Haustiere
Über 23 Millionen Heim- und Haustiere leben in deutschen Haushalten. Nach den sogenannten landwirtschaftlichen „Nutztieren“ sind sie die zweitgrößte unter der „Obhut“ von Menschen gehaltene Tiergruppe. Die beliebtesten Tiere sind nach einer Umfrage der GfK Panel Services Katzen und Hunde und ihre Zahl nimmt stetig zu.
In 7,9 Millionen Haushalten leben ein oder mehrere Katzen. Hunde werden in 4,9 Millionen Haushalten gehalten. Weitere gerne als Haustiere gehaltene Tierarten sind: Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse und diverse Vögel wie Wellen- und Nymphensittiche, Zebrafinken und Kanarienvögel.
Viel Tierleid hinter verschlossenen Türen
Obwohl diese Tiere relativ leicht zu halten sind, spielt sich hinter deutschen Haustüren großes oft unsichtbares Tierleid ab. Sei es der Hund, der als Rudeltier, die meiste Zeit seines Lebens allein verbringt, zu wenig Auslauf bekommt, oder dem der wichtige Kontakt zu Artgenossen verwehrt wird. Sei es das Meerschweinchen, das, als „Spielzeug“ langweilig geworden, alleine in einem kleinen Käfig ohne Beschäftigung vor sich hinvegetiert. Oder das Zwergkaninchen, das seine grundlegenden Bedürfnisse wie Graben, Rennen und Springen nicht ausleben kann.
Verhaltensstörungen an der Tagesordnung
Durch fehlende Sachkunde der Halter leiden viele Tiere unter Verhaltensstörungen, Käfigneurosen, Fehlernährung und anderen vermeidbaren Erkrankungen. Zu kleine Käfige, fehlende Umweltreize und Beschäftigung, sowie das Fehlen von geeigneten Artgenossen führen dazu, dass viele Tiere frühzeitig sterben. Der Tierschutzbericht des Landes Thüringen (1995) besagt, dass mehr als 80 Prozent der festgestellten Tiermisshandlungen auf Missstände in der Heimtierhaltung zurückzuführen sind; wobei die Haltung von Exoten und Wildtieren das größte Problem darstellt.
Tiere sind dem Halter ausgeliefert
Und hier beginnt das Problem: ein Kleintier ist schnell gekauft, aber den tierischen Bedürfnissen wirklich gerecht zu werden, das ist weniger einfach. Da die über 23 Millionen Heim- und Haustiere in der durch Artikel 13 (Grundgesetz) geschützten und somit abgeschotteten Privatsphäre leben, ist es äußert schwierig hier Tiertschutzvergehen überhaupt festzustellen und auch wenn sie bemerkt werden, kommt es nur in besonders extremen Fällen von Tierquälerei vor, dass der Amtsveterinär einem Halter ein Tier entzieht.
Heimtierhandel ist ein boomendes Geschäft
Ein weiteres Problemfeld ist, dass die Artenvielfalt im Heimtierbereich stetig wächst. Die Heimtierindustrie ist ein Riesengeschäft und die Händler bemühen sich, das Bedürfnis nach neuen exotischeren Arten und Rassen zu wecken. Mit dem Resultat, dass anspruchsvolle Exoten ihr Leben in dunklen Kellern, Balkonen oder über dem Fernseher in beengten und ungeeigneten Behältnissen verbringen müssen. Hinzu kommt, dass ganze Industriezweige setzen teilweise völlig unsinnige und tierschutzwidrige Produkte herstellen, wie beispielsweise Laufräder für Mäuse o.ä.
Selbstliebe statt Tierliebe
Obwohl sich die meisten Menschen als Tierfreunde bezeichnen, halten sie Tiere aus Eigeninteresse. Hinter der der vermeintlichen Tierliebe der Halter stecken oft nur egozentrische Motive. Tiere werden als Statussymbol, Modeobjekt, Kinderspielzeug oder als Partner- oder Kindersatz angeschafft. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Tieren ist oft genug nicht gegeben. Die Tiere sind ihren Haltern völlig ausgeliefert und angesichts der Unverletzlichkeit der Wohnung ist eine öffentliche Kontrolle so gut wie unmöglich ist.





