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Schluss mit der Milch: "Wir gehen jetzt einen anderen Weg!"

Wilma 1Seit 1930 war die Milchwirtschaft ein Standbein der Familie Michiels aus dem niederrheinischen Wegberg. Als die Familie im Frühjahr 2016 beschloss, die Milchkuhaltung aufzugeben stand für Wilma Michiels fest: "Aufhören ist gut, aber die Kühe bleiben hier!" Um sie zu retten, gründete sie den Verein "Erika and Friends". Der Bundesverband hat die Michiels besucht, um zu erfahren, wie es dazu kam und was sie als nächstes vorhaben.

Fragt man Wilma Michiels, ob es ein Schlüsselerlebnis für die Rettung ihrer Kühe gab, bekommt sie feuchte Augen. "Wir hatten mal einen handzahmen Bullen", berichtet sie. "Er hieß Fridolin und ich habe ihn ganz besonders geliebt". Als Wilma ein paar Tage nicht da war, wurde Fridolin geschlachtet, anstatt kastriert. Wenig später lag er bei der Kommunion als Braten auf dem Tisch. Den Schmerz darüber wird sie nie vergessen.

Als wir entschieden, die Milchwirtschaft aufzugeben, haben ich und meine Schwiegertochter, gleich gesagt: Ja, es ist gut, aufzuhören! Aber die Kühe gehen nicht zum Schlachter!", erinnert sich Michiels. Die gelernte Erzieherin stand nie wirklich hinter der Milchwirtschaft, berichtet sie. Es sei immer furchtbar gewesen, wenn Kühe oder Kälber abgeholt wurden. Immer wenn der Schlachter Erika, die älteste Kuh, abholen wollte, sagte sie, Erika sei tragend, damit er sie nicht mitnehmen konnte.  

Erika bekam Morddrohungen
Nach Michiels Ankündigung, die Kühe zu behalten, gingen die Diskussionen jedoch erst richtig los. Ihr Mann hatte große Bedenken, wie sie Kühe durchbringen sollten. Auch die Menschen in ihrer Umgebung reagierten mit Unverständnis. Teilweise hätten sie sogar richtig Angst gehabt. Besonders als Erika Morddrohungen bekam – das sei schlimm gewesen. Auch ihr Mann stand unter großem Druck. Er musste sich von den anderen Landwirten anhören, was für ein „Weichei“ er sei. "Für jemand, der den größten Teil seines Lebens Tiere als „Nutztiere“ gehalten hat, ist es sehr schwer, das alles infrage zu stellen", erklärt Michiels die Reaktionen. Doch die Landwirtin gab nicht auf. Allen Widerständen zum Trotz verkündete sie: "Ich schaffe es, dass die Tiere nicht zum Schlachter gehen und wenn ich dafür Putzen gehe!"

"Wir gehen jetzt einen anderen Weg!"
Wilma Michiels hat ihre Ankündigung wahrgemacht. Die fast 50 Kühe stehen zufrieden grasend auf den herbstlichen Weiden. Außerdem leben auf dem Hof einige Pferde, Hunde, Ziegen, Schafe, Kaninchen, Schweine, Hühner, die teilweise noch etwas zerzaust aus einer Bodenhaltung kommen, sowie zwei Hähne, Hauskatzen und wildlebende Katzen, die gerade alle kastriert werden. Erika, die mit 13 Jahren betriebsälteste Kuh und Namensgeberin des Vereins, schlendert langsam auf uns zu. Sie käme nur, wenn man eine Bürste dabei hätte, denn sie liebte es, wenn man sie richtig durchbürste, sagt Michiels, während sie der langbeinigen Erika nachschaut. Als Wilma Michiels vor zehn (?) Jahren auf den Hof kam, hatte sie den Tieren das Versprechen gegeben, dass sich hier einiges ändern wird. Dann strahlt sie über das ganze Gesicht: "Das haben wir jetzt – nach zehn Jahren – endlich geschafft. Da bin ich echt stolz drauf. Wir gehen jetzt einen anderen Weg!"

Tiere retten und Kinder aufklären
Ihr Traum ist, dass der Verein bald so gut aufgestellt ist, dass sie weitere Kühe retten können. Sie bekämen momentan viele Anfragen von anderen Bauern, die fragten ob sie deren Kühe übernehmen können. Noch muss sie ablehnen. Das fällt ihr schwer. Aber sie muss jetzt auf dem Teppich bleiben. Erst muss der neue Laufstall für den Winter fertig und die Weiden neu eingezäunt werden. Außerdem braucht sie mehr Helfer auf dem Hof, die ihr beim Misten und Füttern helfen. Und natürlich braucht sie Geld, um dies alles zu bezahlen. Ein weiteres Ziel ist der Umbau der Scheune in eine Bildungsstätte für Kinder. Dort sollen Besuche und Schulungen stattfinden, bei denen die Kinder lernen, was die Milchproduktion für Kuh und ihr Kälbchen bedeutet. Teile des alten Stalles sollen erhalten werden, damit die Kinder sehen können, wie Kühe  in Anbindehaltung gehalten werden.

"Wir müssen endlich umdenken!"
Zum Schluss frage ich Wilma Michiels, was passieren muss, damit sich für die Tiere etwas ändert. Sie denkt kurz nach und sagt: "Wir müssen endlich umdenken und beginnen, Tiere nicht mehr als Sache zu sehen. Ich frage mich, wo das hinführen soll. Wir müssen Sie als Lebewesen schätzen und sie auch so behandeln." Die Michiels haben sich das zu Herzen genommen. Heute retten sie Tiere in Not und bauen Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln, Getreide und Raps an. Der Bundesverband brachte bei seinem Besuch eine Spende von 5.000 Euro mit. Denn er findet, dass diese Entscheidung Unterstützung verdient.

erika logoMehr Infos zum Verein unter:
www.erikaandfriends.de

Ein ausführliches Interview mit Wilma Michiels lesen Sie hier. 

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