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Statement:„Echter Naturschutz wäre es, ganz auf die Jagd zu verzichten“

WohllebenDer Förster und Autor Peter Wohlleben arbeitet als Revierleiter in der kleinen Eifelgemeinde Hümmel in Rheinland-Pfalz. Er sucht nach neuen, sanften Wegen, um bei der Nutzung des Waldes Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Dabei scheut er sich nicht, auch die starke Lobby der Jäger anzugreifen. tierrechte fragte ihn, was er an der Jagd und ihren Auswirkungen kritisiert und wie diese Missstände beseitigt werden könnten.

„Was ich kritisiere ist, dass die Jagd, wie sie zumeist praktiziert wird, dazu führt, dass die Populationen der für die Jäger interessanten Arten, nämlich Rehe, Hirsche und Wildschweine, explodieren – und zwar bundesweit. Deswegen spreche ich nicht mehr von sogenannten Wildschäden, sondern von Jagdschäden. Denn die Schäden, die das Wild im Wald verursacht, sind jagdlich bedingt. Deutschland gehört mittlerweile zu den Regionen, die weltweit die höchste Dichte an Pflanzenfressern hat. Damit nehmen auch die Schäden am Wald zu. Leider besonders bei den Laubbäumen. Es gibt Studien, die belegen, dass die Zunahme der ökologisch minderwertigen Nadelwälder direkt mit der Jagd zusammenhängen. Das ist vor allem dadurch bedingt, dass das Wild von den Jägern teilweise massiv gefüttert wird und dass Tiere ausgesetzt werden, die gar nicht in die Natur gehören, wie Mufflons (verwilderte Hausschafe).

Um kurzfristig eine Entlastung für den Wald zu erreichen, müsste die Kirrung, also die Fütterung des Wildes verboten werden, egal wie hart ein Winter ist. Echter Naturschutz wäre es meiner Meinung nach, wenn man großflächig ganz auf die Jagd verzichten würde. Dann könnte man schauen, ob es nicht auch anders geht. Wir haben in Deutschland beispielsweise in der Eifel, im Schwarzwald oder im Bayerischen Wald Großräume, wo man dies ausprobieren könnte. Hier könnten sich natürliche Predatoren, wie Luchse oder Wölfe, wieder ansiedeln. Momentan werden diese immer wieder illegal geschossen und so an ihrer Rückkehr in unsere Wälder gehindert. Zwar können die Raubtiere, die Wildtierpopulationen nicht wirklich regulieren, aber sie erzeugen Wellenbewegungen, in denen sich der Wald erholen kann. Damit sich die Natur wieder richtig entfalten kann, müssten allerdings alle Seiten bereit sein, hierfür zeitweise Einbußen hinzunehmen. Und bis dahin müssen paradoxerweise sogar mehr Pflanzenfresser gejagt werden als bisher, um die heimischen Laubwaldgesellschaften nicht völlig untergehen zu lassen.“

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