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Xenotransplantation und Gen Pharming

Durch gentechnische Veränderung sollen Tiere den Wünschen und vermeintlichen Erfordernissen der Menschen angepasst werden. So sollen genmanipulierte Schweine als potenzielle »Organspender« herhalten und Schafe, Ziegen, Kaninchen und sogar Mäuse in ihrer Milch artfremde Eiweiße produzieren.

Schon seit etlichen Jahren wird zur Xenotransplantation geforscht, also zur Transplantation von Organen, Zellen oder Geweben von Tieren auf den Menschen. Auch das Gen Pharming - die Produktion artfremder Eiweiße durch Tiere - ist schon lange Gegenstand der Forschung. Die Ergebnisse sind bislang eher dürftig.

Xenotransplantation - schlechte Aussichten

Das Ziel ist, die Organe von Schweinen in Menschen zu transplantieren, um den Mangel an menschlichen Spenderorganen zu kompensieren. Mitte der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts forschten Wissenschaftler u. a. in Großbritannien und den USA vor allem an der Transplantation des Schweineherzens und zum Teil auch von Niere und Leber des Schweines in Menschen. Um die Abstoßungsreaktion abzumildern, die bei der Transplantation eines Tierorgans noch wesentlich stärker auftritt als bei einem menschlichen Spenderorgan, sollten die Schweine gentechnisch entsprechend verändert werden. Dennoch müssten potenzielle Tierorganempfänger lebenslang Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken. In Tierversuchen wurde das Herz genmanipulierter Schweine in Paviane eingepflanzt. Die Tiere überlebten bis maximal einige Wochen oder Monate, brauchten jedoch starke immunsupprimierende Medikamente. Insgesamt gesehen waren die Experimente wenig aussichtsreich, so dass Institute und Unternehmen aus diesem Forschungszweig ausstiegen - 2001 schloss der Pharmakonzern Novartis sein Tochterunternehmen Imutran, das in Cambridge an der Xenotransplantatiaon geforscht hatte. Das schottische Roslin-Institut, in dem auch das Klonschaf Dolly »erzeugt« wurde, stieg aus der Forschung zu transgenen Schweinen aus.

Derzeit arbeiten Wissenschaftler vor allem an der Übertragung von Schweinezellen, z. B. der Bauchspeicheldrüse, um die Zuckerkrankheit (Diabetes) zu behandeln. Die Abstoßungsreaktion ist weiterhin ein großes Problem, ebenso wie auch die Gefahr, dass durch Organe, Zellen oder Gewebe vom Tier auch Krankheitserreger auf den menschlichen Empfänger übertragen werden können. So beurteilen Forscher die Aussichten der Xenotransplantation mittlerweile sehr vorsichtig und gestehen ein, dass sie kein Ersatz für menschliche Organspenden sei (1).

Gen Pharming - zum Mäuse melken

Seit Mai 2008 ist das erste Gen-Pharming-Medikament auf dem deutschen Markt - ein Blutgerinnungshemmer, der von Ziegen erzeugt wird, denen ein menschliches Gen zur Produktion dieser Substanz ins Erbgut eingefügt wurde. Die Tiere des US-amerikanischen Unternehmens GTC Biotherapeutics produzieren den Stoff in ihrer Milch, aus der er dann isoliert und weiterverarbeitet wird. Weiterhin hat das niederländische Unternehmen Pharming die Zulassung für Rhucin beantragt, eine Substanz, die von genmanipulierten Kaninchen hergestellt wird und zur Behandlung einer seltenen Erbkrankheit eingesetzt werden soll, die Schwellungen der Blutgefäße verursacht. 

Forscher in Moskau haben Mäusen ein menschliches Gen zur Produktion des Eiweißes Lactoferrin ins Erbgut eingefügt, so dass die Tiere »menschliches« Lactoferrin in der Milch ausscheiden. Dieses Eiweiß kommt in der Muttermilch von Säugetieren vor und hat antimikrobielle Eigenschaften. Um das von den Mäusen produzierte Eiweiß zu erhalten, müssen die Mäuse gemolken werden - in einer sehr aufwendigen und wenig praktikablen Prozedur, bei der die Tiere in Narkose gelegt werden müssen. Selbst Wissenschaftler sprechen davon, dass es ein »technischer Albtraum« sei, dieses Projekt in größerem Umfang durchzuführen (2). Ziegen, Kaninchen oder Kühe sollen besser geeignet dafür sein - doch bereits in den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhundertsvor versuchte Pharming aus den Niederlanden, Lactoferrin in Kühen zu produzieren, und scheiterte letztlich daran, es in kommerziellem Rahmen zu tun.

Dabei wäre es nicht erforderlich, Tiere gentechnisch zu verändern, um solche Proteine zu produzieren, bei Lactoferrin kann dies auch z. B. in pflanzlichen Zellen erfolgen.

Besser: Investitionen an anderer Stelle

Abgesehen davon, dass Tierversuche sowie auch die Xenotransplantation aus Sicht des Bundesverbandes ethisch nicht vertretbar sind, ist beim Thema Transplantation noch festzustellen, dass nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation organisatorische Gründe zum Organmangel beitragen. So würden viele potenzielle Spender nicht erkannt, da das deutsche System schlecht strukturiert sei. Die Anzahl der Spenden ließe sich durch geeignete Strukturen verdoppeln (3). Bleibt die Frage, warum Wissenschaft und auch Politik Geld und geistige Kapazität in diese Forschung investieren, die an anderer Stelle besser eingesetzt werden könnten.



(1) »Xenotransplantation kein Ersatz für Organspenden«, Deutsches Ärzteblatt vom 04.06.2009
(2) »Versuchsmäuse produzieren ‚menschliche Muttermilch'«, dnews.de vom 05.06.2009
(3) »DSO schlägt Alarm: Deutlich weniger Organspenden in 2008«, Pressemitteilung der Deutschen Stiftung Organtransplantation vom

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