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Fleischkonsum: Umdenken bei der Ernährung ist existenzielle Notwenigkeit

Ein Kommentar von Christina Ledermann.

ledermann sDerzeit tobt ein Streit über das Vorhaben der Grünen, in öffentlichen Kantinen einen „Veggie Day“ zu etablieren. Die Gegner reagieren mit heftigen Vorwürfen wie „grüne Erziehungsdiktatur“, „Bevormundungs-Republik“ bis hin zum Nazi-Vergleich. Ein Blick in Aufzucht- und Mastanlagen, auf die Missstände bei Tiertransporten und in Schlachthäusern macht jedoch die Unverhältnismäßigkeit dieser Diskussion deutlich und würde wahrscheinlich etliche Gegner zum Umdenken bringen.

Denn: Das Fleisch auf unseren Tellern stammt meist von kranken und gequälten Tieren. Die Intensivtierhaltung, für die die Tiere auf widernatürliche Höchstleistungen getrimmt werden, erzeugt unvorstellbares Tierleid.

Hier ein paar Beispiele:
Damit „Masthühner“ in etwa 33 Tagen „schlachtreif“ sind, hat man besonders schnell wachsende Mastlinien mit einem hohen Brustfleischanteil gezüchtet. Beine, Herz und Lunge dieser Qualzüchtungen können mit dem extremen Fleischzuwachs nicht mithalten. 90 Prozent der Masthühner und Puten leiden deswegen unter schmerzhaften Gelenkerkrankungen wie eine aktuelle Studie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde ergab. 12,6 Millionen sterben allein in Deutschland noch vor Ende der Mast (1).

Oder sind die, die nicht einen Tag in der Woche auf ihr Schnitzel verzichten wollen, bereit, sich mal eine Schweine-Mastanlage anzusehen? Dort werden die Tiere mit bis zu 60.000 Artgenossen in Hallen ohne Tageslicht gesperrt. Diese beengte unnatürliche Haltung ohne artgemäßes Sozialleben führt bei den intelligenten und bewegungsfreudigen Tieren u.a. zu Gelenk- und Muskelkrankheiten und Kreislaufschwäche. Enge, permanenter Stress und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten führen zu Verhaltensanomalien bis hin zum Kannibalismus.

Wenn die Tiere diese Tortur hinter sich haben, steht Ihnen die nächste bevor: der Schlachthof. Die Bundesregierung selbst hat schwerwiegende Zwischenfälle bei der Tötung von Schweinen und Rindern auf deutschen Schlachthöfen festgestellt. Wegen der hohen Fehlbetäubungsraten bei Rindern (9%) und bei Schweinen (12%) sterben Schätzungen zufolge allein in Deutschland etwa 500.000 Schweine erst beim Abbrühen. 200.000 Rinder durchlaufen jedes Jahr den Schlachtvorgang und ihre eigene Zerlegung, ohne betäubt zu sein (2).

Hinzu kommen die gesundheitlichen Risiken des Fleischkonsums. Neben der Verseuchung mit antibiotikaresistenten Keimen, bestätigen diverse aktuelle Studien, dass der übermäßige Fleischkonsum für die meisten der heutigen Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Gicht, Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich ist. In der Studie „Der lange Schatten der Tierzucht“ der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO wird die Tierhaltung zudem als die zweitwichtigste Ursache für den Klimawandel, für den weltweiten Hunger und als eine der Hauptursachen der größten Umweltprobleme verantwortlich gemacht (3).

Im Verhältnis zu diesen alarmierenden Fakten und den Grausamkeiten, die wir den Tieren jeden Tag zumuten, ist ein fleischloser Tag in der Woche noch eine bescheidene Forderung. Jeder, für den die Moral vor dem Fressen kommt und der sich nicht mitschuldig machen will, sollte ganz auf Fleisch und Produkte vom Tier verzichten.

Letztlich werden wir unsere Ernährungsweise sowieso umstellen müssen, um den Fortbestand unseres Planeten zu sichern. In Anbetracht der globalen Ernährungssituation und des drohenden Klimakollapses können wir uns den sorglosen Konsum von Produkten vom Tier nicht mehr leisten. Die tierlose Landwirtschaft ist zwar für den Großteil unserer Gesellschaft noch utopisch und auch in der Politik noch nicht angekommen. Doch Vieles, was wir heute selbstverständlich nennen, hat einmal mit einer Vision angefangen...

 

 Quellen:

(1) SCAHAW: Scientific Committee for Animal Health and Animal Welfare: The Welfare of Chickens kept for Meat Production (Broilers), European Commission, Health and Consumer Protection Directorate-General 2000. Nr. 6.5.2.

(2) Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Drucksache 17/9824) "Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren". PDF herunterladen unter: www.tierschutzwatch.de

(3) Livestock's Long Shadow - Environmental Issues and Options (en), FAO 2006, Rom, 112 S.

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