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Eckpunkte Kaninchenhaltung

Am 20. September hat der Bundesrat über den Entwurf der Bundesregierung zur Haltung von Mastkaninchen abgestimmt. Es handelt sich um die „Fünfte Verordnung zur Änderung der „Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung“, die die Haltungsvorgaben für erwerbsmäßig gehaltene Kaninchen erstmals verbindlich regeln soll. Trotz der Verbesserungen sind die neuen Vorschriften alles andere als ausreichend für die bewegungsaktiven Tiere.

Denn auch mit den höheren Haltungsanforderungen handelt es sich bei der Kaninchenhaltung immer noch um eine tierquälerische Intensivtierhaltung, in der die Tiere bis zu ihrer Schlachtung in Käfigen gehalten werden. Menschen für Tierrechte lehnt diese Haltungsform komplett ab und appelliert an die Verbraucherinnen: „Kaufen Sie kein Kaninchenfleisch. Der beste Tierschutz ist es, überhaupt keine Produkte von Tieren zu konsumieren“.

Lesen Sie dazu auch unsere Pressemitteilung vom 19.09.2013.

Hier finden Sie den Entwurf der Bundesregierung (Drucksachen Nr. 570/13 Regierungsentwurf, Nr. 570/1/13, Ausschussempfehlungen und Nr. 570/13-Beschluss; Beschluss des Bundesrates): www.tierschutzwatch.de

Der Bundesratsbeschluss vom 20.09.2013 Drucksache Nr.  570/13 (Beschluss)

Zusammenfassung:

Der Bundesrat hat am 20.09.2013 beschlossen, von der Bundsregierung in mehreren Punkten Haltungsverbesserungen für die Kaninchen einzufordern. Das Bundesrats-Plenum folgte damit im Wesentlichen den Beschlussempfehlungen seines Agrarausschusses.

Bodenfläche
Die Bodenfläche für Mastkaninchen soll vom 11. bis 24. Tier bei 850 cm2 liegen, ab dem 25 Tier bei 700 cm2. Der Regierungsentwurf sieht weniger Platz vor: ab dem 11. Tier 700 cm2.

Die Mindestbodenfläche einer Haltungseinheit soll von 6.000 cm2 (Regierungsentwurf) auf 8.000 cm2 erhöht werden, sie soll 80 cm wie im Regierungsentwurf lang sein und 60 cm breit sein (die Breite hat der Bundesrat neu beschlossen).

Zwei Drittel der Fläche der Haltungseinheit dürfen einen höheren Perforationsgrad als 15 Prozent haben.   

Der Bundesrat will, dass Zuchtkaninchen über 5,5 kg statt 6.800 7.400 cm2 Bodenfläche erhalten, bis 5,5 kg Körpergewicht bleibt es bei den 6.000 cm2.

Nestkammer
Die Häsin muss die Möglichkeit haben, das Nest (mit Nestbaumaterial) zu verschließen.  Das Nest muss von der Haltungs-einrichtung durch eine Schwelle, die mindestens 8 cm hoch ist (Regierungsentwurf 6 cm) abgetrennt sein.

Das Dach der Nestkammer darf von der Häsin zwecks Vermeidung von Erschütterungen nicht bespringbar sein und als erhöhte Sitz- und Liegefläche genutzt werden.

Neu ist die Einforderung des Sachkundenachweises der Kaninchenhalter durch die Sachkundebescheinigung (ausgestellt von der zuständigen Behörde) in einem neuen § 35a vom Bundesrat.

Frühes Absetzen der Jungen (vor dem 28. Lebenstag) darf nur nach tierärztlicher Indikation erfolgen (Regierungsentwurf sieht die tierärztliche Indikation nicht vor).  

Außerdem hat der Bundesrat noch zwei Entschließungen gefasst:

Die Bundesregierung soll den Anwendungsbereich klären: Ab welcher Tierzahl ist ein Betrieb dem Begriff „zu Erwerbszwecken“ zuzuordnen

Um die Kaninchenhaltung weiter zu verbessern müssten die zu treffenden Haltungsmaßnahmen durch Forschungsergebnisse untermauert werden. Solche Untersuchungen gibt es aber bisher nicht. Deshalb will der Bundesrat, dass die Bundesregierung Forschungen zu Haltungssystemen für die gewerbliche Kaninchenhaltung fördert.

Einzelhaltung
Die Einzelhaltung für Mastkaninchen ist nur im begründeten Einzelfall vorgesehen, Zuchtkaninchen sollen grundsätzlich einzeln gehalten werden können. Der Bundesrat will bei Einzelhaltung sicherstellen, dass sich die Kaninchen sehen, riechen und hören können, der Regierungsentwurf sieht nur „sehen“ vor. 

Übergangsfristen
Die Übergangsfristen (nach Inkrafttreten der Haltungsvorgaben) sind lang bemessen, sie schwanken zwischen fünf, zehn und fünfzehn (Vorlage der Sachkundebescheinigung, Forderung des Bundesrates) Jahren. Die vom der Bundesregierung vorgegebenen Zeiten von fünf und zehn Jahren werden vom Bundsrat unterstützt.

Mortalitätsrate
Leider fand die Beschlussempfehlung, dass ein Mastbetrieb einen Tierarzt hinzuziehen muss, sobald die tägliche (kummulative) Mortalitätsrate sieben Prozent übersteigt, keine Mehrheit. Es bleibt also dabei: ein Tierarzt ist erst dann hinzuzuziehen, sobald die tägliche kummulative Mortalitätsrate zehn Prozent übersteigt (im ursprünglichen Entwurf lag dieser Prozentwert noch bei fünf Prozent).Außerdem will der Bundesrat, dass das Hinzuziehen eines Tierarztes  bei Jungtieren erst dann erforderlich ist, sobald die kummulative Mortalitätsrate über zwölf Prozent liegt, weil Jungtiere im Vergleich zu Alttieren eine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen. („Kummulative tägliche Mortalitätsrate“ = die Summe der tägliczen Mortalitätsraten während eines Jahres);

Haltungseinrichtungen
Die Entnahme der Tiere aus den Haltungseinrichtungen muss problemlos möglich sein (Öffnungen müssen groß genug sein). Die Auftrittsbreiten im perforierten Boden müssen mindestens so groß sein wie die Spalten –oder Lochweiten (11 mm bei Mastkaninchen, 14 mm bei Zuchtkaninchen).

Die Haltungseinrichtungen müssen über einen abgedunkelten Rückzugsbereich für die Kaninchen verfügen. Hier müssen sich die Tiere gegenseitig ausweichen können. Die Kaninchen müssen jederzeit Zugang zum Tränkwasser haben. Bei künstlicher Beleuchtung muss der 24 Stunden Rhythmus eingehalten werden, eine Dämmerungsphase von 30 Minuten  und eine acht Stunden Nachtphase müssen vorhanden sein.

Erhöhte Bodenfläche
Eine erhöhte Bodenfläche zum Ruhen ist für Jungtiere, die sich überwiegend im Nest aufhalten, nicht vorgesehen; Die Größe der erhöhten Bodenfläche für Mastkaninchen im Regierungsentwurf findet die Zustimmung des Bundesrates.

Für Zuchtkaninchen wird der Platzanspruch erhöht, weil diese Tiere größer sind (600 cm2 pro Zuchtkaninchen sind im Regierungsentwurf vorgesehen. Der Bundesrat fordert mehr: Mindestfläche der erhöhten Bodenfläche 1.800 cm2, 60 cm lang, Breite wie bei Mastkaninchen 30 cm;).

Der Abstand der erhöhten Bodenfläche zur oberen Begrenzung der Haltungseinrichtung (Käfig) wird für Mastkaninchen von 25 cm auf 27 cm heraufgesetzt (liegt damit gleich hoch wie bei der Haltung von Kaninchen zu Versuchszwecken) und für Zuchtkaninchen auf 35 cm.

Die erhöhte Bodenfläche darf maximal zu 15 Prozent perforiert sein und maximal 40 Prozent der uneingeschränkt nutzbaren Bodenfläche betragen (40Prozent wurde auch den Haltungsanforderungen der Kaninchen zu Versuchszwecken entnommen). Der Bereich unterhalb der erhöhten Bodenfläche muss so beschaffen sein, dass sich die Kaninchen ausweichen können.

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