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Kommentar zur Tierwohl-Initiative: Freiwillige Verbesserungen bei der Tierausnutzung

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt will eine bessere Tierhaltung erreichen. Im Mittelpunkt stehen die Tiere, die auf unseren Tellern landen. Es soll zwar deutliche Verbesserungen geben – am System der Tierausnutzung wird aber nicht gerüttelt.

Die Tierwohl-Initiative von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt fußt auf der Tiernutzung und will die schlimmsten Qualen der Tiere während ihres kurzen Lebens in den Hochproduktionsstätten abstellen. Der Bundeslandwirtschaftsminister verfolgt dabei eine „verbindliche Freiwilligkeit“ von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Handeln soll in erster Linie die Wirtschaft, sie soll die Tierschutzverbesserungen freiwillig auf den Weg bringen. Falls nicht, so Schmidt, könnten in letzter Konsequenz die Rechtsvorschriften geändert werden.

Überzogene mediale Aufmerksamkeit
Die breitgefächerte jahrzehntelange Kritik an der skandalösen Haltung von Schwein, Huhn Rind & Co hat schon 2011 den damaligen niedersächsischen Landwirtschaftsminister Gerd Lindemann (CDU) zu einem Tierschutzplan mit knapp 40 Punkten beflügelt. Sicher haben Schmidt und Lindemann einen Schritt in die richtige Richtung gewagt, eine Revolution haben sie aber nicht eingeläutet. Die mediale Aufmerksamkeit, die Schmidts Tierwohl-Initiative genießt, ist deshalb völlig überzogen. Am 21. Oktober waren 13 Tierrechts- und Tierschutzorganisationen zum Runden Tisch bei Christian Schmidt eingeladen, um dringliche Tierschutzanliegen mit dem Minister zu besprechen und um mehr über die Tierwohl-Initiative zu erfahren. Dr. Christiane Hohensee war für unseren Bundesverband dabei.

Schmidts 10-Punkte-Plan
Das Wichtigste ist schnell erzählt. Den Schwerpunkt bildet die Tierhaltung in der Landwirtschaft. An der Tierausnutzung wird nicht gerüttelt. Verfolgt werden Systemverbesserungen, um die schlimmsten Überforderungen der Tiere, die ja nichts anderes als Tierquälereien sind, zu reduzieren.
Folgendes soll erreicht werden: Zertifizierung der Tierschutzverträglichkeit der Tierhaltungssysteme, Amputationsverbot für Hörner, Schnäbel und Schwänze; mehr Sachkunde für den beruflichen Umgang mit Tieren, Verbot der Schlachtung hochtragender Rinder und für das Töten männlicher Eintagsküken sowie die Aufnahme der Schlachtung von Fischen und Krebstieren in der Schlachtverordnung.

Tierschutz mit dem Einkaufskorb
Außerdem erwartet Schmidt von den Verbrauchern, Tierschutz mit dem Einkaufskorb zu betreiben. Um das zu erleichtern, sollen die Tierwohl-Initiative von Handel und Erzeugern und das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes aufeinander abgestimmt werden. Deutschland wird mit Dänemark und den Niederlanden ein höheres Tierschutzniveau in der EU verfolgen, sich für ein EU-Tierschutzlabel einsetzen und international höhere Tierschutzstandards einfordern.
Ein Tierschutzkompetenzzentrum soll 2015 starten und Tierschutzindikatoren entwickeln. Der Kompetenzkreis Tierwohl hat seine Arbeit als Bindeglied zwischen den beteiligten Gruppen und dem Landwirtschaftsministerium bereits im Oktober aufgenommen. Der Deutsche Tierschutzbund vertritt darin den Tierschutz. Eine Repräsentanz der Tierrechte ist nicht vorhanden.

Versuchstiere kommen nur am Rande vor
Versuchstiere werden im Tierwohl-Programm nur in einem Punkt aufgegriffen, genauso wie Haus- und Begleittiere. Die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET) wird zum nationalen Kompetenzzentrum ausgebaut. Es soll Behörden und Wissenschaftler beraten, Bindeglied zur EU-Kommission sein, die Erforschung tierversuchsfreier Methoden verfolgen und sich um eine tierschonende Tierversuchspraxis kümmern. Das Kompetenzzentrum führt den gleichen Namen wie die Einrichtung, die unser Verband einfordert, um Tierversuche zu verhindern. Zurzeit können wir aber noch nicht feststellen, ob die Leistungen dieses Zentrums unsere Forderungen nach einem „Wissenspool“ und „Helpdesk“ in vollem Umfang erfüllen. Wir werden hierzu in einer der nächsten Ausgaben der tierrechte berichten.

Bundesverband legt Maßnahmenkatalog vor
Unser Bundesverband hat zum Welttierschutztag am 4. Oktober und auf dem Treffen mit Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt die Förderung tierversuchsfreier Verfahren mit allem Nachdruck eingefordert und einen Katalog mit 26 effizienten Maßnahmen vorgelegt. Hohe Förderetats, Professuren, Lehrstühle und Forschungspreise für tierversuchsfreie Verfahren stehen ganz oben in der Prioritätenliste. Außerdem forderten wir vom Minister die Erarbeitung harter Daten und Fakten für die Feststellung der Unerlässlichkeit und ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen und die Gewährleistung eines einheitlichen Prüfrechts für die tierversuchsgenehmigenden Behörden. Besonderes Interesse bekundete der Minister für die Idee, spezielle Förderprogramme für serienreife Technologien einzurichten, wie z.B. die sogenannten „Multiorgan-on-a-Chip-Modelle“.

Fazit: Initiative hält am System der Tierausnutzung fest
Die Tierwohl-Initiative hält am System der Tierausnutzung fest und setzt bei den Verbesserungen auf Freiwilligkeit und Konsens mit allen beteiligten Gruppen. Wäre da nicht mehr drin gewesen, Herr Bundesminister? Interessant dürfte das angekündigte Gutachten des wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik werden, das über Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutzierhaltung berichten wird. Gut zu wissen, dass die vegane Lebensweise zunehmend Medien-Sympathien verbucht und in unserer Gesellschaft angekommen ist. An diesem Prozess wirkt unser Bundesverband weiterhin mit großer Freude mit.

Dr. Christiane Baumgartl-Simons

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