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Die Designer-Kuh: Genmanipuliert, geklont, patentiert

Nicht nur durch konventionelle Zucht werden Rinder heute den Bedürfnissen des Menschen angepasst. Gentechnische Veränderung soll die »Milch-« und »Fleischleistung« noch höher schrauben und die Produktion menschlicher oder anderer artfremder Eiweiße in der Milch ermöglichen. Die Designer-Kuh - vervielfältigt durch Klonen, schließlich patentiert und damit zur »Erfindung« des Menschen gemacht.

Im Januar 2008 gab die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA in einer vorläufigen Stellungnahme bekannt, dass nach derzeitigem Wissensstand beim Verzehr von Milch und Fleisch geklonter Tiere keine Gefahr für die menschliche Gesundheit bestehe. Diese Stellungnahme entspricht im Wesentlichen der Einschätzung der amerikanischen Lebensmittelbehörde, die Anfang des Jahres grünes Licht für die Markteinführung von Produkten geklonter Rinder, Schweine und Ziegen gab.

Misserfolg Klonen

Weder die Frage, wer die Produkte geklonter Tiere überhaupt braucht, noch jene nach der ethischen Zulässigkeit eines Verfahrens, das zum allergrößten Teil zu missgebildeten oder lebensunfähigen Tieren führt, waren Gegenstand der EFSA-Stellungnahme. Beim Klonen werden dem Tier Zellen entnommen, z. B. aus dem Euter, der Haut oder auch aus anderem Gewebe. Diese Zellen werden im Labor kultiviert, vermehrt, und schließlich wird ihnen der Zellkern, in dem sich das Erbgut befindet, entnommen. Dieser Zellkern wird in die Eizelle eines weiteren Tieres verbracht. Aus dieser Eizelle wurde der Zellkern - und damit das Erbgut der »Eizellspenderin« - entfernt. Der Zellkern vom ersten Tier und die Eizellhülle werden durch elektrische Impulse miteinander verschmolzen.

Embryo stirbt in den allermeisten Fällen

In den allermeisten Fällen stirbt der geklonte Embryo noch im Mutterleib ab. Die überlebenden Tiere weisen oft Missbildungen oder andere Schäden auf. Laut EFSA-Stellungnahme beträgt die »Erfolgsrate« beim Klonen lediglich 0,5 bis 5 Prozent, je nach Tierart. Das bedeutet, 95 bis 99,5 Prozent der auf diese Weise erzeugten Embryonen überleben diese Prozedur nicht.

Keine Argumente für das Klonen

Auch die Ethik-Gruppe der EU-Kommission EGE hat sich zum Klonen von Tieren für Lebensmittel geäußert und kommt zu dem Schluss, dass angesichts des Leidens und der gesundheitlichen Probleme, die beim Klonen von Tieren auftreten, große Zweifel bestehen, ob das Klonen von Tieren für Lebensmittel gerechtfertigt sei. Die EGE sieht derzeit keine überzeugenden Argumente für die Produktion von Lebensmitteln geklonter Tiere oder ihrer Nachkommen.

Gen- und Klontechnik

Klonen ist keine Gentechnik, da die Gene, also das Erbgut, beim Klonen nicht gezielt durch den Menschen verändert werden. Genmanipulierte Tiere - vor allem sogenannte Nutztiere - lassen sich aber durch konventionelle Zucht häufig nicht weiter vermehren, ohne dass die gentechnische Veränderung verloren geht. Daher sollen genmanipulierte Tiere durch Klonen »vervielfältigt« werden. Gen- und Klontechnik sollen sich also ergänzen.

Ziel: mehr Produktivität

Das Ziel bei der Genmanipulation von Kühen liegt zum einen in der Erhöhung der »Produktivität«, das bedeutet mehr Milch oder Fleisch, aber auch eine erhöhte Fruchtbarkeit oder Resistenz gegen bestimmte Erkrankungen. Fruchtbarkeit und Krankheitsresistenz sind allerdings kaum durch nur ein Gen, sondern durch sehr komplexe Vorgänge im Organismus bedingt, weshalb die gentechnische Veränderung wenig aussichtsreich ist.

Milch aus dem Genlabor

Ein weiteres Ziel ist die Herstellung artfremder Eiweiße. So wurden menschliche Gene in das Erbgut von Rindern eingeschleust, die die Produktion menschlicher Eiweiße und deren Ausscheidung in der Milch bewirken sollten. Auf diese Weise sollen Blutgerinnungsfaktoren, Insulin oder auch antibiotisch wirkende Substanzen hergestellt werden. Dieses Verfahren wird auch als Gen Pharming bezeichnet. Auch andere artfremde Eiweiße, wie z. B. industriell nutzbare »Spinnenseide«, sind Gegenstand solcher Versuche mit Kühen und anderen Milch gebenden Tieren wie Ziegen, Schafen oder sogar Kaninchen. Auch die Eigenschaften der Milch sowie der Gehalt ihrer Inhaltsstoffe stehen im Visier der Gentechniker. Die Milch soll industriell leichter zu verarbeiten oder milchzuckerfrei sein und z. B. für die Käseherstellung die optimale Eiweiß-Zusammensetzung haben.

Die patentierte Kuh

Der Trend, »Milchkühe« und andere Tiere durch Gen- und Klontechnik bis ins Erbgut hinein den ökonomischen Vorstellungen des Menschen anpassen und profitabel zu machen, geht noch weiter. Unternehmen und »Erzeuger« solcher Tiere wollen durch Patente auf sie den Gewinn steigern. Ein Patent wird normalerweise auf eine Erfindung, z. B. auf technische Geräte oder auch Verfahren, erteilt und sichert dem Erfinder das Recht, anderen zu verbieten, die Erfindung zu nutzen bzw. für die Nutzung Lizenzgebühren zu verlangen.

Lebewesen zum Patent degradiert

Tiere - auch gentechnisch veränderte - sind jedoch niemals Erfindungen des Menschen! Sie sind Lebewesen mit eigenen Rechten. So erteilte das Europäische Patentamt in München 2007 erstmals ein Patent auf genmanipulierte »Milchkühe« und degradierte sie damit tatsächlich zur »Erfindung«. Die »Erfinder« erheben Anspruch auf Verfahren zur konventionellen Züchtung oder Genmanipulation von Kühen, die mehr Milch oder auch Milch mit veränderten Inhaltsstoffen geben. Auch auf Gene erstreckt sich der Patentanspruch. Damit können nicht nur für die Nutzung des Verfahrens, sondern auch für die »Produkte« selbst, also die Kälber, sowie für ihre Weiterzucht Lizenzgebühren verlangt werden.

Die Macht nutzen

Gen- und Klontechnik liegen bei vielen Wissenschaftlern und Unternehmen im Trend. Und die Mühlen der Behörden, der Verwaltung und auch der Politik mahlen mitunter sehr langsam. Wir alle sind jedoch Verbraucher - und haben damit die Macht, die Welt über das, was wir kaufen und konsumieren, mitzugestalten. Diese Macht können und sollten wir nutzen - jeden Tag!

Autorin: Marion Selig, Tierärztin und Fachreferentin bei Menschen für Tierrechte.

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