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Legehennen

headDer Mensch hat das Huhn durch züchterische Selektion zur sogenannten "Legehenne" gemacht. Er hat die Tiere damit zu Eierproduzenten degradiert und zwingt sie zu widernatürlichen Höchstleistungen. Wenn die Legeleistung der Hennen nach ca. 1 Jahr abnimmt, weil sie durch das ständige Eierlegen völlig ausgezehrt sind, werden die Tiere als Suppenhühner geschlachtet. Seit 2009 ist die Haltung von sogenannten Legehennen in konventionellen Käfigen, auch Legebatterien genannt, zwar verboten. Dennoch dürfen die Hennen immer noch in Käfigen, der sogenannten "Kleingruppenhaltung" gehalten werden.

 Millionenfache Tötung von Küken

Auch wenn die Haltungsformen verbessert wurden (s.u.), ändert dies nichts an der Ausbeutung der Tiere und der grausamen Selektion der Eintagsküken in den Brütereien. Da bei der Nachzucht der "Legehennen" die männlichen Küken aus ökonomischer Sicht "wertlos" sind - ihre Mast würde im Vergleich zu den "Masthühner"-Rassen viel länger dauern -, werden alljährlich allein in Deutschland ca. 40 Millionen männliche Küken aussortiert und getötet. Dies sind 100.000 männliche Küken jeden Tag und fast 280 Millionen jährlich in der EU.

Schnabelkürzen: Tierqual im Hühnerstall

Wegen der drangvollen Enge, Stress und Mangelerscheinungen kommt es bei "Legehennen" besonders in der Bodenhaltung häufig zu Federpicken und zu Kannibalismus. Deswegen wird bei rund 90 Prozent aller "Legehennen" in Deutschland die empfindsame Schnabelspitze bei vollem Bewusstsein mit einer heißen Klinge abgetrennt. Gemäß Tierschutzgesetz ist das Schnabelkürzen verboten. Die Behörden der einzelnen Bundesländer können jedoch Ausnahmegenehmigungen erteilen. Mittlerweile ist die Ausnahme jedoch zur Regel geworden.

Warum werden immer noch Hennen in Käfigen gehalten, obwohl dies doch verboten ist?

Kurzer Rückblick: Im Jahr 1999 erklärte das BVerfG die Hennenhaltungsverordnung von Dezember 1987 für nichtig und stellte Grundanforderungen an eine tierschutzkonforme Haltung. Dazu gehört, dass die Tiere ihre angeborenen, arteigenen Verhaltensweisen ausleben können müssen. Als Konsequenz aus diesem Urteil und einer kurz danach erlassenen EG-Richtlinie wurde im Februar 2002 die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung um Bestimmungen für das Halten von Legehennen ergänzt. Diese - unter Bundesministerin Renate Künast (B90/Die Grünen) durchgesetzten - Ergänzungen bedeuteten die faktische Abschaffung der konventionellen Käfighaltung in Legebatterien. Als Haltungsformen waren nur noch Boden- und Freilandhaltung vorgesehen. Doch die Lobby setzte sich durch: Zwar ist die herkömmliche Legebatterie seit 2009 verboten, doch die Haltung in der "Kleingruppenhaltung" ist immer noch erlaubt.

Lobby setzte neuen Käfig durch

Auf Druck der Agrarlobby führte Künasts Nachfolger - der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) - die Käfighaltung im August 2006 gegen die Stimmen von Rheinland-Pfalz durch einen Maßgabebeschluss des Bundesrates wieder ein. Dieser erlaubte minimal größere Käfige, die beschönigend als "Kleingruppenhaltung" bezeichnet wurden. Außerdem konnten die Lobbyisten längere Übergangsfristen für die herkömmlichen Legebatterien durchsetzen. Nur ein Bundesland leistete Gegenwehr: Rheinland-Pfalz wandte sich gegen die "Kleingruppenhaltung" und reichte im Juni 2007 ein Normenkontrollverfahren beim BVerfG ein.

Aigner scheitert mit langen Übergangsfristen

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) als höchstes deutsches Gericht urteilte Ende 2010 über die Haltung der "Legehennen" und untersagte die Kleingruppenhaltung. Begründung: Im Rechtsetzungsverfahren sei 2006 die Tierschutzkommission nicht in der erforderlichen Weise angehört worden. Das Bundesverfassungsgericht forderte eine Neuregelung der "Legehennenhaltung" bis Ende März 2012. Am 23. September 2011 stimmte der Bundesrat erfreulicherweise gegen den Entwurf der Bundesregierung. Im Februar 2012 einigte sich der Bundesrats-Ausschuss für Agrarpolitik und Verbraucherschutz auf einen Kompromissvorschlag, den die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Niedersachsen zur Legehennenhaltung gefunden hatten. Danach sollte die Haltung in sogenannten Kleingruppenkäfigen Ende 2023 und in Ausnahmefällen 2025 beendet werden. Dies bedeutete gegenüber dem Entwurf der Bundesregierung, die 2035 forderte, eine Verkürzung der Laufzeit um 12 bzw. 10 Jahre. Der Bundesrat stimmte am 2. März 2012 für den Vorschlag von Rheinland-Pfalz und Niedersachsen sowie für weitere Verbesserungen des Regierungsentwurfes.

Oktober 2015: Das "Aus" für die Kleingruppenhaltung kommt

Zu einer Einigung kam es erst über drei Jahre später: Anfang Oktober 2015 einigten sich Bund und Länder auf der Agrarministerkonferenz in Fulda endlich auf einen Ausstieg aus der Käfighaltung von Legehennen. Danach wird Deutschland bis 2025 die Käfighaltung von Legehennen beenden. Neue Käfighaltungen von Hühnern werden nicht mehr genehmigt. Dieser Kompromiss zwischen Bund und Ländern konnte auf Betreiben von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz erreicht werden. "Mit dem erreichten Kompromiss ist das Aus der Käfighaltung von Legehennen nun endlich besiegelt. Dennoch schmerzt es, dass die tierquälerische Haltungsform in der sogenannten Kleingruppenhaltung noch bis 2023 erlaubt sein soll. Die lange Verweigerungshaltung des Bundes müssen derzeit fast 5 Millionen Legehennen mit lebenslangem Leid in der Käfighaltung bezahlen", so Christina Ledermann, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte.

Keine Eier ist der beste Tierschutz

Seit dem Verbot der Legebatterien konnten sich andere Haltungsformen wie die Freiland- und die Biohaltung zwar besser durchsetzen. Doch beim Eier-Kauf nur auf die Haltungsform der Tiere zu achten, ist zu wenig, denn diese ändern grundsätzlich nichts an der Ausbeutung der Tiere. "Der Mensch zwingt die Henne zu widernatürlichen Höchstleistungen. Egal ob Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung – wenn die Henne durch das ständige Eierlegen ausgezehrt ist und ihre Legeleistung abnimmt, wird sie nach etwa einem Jahr geschlachtet. Hinzu kommen Praktiken wie das schmerzhafte Schnabelkürzen und die skandalöse millionenfache Tötung der männlichen Eintagsküken. Deswegen ist es der beste Tierschutz, seinen Speiseplan völlig ohne Eier und Produkte vom Tier auszurichten", so Christina Ledermann.

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