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Wildtiere brauchen einen Platz zum Leben

foto famile gnz web27. Mai 2015 // Das Bioweingut Gänz im rheinland-pfälzischen Hackenheim ist seit dem 1. April 2015 jagdfrei, d.h. Jäger dürfen auf den Flächen der Familie Gänz in den nächsten drei Jahren keine Tiere mehr jagen und töten. Möglich wurde dies durch ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR).

Es war ein Schlüsselerlebnis, das dazu führte, dass Familie Gänz beschloss, die Jagd auf ihrem Grundstück zu verbieten. Bei einem Frühlingsspaziergang im Jahr 2010 stellte die Familie fest, dass Jäger einen Hochsitz der Luxusklasse in ihrem Wald errichtet hatten. Er war fest im Waldboden einbetoniert. Außerdem hatten sie Bäume gefällt, um vom Hochsitz aus besser schießen zu können. Familie Gänz war sprachlos. Sie wusste von nichts und war weder gefragt noch informiert worden. Den Biolandwirten war schnell klar, dass sie es nicht mehr zulassen wollten, dass andere in ihre Rechte eingreifen, die Tiere auf ihrem Grundstück töten und die Natur schädigen. Sie beschloss, ihr Land jagdrechtlich befrieden zu lassen. Doch es zeigte sich, dass dies der Familie trotz aller Entschlossenheit nicht leicht gemacht wurde.

Ethische Begründung wird in Frage gestellt
Nach einem Jahr der eingehenden Prüfung durch die Jagdbehörde wurde der Familie mitgeteilt, dass man ihre ethische Begründung für die Befriedung in Frage stelle und deswegen den Antrag ablehne. Die Erklärung: Da sie Landwirte seien und die Flächen bewirtschafteten, würden sie bewusst in Kauf nehmen, dass Insekten oder Mäuse dabei umkommen könnten. Diese hanebüchene Argumentation konterte die Familie mit einer klugen Begründung: Die Familie betreibe keinerlei „Nutztierhaltung“ und lasse nicht zu, dass Tiere mutwillig sterben. Im Gegenteil: Mit Blühstreifen, Nistkästen und weiteren Maßnahmen setzen sich die Landwirte für Tiere und Umwelt ein. Nach drei Jahren Kampf erreichte Famile Gänz letztlich, dass ihr Bioweingut seit dem 1. April 2015 jagdfrei ist.

„Die Tiere gehören zur Natur“
Damit ist das Weingut der erste landwirtschaftliche Betrieb in Rheinland-Pfalz, der auf seinem Grundstück keine Jagd mehr duldet. Ein heißes Eisen, denn die Jagd wird von den Landwirten massiv unterstützt. Viele Landwirte sind selbst Jäger. „Die Landwirte sind die, die am lautesten nach Jägern schreien, sobald mal ein Wildschwein auf dem Acker steht“, so Sarah Maria Gänz, die Tochter des Biolandwirtes. Sie hätte sich eine wissenschaftliche Begleitung der Befriedung begrüßt, um zu zeigen, dass das Jagdverbot nicht zu Horrorszenarien, wie der Explosion der Populationen und massiven Wildschäden führt. Doch dies ist nicht vorgesehen. Dabei räumt Sarah Maria Gänz ein, dass es natürlich wehtue, wenn eine Wildschweinrotte einen Teil der Ernte zerstöre. Doch dies gehöre ebenso zur Natur und damit zum Risiko eines Landwirtes wie Überschwemmungen oder Trockenzeiten. Als Landwirt bekäme man – trotz der harten Arbeit – alles vom Land geschenkt. Die Tiere gehörten genauso dazu wie die Pflanzen, die man ernte. Sie bräuchten einen Platz, wo sie bleiben könnten. Sie seien keine Schädlinge, sondern Teil der Natur und hätten ein Recht zu leben.

Getrübte Freude: Befriedung ist befristet
Doch die Freude ist getrübt, denn die Befriedung ist zunächst auf drei Jahre befristet. Nachdem die Landwirte eine komplette Ablehnung bekommen hatten, schlug ihr Rechtsanwalt vor, es erst mal mit einer dreijährigen Befriedung zu probieren. Ob die Familie nach drei Jahren die Befriedung noch einmal von vorne durchkämpfen muss, weiß sie noch nicht. Da der Vorgang auch für die Behörde rechtlich noch Neuland ist, empfiehlt sich, sich schon bei der Formulierung der ethischen Gesinnung von einem Anwalt beraten zu lassen. Dies sei auch ein Zeichen an die Behörden, dass man es als Grundstückseigentümer wirklich ernst meine, so Sarah Maria Gänz.

Die gesellschaftliche Entwicklung geht in die richtige Richtung
Und die Familie meint es ernst: Ihre Hoffnung ist es, dass die Tiere auf ihrem Land einen Rückzugsort finden, wo sie nicht mehr bejagt werden. Denn in einem Land, wo flächendeckend gejagt und praktisch jeder Quadratmeter genutzt wird, ist für Wildtiere kein Platz zum Leben. Hoffnung schöpft die Familie aus der gesellschaftlichen Entwicklung. Langsam setze sich die Erkenntnis durch, dass die Jagd nichts Romantisches an sich habe, sondern vor allem mit Tierqual zu tun hätte. Das sehe man auch an den aktuellen Novellierungen der Jagdgesetze Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen und dem Verbot der Fuchsjagd in Luxemburg. Ihre Vision geht jedoch weit darüber hinaus: Die Familie wünscht sich, die Trennung zwischen Mensch und Natur aufzuheben. Der Mensch müsse sich selbst wieder als Teil der Natur begreifen.

Das Bioweingut Gänz bietet nicht nur vegane Weine an, im angeschlossenen Biohotel können Sie auch Urlaub machen und sich mit Biowein und veganen Speisen verwöhnen lassen. Alle Infos unter: www.gaenz.com

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