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Bekämpfungsmaßnahmen

Manche Städte versuchten, den Bestand der Stadttauben durch Tötungsaktionen (z.B. Abschuß oder Vergiftung) zu reduzieren, teilweise sogar gänzlich auszurotten. Das Bundesgesundheitsamt erklärte jedoch 1989 in einer Stellungnahme, dass der Einstufung der verwilderten Haustaube als Schädling im Sinne des § 13, Absatz 1, Bundesseuchengesetz in dieser Form nicht mehr zugestimmt werden kann.

Im Dezember 1997 stellt das Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fest, dass Tötungsmaßnahmen von Stadttauben dem Tierschutzgesetz widersprechen. Der im Gesetz zwingend geforderte »vernünftige Grund« für das Töten von Tieren ist im Falle der Stadttauben nicht gegeben.

Auch der rechtsstaatliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel wird verletzt. Der Biologe, Dr.Th. Bartels, beschreibt, dass Tötungsaktionen keinen nachhaltigen Einfluß auf die Populationsdichte haben, sondern allenfalls zu einer Verjüngung der Bestände führen. Bei allen Tötungsmethoden wird gleichzeitig das Verhungern unselbstständiger Jungvögel billigend in Kauf genommen, da Stadttauben nahezu ganzjährig brüten. Das läßt man geschehen, obwohl das Tierschutzgesetz die Tötung von Tieren unter Vermeidung von Schmerzen und Leiden sowie unter Betäubung vorschreibt (vgl. §§ 1 u. 4 TSchG). Tötung durch Verhungern folgt dieser Auflage nicht.

Die verwesenden Jungtauben können zudem eine erhebliche Belästigung darstellen (Abwandern von Parasiten, Geruchsbelästigung etc.). Wie Kommunen die Erkenntnisse auswerten, soll das folgende Zitat der Stadt Hannover von 1994 zeigen: » Die letzte Zyanosil-Vergiftungsaktion (Blausäuregas) wurde bei uns 1984 durchgeführt. Unser Veterinäramt vertritt seitdem die Ansicht, daß Vergiftungsmaßnahmen, bei denen jeweils etwa 1.000 Tauben erfaßt werden, das Problem der Stadtverschmutzung nicht lösen.«

Vergiftung

Alpha-Chloralose, ein Narkotikum, wird häufig Mais untergemischt und auf öffentlichen Plätzen ausgebracht. Nach Aufnahme des präparierten Futters kann das Eintreten der Wirkung zwischen 30-60 Minuten liegen, wodurch sich die Tiere nach Aufnahme des Narkotikums noch beträchtlich vom Futterplatz entfernen können. Die Folge ist, dass die Tiere während der einsetzenden Wirkung des Mittels (Anflutungsphase) an unzugänglichen Stellen (Schornsteine, Dachrinnen, etc.) verunglücken und qualvoll sterben (vgl. Haag, D., Ein Beitrag zur Ökologie der Stadttaube, Basel, 1984, Dimigen, J., Tierschutzgerechte Regulierung verwilderter Stadttauben, 1986, zitiert nach: Bartels, Th., Möglichkeiten und Risiken der Einrichtung betreuter Taubenschläge zur Bestandsminderung von Stadttauben, Hannover, 1996).

Nicht selten fliegen die Tiere im Straßenverkehr der Innenstädte gegen Autos, verletzten sich schwer und stellen unter Umständen noch eine Verkehrsgefährdung für die Autofahrer dar. Als Nebenwirkungen des Mittels treten bei den Tieren Atemnot und Lähmungen der Extremitäten auf. Weiterhin muss bedacht werden, daß bei Einsatz dieses Narkotikums auch andere, ggf. dem Artenschutz unterliegende Vogelarten präpariertes Futter aufnehmen und durch eine Überdosis der Substanz geschädigt werden (vgl. Bartels, Th., Möglichkeiten und Risiken der Einrichtung betreuter Taubenschläge zur Bestandsminderung von Stadttauben, Hannover, 1996). Alpha-Chloralose ist aufgrund der Nebenwirkungen zur Taubenbestandsverminderung nicht geeignet.

Blausäure ist nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen ein sehr gefährliches Gift. Es wird ebenso wie Alpha-Chloralose dem Futter untergemengt und auf öffentlichen Plätzen ausgebracht. Blausäure verursacht außerordentliche Schmerzen und einen schweren Todeskampf. Aufgrund der schnellen Verdampfung von Blausäure läßt die Wirksamkeit rasch nach, so dass eine Unterdosierung des Giftes möglich ist. Die Folge ist ein verlängerter, qualvoller Todeskampf. Andere Tierarten können das vergiftete Futter ebenfalls aufnehmen. Der Einsatz von Blausäure ist folglich nicht mit dem Tierschutz und aufgrund der mangelnden zielgerichteten Einsatzmöglichkeiten auch nicht mit dem Naturschutz zu vereinbaren (vgl.Havelka, P., Sabo, S., Mit Stadttauben leben, Karlsruhe, 1995, Hrsg. Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg).

Die Vergiftung von Tauben mit Blausäure wird als Tierquälerei, die außerdem das Leben von Mensch und Tier gefährdet, bezeichnet (vgl. Kraft, H., Vergiftung von Tauben mit Blausäure zur Dezimierung überschüssiger Populationen, 1974, zitiert nach: Bartels, Th., Möglichkeiten und Risiken der Einrichtung betreuter Taubenschläge zur Bestandsminderung von Stadttauben, Hannover, 1996).

Abschuss

Städte sind befriedete Bereiche, in denen der Schußwaffengebrauch eine Störung und eine Gefährdung darstellt. Werden die Tauben nicht tödlich getroffen und aufgegriffen, so sterben sie einen qualvollen Tod. (vgl.Havelka, P., Sabo, S., Mit Stadttauben leben, Karlsruhe, 1995, Hrsg. Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg).

Fangaktionen

Fangaktionen lassen zwar die Freisetzung fälschlich gefangener Tierarten zu (sofern die betroffenen Tiere nicht zu Schaden gekommen sind), sie sind aber während der Brutzeit tierschutzwidrig, weil die unselbständigen Nestlinge verhungern und erfrieren (vgl. DVG-Fachgruppe Geflügel (WVPA), Das Problem der Stadttauben, Verf. Monreal, G., Berlin, 1991). Fachleute verweisen darauf, dass das Schicksal der Tauben nach dem Einfangen von den Taubenfängern abhängt (Tötung durch Spritze, Abhacken des Kopfes (Dekapitation) oder Genickbruch, Verfütterung an Wildtiere in Zoos). Vogelschützer vermuten, dass die Tauben in den wenigsten Fällen ohne Leiden getötet werden. Die Einfangmethode bringt zudem nur geringe »Erfolge« und ist nicht wirtschaftlich. Den Fängern werden in der Regel Kopfgelder pro getötetem Tier bezahlt (vgl.Havelka, P., Sabo, S., Mit Stadttauben leben, Karlsruhe, 1995, Hrsg. Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg).

Beizjagd

Falkner sehen ein lukratives Geschäft mit der Beizjagd auf Tauben. Neben einem blutigen »Spektakel« ist der Effekt ein erzwungener Standortwechsel der Tauben, aber keine Problemlösung. Zudem müssen die Greifvögel ein nicht ihrer Art gemäßes Leben in Gefangenschaft führen. Ein Teil von ihnen wurde als Jungtier »ausgehorstet«, also aus Nestern in freier Wildbahn entnommen. Diese Methode ist aus Natur- und Tierschutzgründen abzulehnen.

Fütterungsverbote

Einige Kommunen verordnen Fütterungsverbote, obwohl die Tauben erwiesenermaßen »verwilderte« Haustiere und auf die Hege durch den Menschen angewiesen sind. Durch Falschinformationen wird versucht, die Fütterung der Tauben als schädigend darzustellen.
Das Nahrungsangebot soll Ursache der Vermehrung sein. Fütterungen verhindern angeblich, dass Tauben wieder als Wildtiere leben. Man kann aber aus einem domestizierten Tier kein Wildtier mehr machen. Nicht durch Fütterung werden die Tiere abhängig, sondern sie sind es bereits durch die Zucht und die Veränderung zum Haustier.

Weitere Informationen zum Thema »Fütterungsverbote« haben wir auf einer separaten Seite zusammengestellt.

Vergrämung

»Taubenvergrämung«, eine spezielle Wortschöpfung, meint das Anbringen von Abwehrvorrichtungen an Gebäuden. Sie gehören zum alltäglichen Bild in den Städten: Netze, Spikes und Klebepasten sollen verhindern, dass Tauben sich niederlassen, nisten oder möglicherweise die Fassaden oder Gehwege verschmutzen. Solche Maßnahmen sind mit erheblichen Kosten verbunden. Teilweise haben sie nicht den gewünschten Effekt, da Tauben in ihrer Platznot erfinderisch sind. Viele dieser Vergrämungsmaßnahmen führen zu Verletzungen bei den Tieren und stehen im Widerspruch zum Tierschutzgesetz.

Nach § 13 Abs. 1 TSchG ist es verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzubringen oder anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist...

Klebepasten werden auf dem Mauerwerk aufgetragen, damit sich Tauben dort nicht niederlassen.
Sie können zu starken Verklebungen des Gefieders, der Schnäbel und der Extremitäten bei Tauben sowie allen anderen Vogelarten führen. Flugunfähigkeit in Verbindung mit dem Absturz der Tiere und anschließendem qualvollen Tod können die Folge sein (vgl. Havelka, P., Sabo, S., Mit Stadttauben leben, Karlsruhe, 1995, Hrsg. Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg).

Spikes und Spanndrähte werden z.B. auf Fensterbänken, Dachvorsprüngen und Regenrinnen angebracht, um zu verhindern, daß Tauben sich niederlassen, nisten und möglicherweise die Fassade oder Gehwege verschmutzen. Manche dieser Spanndrähte werden unter Strom gesetzt. Häufig sind Verbrennungen bei den Tieren die Folge.

Netze werden oftmals auf breiten Flächen angebracht, ebenfalls um die Tauben fernzuhalten. In solchen Netzen können sich die Tiere verfangen und qualvoll zu Tode kommen.

Ordnungsgemäß angebrachte Maschendrähte, die regelmäßig auf Beschädigung kontrolliert werden, sind an manchen Stellen sinnvoll. Dennoch sollte bedacht werden, dass der Taubenbestand dadurch nicht kontrolliert, sondern auf andere Gebäude verdrängt wird. Die Folge ist: Tauben leben auf immer weniger Raum, wodurch es zu einer erhöhten Belastung für die nicht mit Vergrämungsmaßnahmen versehenen Häuser - und für die Tiere kommt.

Auch wenn Vergrämungsmaßnahmen im Einzelfall sinnvoll sein können, sollten sie nicht als alleiniger Lösungsansatz praktiziert werden. Diese Aufgabe Schädlingsbekämpfungsfirmen zu übertragen, ohne die Beratung der Tierschutzarbeitsgruppen vor Ort in Anspruch zu nehmen, ist nicht empfehlenswert. Die Lösung der »Taubenproblematik« darf nicht Firmen überlassen werden, deren Ziel wirtschaftlicher Profit ist. Die Wahl der Mittel muss immer im Einklang mit dem Tierschutz stehen und sollte Kosten und Nutzen abwägen.

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