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Füttern oder nicht füttern – das ist die Frage

 

- Ein Gastbeitrag des Frankfurter Stadttaubenprojekts -

Beim Thema Tauben scheiden sich die Geister. Über kaum ein Thema wird leidenschaftlicher und vehementer diskutiert als über das der Taubenbekämpfung. Diesen Eindruck kann man zumindest bekommen, wenn man die Debatten der letzten Jahre aufmerksam verfolgt.
Tauben werden entweder geliebt oder gehasst.
Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Lösungsvorschlägen, um die Taubenproblematik in den Griff zu bekommen. Um sich für eine geeignete Methode entscheiden zu können, sollte man sich zuerst über seine Ziele im Klaren sein. Möchte man eine Verminderung der Taubenzahl um jeden Preis, oder geht es vielmehr um eine Koexistenz von Mensch und Taube?

Nach unseren Erfahrungen ist es den Bürgern gleichgültig, wie viele Tauben es in der Stadt gibt. Sie möchten dort wohnen und sich bewegen, ohne von den Stoffwechselprodukten dieser Vögel belästigt zu werden unabhängig von der Zahl der Tauben in einem nahen Taubenschlag. Klar, wo es keine Tauben gibt, gibt es auch keine Probleme mit Tauben. Wäre es aber nicht besser, statt der Tauben die Probleme zu beseitigen?

Das Stadttaubenprojekt Frankfurt setzt deshalb auf das sogenannte „Augsburger Modell“, das nach der Stadt benannt wurde, in der es mit großem Erfolg zuerst praktiziert wurde.
Dabei werden im ganzen (Innen-)Stadtgebiet betreute Taubenschläge errichtet, wo den Tieren Futter und Nistplätze in geschützter Umgebung angeboten werden. Im Gegenzug werden die dort bebrüteten Eier gegen Gipsattrappen ausgetauscht.

So weit, so gut. Die Taubenhäuser erfreuen sich inzwischen bei Mensch und Tier einer großen Beliebtheit. Allerdings gehen die Meinungen, ob in den Schlägen gefüttert werden soll, auseinander. Auch dieses Thema wird heiß diskutiert. Nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente hat sich das Stadttaubenprojekt für die Fütterung in den Schlägen entschieden.

Taube und BrotDurch das Nahrungsangebot im Schlag müssen sich die Tiere ihr Futter nicht in der Umgebung suchen, sie laufen also nicht suchend und bettelnd in den Straßen umher. Sie sind deshalb auch nicht mehr so sehr im Bewusstsein der Menschen, die jetzt zum Beispiel ohne Belästigung ihren Kaffee in der Fußgängerzone genießen können. Vereinzelt ein paar pickende Tauben lassen sich dadurch nicht vermeiden, gehören doch aber sicherlich ins Straßenbild einer Stadt.
Durch den Austausch von tausenden von Eiern pro Schlag und die dann mögliche, ständige tierärztliche Überwachung der dort angesiedelten Tiere ergibt sich eine kleine, aber gesunde Stadttaubenpopulation, die von den Bürgern nicht mehr als störend empfunden wird. Und das, ohne Tiere dem Verhungern preiszugeben oder auf andere Art zu töten.

Damit ist dann unser Hauptziel erreicht, nämlich ein friedliche Koexistenz im Interesse der Bürger. Doch gibt es auch Argumente gegen eine Fütterung in den Schlägen?

Über die entstehenden Kosten zu diskutieren ist müßig. Trotzdem wird dieses Argument immer wieder angeführt. Klar, wenn ein Schlag pro Tag zum Beispiel fünf Euro Futterkosten verursacht, erscheinen die Kosten aufs Jahr gerechnet und mit 365 multipliziert mit über 1.800,- EUR auf den ersten Blick recht hoch. Aber sollte einer zivilisierten Gesellschaft der Tierschutz nicht fünf Euro am Tag, der Gegenwert von zwei Tassen Kaffee, wert sein, für einen Taubenschlag, der mehrere hundert Tiere beherbergt und zur Problemlösung beiträgt?

Ein viel wichtigeres Argument, das wissenschaftliche Kreise immer wieder ins Feld führen, ist die sogenannte „kompensatorische Natalität“. Dabei wird behauptet, dass an einem Ort nur Futter für eine bestimmte Zahl an Tauben vorhanden ist. Werden diesem Ort Tauben entzogen, zum Beispiel durch Ansiedlung und Fütterung in einem Schlag, rücken an deren Stelle Tauben aus der Umgebung nach. Durch deren Brutaktivitäten würde der Effekt durch das Eiertauschen mehr als kompensiert. Die Zahl der Tauben würde also steigen statt sinken.

Bei einem konsequent verwirklichten Augsburger Modell stellt sich dieses Problem erst gar nicht. Wenn genügend Taubenschläge vorhanden sind, also der Größe der Innenstadt und der Population angemessen, treten futtersuchende Taubenschwärme, die in der Literatur beschrieben werden, viel weniger häufig in Erscheinung, da die meisten Tiere in Schlägen gebunden sind. Auch die Schließung wilder Brutplätze trägt dazu bei, dass sich die Tauben außerhalb der Schläge nicht unkontrolliert vermehren können. Diese Zusammenhänge sind in einer an der Universität Marburg verfassten wissenschaftlichen Arbeit bezüglich der Situation der Frankfurter Stadttauben ausführlich untersucht worden (A. Weyrather, 2014).

Bei kurzfristigen, meist wenige Tage dauernden Zählungen, wie sie oft von kommerziellen Schädlingsbekämpfungsbetrieben als Grundlage für Folgeaufträge angeboten werden, ist Vorsicht geboten. Sie werfen meist nur ein Schlaglicht auf die Situation an einem Ort. An Messetagen steigt die Einwohnerzahl in Frankfurt nicht an, obwohl an einem dieser Tage viel mehr Menschen gezählt werden können. Ähnliche Effekte können zum Beispiel durch einen Fütterer hervorgerufen werden, der die Tauben eines ganzen Bezirks kurzfristig an einen Ort lockt. Zahlen aus solchen Zählungen werden deshalb von uns sehr kritisch betrachtet.

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Stichwort Fütterer. Über die von Fütterern verursachten Schäden kann man trefflich streiten.
Zu glauben, das Taubenproblem wäre mit einem Fütterungsverbot gelöst, wäre in etwa so, als würde man auf Türschlösser verzichten, weil das Gesetz Einbrüche verbietet. Fütterer sind Realität. Die von ihnen verursachten Gegebenheiten (z.B. das Futterangebot an einem bestimmten Ort) lassen sich nicht einfach aus einem Konzept ausklammern, weil das Füttern verboten ist.

Deshalb glaubt das Stadttaubenprojekt weiterhin an den Erfolg des Augsburger Modells und wird dabei vom Ordnungsamt in Wiesbaden bestätigt. Seitdem das Projekt dort eine ausreichende Zahl von Schlägen betreibt, sind die taubenbedingten Beschwerden nach Aussage des zuständigen Sachbearbeiters um über 70 Prozent zurückgegangen.
Wenn das kein Erfolg ist ...

 

Stadttaubenprojekt Frankfurt e. V.
Solmsstr. 9
60486 Frankfurt am Main
www.stadttaubenprojekt.de
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