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Vorgestellt: Sachsen-Anhalts neuer Tierschutzbeauftragter

Marco König1Seit Anfang Februar 2016 hat Sachsen-Anhalt einen Tierschutzbeauftragten: den Fachtierarzt für Öffentliches Veterinärwesen Marco König. Damit ist Sachsen-Anhalt das fünfte Bundesland mit einem Tierschutzbeauftragten. Anlässlich seines Amtsantritts befragten wir ihn zu seinen Plänen.

Tierrechte: Herr Dr. König, Wie kamen Sie auf die Idee, sich als Tierschutzbeauftragter zur Verfügung zu stellen?

Ich bin 52 Jahre alt, promovierter Tierarzt (Fachtierarzt für Öffentliches Veterinärwesen) und seit 1990 in der kommunalen Veterinärverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt tätig. Während meiner amtlichen Tätigkeiten im Landkreis war ich verantwortlicher Tierarzt für das Sachgebiet Tierschutz und wurde dabei umfangreich mit der Umsetzung des Tierschutzrechtes in den Bereichen Nutztierhaltung, Tierheime und private Tierhaltung konfrontiert. Unter den im Landkreis ansässigen und zu überwachenden Unternehmen befanden sich beispielsweise ca. 200 Rinderhalter, mehrere große Schweinezuchtanlagen, große Geflügelhaltungsbetriebe, Schlachtbetriebe, eine Pelztierfarm, Tiertransportunternehmen, mehrere Tierheime und zahlreiche private Tierhalter. Durch die Tätigkeit in dieser Zeit wurde ich mit Problemen der bedarfsgerechten Tierhaltung und des tierschutzkonformen Umgangs mit Tieren sehr vertraut und verfüge heute über anwendungsbereites Wissen auf diesem Gebiet. Diese Kenntnisse konnte ich durch meine Tätigkeit in der Veterinärverwaltung der Landeshauptstadt Magdeburg ergänzen – u.a. durch Überwachungstätigkeiten in den Bereichen Versuchstierhaltung, Haltung und Umgang mit gefährlichen Hunden und Zootierhaltung.

Der Tierschutz mit all seinen Facetten bestimmt seit 25 Jahren meinen beruflichen und auch privaten Alltag. Ich habe die Entwicklung des Tierschutzes in dieser Zeit hinsichtlich der Rechtssetzung, der tatsächlichen Veränderungen in den Tierhaltungen und auch der Ausweitung des Stellenwertes in der Gesellschaft verfolgt und dabei gelernt, mich mit Argumenten aller beteiligten Seiten wie Tierhaltern, Tierschutzverbänden oder Behörden auseinanderzusetzen. Mir sind die gerade in der Gegenwart anstehenden Probleme auf tierschutzrechtlichem Gebiet bekannt und ich bin mir bewusst, dass es weiterhin viel Mühe, Argumentation, Forschung und nicht zuletzt Investitionen kosten wird, diese Probleme zur Zufriedenheit der meisten Beteiligten und vor allem zum Wohle der Tiere zu lösen. Ich möchte an dieser weiteren Entwicklung beteiligt sein und habe mich deshalb für die Stelle als „Ansprechpartner für Tierschutz“ beworben. Ich gehe davon aus, dass ich die Stelle aufgrund meines Fachwissens und meiner Berufserfahrung mit Initiative und Leben ausfüllen kann. Ich möchte mich der Herausforderung dieser Tätigkeit stellen und sehe dies als Fortführung meiner bisherigen tierärztlichen Tätigkeit an.

Tierrechte: Wo sehen Sie derzeit die dringlichsten Missstände im Tierschutz?

Generell bin ich der Meinung, dass der Tierschutz in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert besitzt und sowohl von der rechtlichen Reglung als auch von der Umsetzung in der Praxis gut aufgestellt ist. Wir leben vergleichsweise gut umsorgt in einer wohlhabenden Gesellschaft und können es uns erlauben, auf das Wohl unserer Mitgeschöpfe Tiere verstärktes Augenmerk zu richten. Das ist gut so und es ist ein Privileg, das in anderen Regionen der Welt so nicht existiert – das sollte man nicht vergessen. Natürlich gibt es nichts, was nicht noch besser zu machen wäre. Auch auf tierschutzrechtlichem Gebiet könnte man viele Dinge besser, gründlicher, umfangreicher durchführen. Gegenwärtig werden z. B. viele Dinge der Nutztierhaltung, die in der Vergangenheit akzeptiert wurden – teils aus Unwissenheit, teils wegen der primären Stellung der Erzeugung von Nahrungsmitteln, auf den Prüfstand gestellt und neu bewertet. Es ist rechtlich nicht per se verboten, Tieren Leiden zuzufügen. Aber was ist ein vernünftiger Grund dafür? Welche Leiden sind vermeidbar? Diese Fragen durchziehen alle Teilgebiete, wie die Nutztierhaltung, Versuchstiere, Zoo- und Zirkustiere, Heimtiere, etc. Letztlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass ein Mehr an Tierschutz mit Aufwand und Kosten verbunden ist – und diese Kosten sind auf die Gesellschaft, die mehr Tierschutz will, zu verteilen.

Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, diesen Prozess mit Fachwissen und Sachlichkeit zu begleiten, Tierschutzproblemen in Sachsen-Anhalt eine Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu verleihen und diesbezügliche Fragen beratend zu beantworten.

Tierrechte: Welche Projekte gehen Sie als erstes an?

Ich bin seit 1. Februar 2016 im Dienst, die Stelle „Ansprechpartner für Tierschutz“ wurde im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt als Stabsstelle erstmalig eingerichtet. Natürlich bin ich zunächst sehr damit beschäftigt, die Arbeitsfähigkeit der Stabsstelle einzurichten. Das umfasst z. B. personalrechtliche Angelegenheiten, die Einrichtung einer Homepage, Vorstellungen bei Wirtschaftsverbänden, Vereinen und Institutionen und ähnliches.
Fachlich sind die Einrichtung und Leitung einer Arbeitsgruppe „Ausstieg aus dem routinemäßigen Kupieren der Schwänze bei Schweinen“, die Leitung des Landestierschutzbeirates, Zuarbeiten und Beratungen des Ministeriums im aktuellen Tierschutz-Tagesgeschehen und die Beantwortung von Anfragen von Bürgern und Insitutionen die gegenwärtigen Hauptpunkte meiner Tätigkeit.


Dr. Marco König
Ansprechpartner für Tierschutz
www.mlu.sachsen-anhalt.de

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