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Hohe Antibiotika-Gaben stellen Tierhaltungssysteme grundsätzlich in Frage

Kurz nach Veröffentlichung der alarmierenden Antibiotikastudie des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (LANUV) zum Antibiotika-Einsatz in der Hühnermast Ende 2011 folgte ein Bericht des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass nicht nur in der Hühnermast fast jedes Huhn aus den untersuchten NRW-Betrieben mit Antibiotika behandelt wird (96,4 %), sondern auch bei Puten (97%), „Mast“kälbern (100%) und  „Mast“schweinen (68%), der Einsatz von Antibiotika nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist.

Eine vertiefende Studie des LANUV, bei der Rückstände von antibiotisch wirksamen Substanzen im Trinkwasser von Hühnern und Puten gefunden wurde, bestätigte die Ergebnisse im Juli 2012. Ebenso wie eine Datenerhebung aus Mecklenburg-Vorpommern. Dies zeigt wiederum einen den Zusammenhang zwischen der Größe des Tierbestandes, der Verschlechterung der Lebensbedingungen der Tiere und dem Einsatz von Antibiotika. Dieser Zusammenhang wird von Fürsprechern der Agrarindustrie immer wieder verneint.

Als das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) am 11. September 2012 erstmals belastbare Zahlen zur Höhe der in Deutschland eingesetzten Menge an Antibiotika in der Tierhaltung bekanntgaben, war selbst Landwirtschaftsministerin Aigner überrascht: Rund 1.734 Tonnen Antibiotika waren 2011 an Tierärzte in Deutschland abgegeben worden. Diese Zahl lag weit über der bisherigen Schätzung von etwa 1.000 Tonnen.  

Vor diesem Hintergrund beschloss das Bundeskabinett kurz darauf Änderungen am Arzneimittelgesetz, um den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast zu verringern. Zentral ist die Einrichtung einer Datenbank zur Überwachung der Vergabe von Antibiotika, von der man sich mehr Transparenz erhoffte. Doch die Gesetzesnovelle wird als “Mogelpackung” kritisiert. Hauptkritikpunkt ist, dass keine konkrete Mengenreduzierung für Antibiotika vorgeschrieben werden soll. Nur die Mäster, deren Vergabe wiederholt weit über den Durchschnittsmengen liegen, müssten Maßnahmen ergreifen.

Die Grünen forderten daraufhin neben einer lückenlosen Dokumentation für alle betroffenen Tiere und Sanktionsmöglichkeiten eine echte Antibiotika-Redukionsstrategie und einen konkreten Fahrplan, wie Antibiotika grundsätzlich aus den Ställen verbannt werden könne. Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass Landwirte aus spezialisierten Schweine- oder Geflügelmastbetrieben bei Aufnahme in Krankenhäuser pauschal als Risikopatienten behandelt werden. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung steht massiv in der Kritik, weil er die Entwicklung resistenter Erreger fördert.

Dies stellt das System der Intensivtierhaltung grundsätzlich in Frage. Denn ohne einen radikalen Umbau der Haltungssysteme wird eine Reduktion der Antibioika-Gaben nicht möglich sein.

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