiativen in diesem Sinne Erfolg und hoffen, daß Hetzkampagnen gegen Tauben und Fütterungsverbote bald der Vergangenheit angehören.

Elli Heß / Arbeitsgruppe Stadttauben Aachen

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