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Grüner Rock - grünes Herz?

Jäger verstehen sich selbst nicht nur als Tier-, sondern auch als Natur- und Artenschützer. Der Jagd liegt ein Naturverständnis zugrunde, wonach die Selbstregulation in unserer Kulturlandschaft nicht mehr funktioniert und der Mensch die Rolle der ausgestorbenen großen Beutegreifer übernehmen und das Wild »regulieren« muss. Dieses Naturverständnis basiert auf Annahmen, die fachlich seit vielen Jahren als falsch erkannt sind.

Der Jäger als Hüter des »ökologischen Gleichgewichtes«

Auch die Kulturlandschaft setzt sich aus Ökosystemen mit der Fähigkeit zur Selbstregulation zusammen, wenngleich natürliche Prozesse im Unterschied zur Naturlandschaft durch den Menschen in unterschiedlichem Umgang überformt sind. Dies ist jedoch nicht mit dem völligen Verlust von Eigenregulation gleichzusetzen, sondern bedingt Verschiebungen innerhalb der (Fließ-)Gleichgewichte. Dabei soll nicht bestritten werden, dass einige Schalenwildarten und auch Wildschweine Dichten erreichen können, die in der Land- und Forstwirtschaft Schäden verursachen.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, weshalb von den ca. 45.000 in Deutschland vorkommenden Tierarten9 nur die circa 130, dem Bundesjagdgesetz unterstehenden, jagdlich interessanten Arten einer Regulation bedürfen, diese Notwendigkeit für die weitaus größere Zahl der vorkommenden (jagdlich uninteressanten) Arten jedoch nicht besteht. Dazu der führt der Ökologe Prof. Berndt Heydemann aus: »Mit biologischem Gleichgewicht hat eine anthropozentrische Bestandsregulierung, die nur die Abschussquote von verzehrbarem Wild erhöhen soll, nichts zu tun.« (12)

Bejagung gefährdeter Arten

Für Tierarten, die in ihrem Bestand gefährdet sind und auf den sogenannten Roten Listen (Rote Listen Deutschland und Länderlisten) stehen, kann die Notwendigkeit zur Regulation eindeutig verneint werden. Diese Arten sind zumeist die Verlierer des Landschaftswandels der letzten Jahrzehnte und selten geworden. Dennoch werden etliche von ihnen legal bejagt. Während also Naturschützer (und Steuerzahler) zur Förderung einiger dieser Arten unter ehrenamtlichem Engagement und erheblichen Kosten Artenschutzmaßnahmen durchführen, dürfen Jäger Tiere dieser Arten z. T. töten. So wurden im Jagdjahr 2006/2007 insgesamt 7.264 Rebhühner und 395.388 Hasen getötet, die nach der Roten Liste Deutschland als »stark gefährdet« bzw. »gefährdet« gelten. (13,14)

Viele Arten sind in der Vergangenheit u. a. durch intensive Bejagung ausgestorben. So wurden Wölfe, Luchse, Wildkatzen, Biber und Fischotter fast vollständig ausgerottet und selbst aktuell werden aus Nachbarländern einwandernde Tiere immer wieder Opfer der Jäger. (15)

Die genaue Anzahl der getöteten Tiere der Roten Listen ist nicht zu ermitteln, da die Strecken einiger Arten als Gruppen (Familie, Unterfamilie, Gattung) erfasst werden, wie Wildgänse und Wildenten. Eine artscharfe Streckenliste ist aber Vorraussetzung für den Schutz gefährdeter Arten. Da besonders einige der Vögel selbst für Fachleute schwer zu bestimmen sind, kann begründet davon ausgegangen werden, dass die weitaus meisten Jäger diese nicht sicher erkennen und deshalb auch keine artscharfen Streckenlisten führen können.

Die Bejagung bundes- oder landesweit gefährdeter Arten ist unvereinbar mit den Zielen der Hege (§ 1 Bundesjagdgesetz), »einen artenreichen und gesunden Wildbestand« zu erhalten und naturschutzfachlich unverantwortlich.

(12) HEYDEMANN; B. (1997) Neuer biologischer Atlas. Ökologie für Schleswig-Holstein und Hamburg. 591 S., Wachtholtz-Verlag, Neumünster.
(13) BAUER et al. (2002): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands. In: Ber. Vogelschutz 39.)
(14) BOYE et al. (1998) Rote Liste der Säugetiere. In: Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. Schr.R f. Landschaftspflege und Naturschutz H. 55, Bonn-Bad Godesberg15 BFN (2004) Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 - Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Schr.R für Landschpfl. u. NatSch, Heft 69/Bd. 2, 693 S., BfN - Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag Münster.
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