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Essen wir die Welt kaputt?

Nahrung-Ernaehrung-DeutschlandWenigen Menschen ist bewusst, wie weitreichend die Folgen einer Ernährungsweise mit Fleisch und anderen Produkten von Tier sind. Die damit verbundene intensive Tierhaltung ist nicht tiergerecht und trägt zur Klimaerwärmung, zum weltweiten Hunger und zu globalen Umweltschäden bei. In Anbetracht dieser Situation und eines drohenden Klimakollapses ist der sorglose Konsum von Produkten vom Tier nicht mehr hinnehmbar. Um den Fortbestand dieses Planeten zu sichern, werden die Menschen ihre Ess- und Lebensgewohnheiten ändern müssen.

Die Deutschen konsumieren fast 60 Kilo Fleisch und Fisch pro Jahr und Kopf(1). Das entspricht etwa 4 Rindern, 4 Schafen, 46 Schweinen, 12 Gänsen, 37 Enten, 46 Puten, 945 Hühnern und mehrere Tonnen Fisch, die ein Deutscher im Laufe seines Lebens isst. Im Hinblick auf die klimaschädlichen Folgen dieser fleischlastigen Ernährung fordern hochrangige Politiker und Wissenschaftler, wie der ehemalige Chefökonom der Weltbank Lord Nicholas Stern oder der Vorsitzende des Weltklimarats und Nobelpreisträger Dr. Rachendra Pachauri, eine Reduzierung des Fleischkonsums(2).

In der wegweisenden Studie »Der lange Schatten der Tierzucht« (3) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO (Food and Agricultural Organization) wird die Tierhaltung als die zweitwichtigste Ursache für den Klimawandel und als eine der Hauptursachen der größten Umweltprobleme bezeichnet. Nach der Studie erzeugt die landwirtschaftliche Tierhaltung mehr Treibhausemissionen als das gesamte Transportwesen. Das renommierte Worldwatch Institute kam in einer weiteren Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der für den menschlichen Konsum gehaltene Tierbestand sogar für mindestens 51 Prozent der weltweit ausgestoßenen klimaschädlichen Treibhausgase verantwortlich ist (4).

25 Kilo Treibhausgase für einen Rinderbraten

Aber was macht die Tierhaltung so klimaschädlich? Zunächst stoßen die Tiere selbst Treibhausgase aus. In der Agrarwirtschaft sind es vor allem Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Wiederkäuer, also Rinder, Schafe und Ziegen, erzeugen bei der Verdauung große Mengen Methan, das über 23-mal stärker zur Klimaerwärmung beiträgt als Kohlendioxid (CO2) 5. Eine »Milchkuh« zum Beispiel emittiert im Durchschnitt 111,7 Kilogramm Methan im Jahr. Hinzu kommen täglich etwa 60 Liter lachgashaltige Gülle, die über 300-mal klimawirksamer ist als Kohlendioxid6. Durch die Lagerung und die Ausbringung der Gülle auf die Felder entstehen durch Umwandlungsprozesse weitere Mengen von Methan und Lachgas. Pro Kilo Rindfleisch fallen so bis zu 26 Kilogramm Treibhausgase an 7. Zum Vergleich: Ein Kilo Haferflocken produziert lediglich 0,8 Kilogramm Kohlendioxid8.

Waldsterben, überdüngte Meere und Wasserverschwendung

Nach einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz zur Massentierhaltung hat in der Landwirtschaft in Deutschland ein rasanter Strukturwandel stattgefunden9. Während die Mastbetriebe immer größer werden, geht die Zahl der Tierhalter insgesamt zurück. Eine besorgniserregende Tendenz: Kleine bäuerliche Betriebe weichen Megaställen. Da sie Gesundheitsbelastungen befürchten, wehren sich die Anwohner massiv gegen geplante Mastanlagen. Meistens ohne Erfolg. Ein weiteres Problem ist der Schadstoffeintrag in Form von Gülle und gasförmigen Ammoniak-Emissionen in Luft, Boden und Grundwasser. Die Gülle wird zwar als Dünger eingesetzt, es fällt jedoch mehr an, als von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Aus diesem Grund ist in vielen Regionen mit intensiver Schweinehaltung eine Überdüngung mit Stickstoff und Phosphor zu verzeichnen. Dies trägt durch die Versauerung der Böden zum Waldsterben bei und führt durch die steigende Nitratbelastung der Gewässer zu einer Überdüngung von Oberflächengewässern und Meeren - eine ernste Gefahr für die biologische Vielfalt10.

Neben den genannten Umweltproblemen werden zur Erzeugung von Produkten vom Tier auch große Mengen Wasser verbraucht. Zur Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch sind bis zu 100 000 Liter Wasser nötig. Diese hohe Zahl ergibt sich aus der Menge des Wassers, das für die Produktion des Futters nötig ist. Hinzu kommt der Wasserverbrauch in den Haltungsbetrieben und den Schlachthäusern(11).

Wer sich vegetarisch ernährt, spart im Jahr nach einer Studie des Freiburger Öko-Instituts knapp 200 Kilogramm des Klimagases CO2. Bei einer konsequent vegetarischen Ernährung ohne Produkte vom Tier sind es sogar 450 Kilogramm (12).

Die »Nutztiere« der Reichen fressen das Brot der Armen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Land- und Lebensmittelverschwendung. Laut der oben genannten FAO-Studie werden rund 30 Prozent des eisfreien Landes direkt oder indirekt für die Tierzucht genutzt. Ein Großteil der weltweiten Getreide- und Sojaernte wird zu Tierfutter verarbeitet. Eine extreme Verschwendung von Nahrungsmitteln, denn bei der Umwandlung von pflanzlicher Nahrung in Produkte vom Tier geht ein Großteil des Energiegehaltes verloren, die sogenannten Veredelungsverluste. Je nach Tierart und Futter werden bis zu 16 Kilogramm Getreide zur Herstellung eines einzigen Kilogramms Fleisch benötigt (13). Nur etwa zehn Prozent des verfütterten Getreides wird dabei in Fleischmasse umgewandelt, die restlichen 90 Prozent Nahrungskalorien gehen verloren (14). Aus den Erzeugerländern importiertes und an die »Nutztiere« verfüttertes Soja und Getreide entzieht den Menschen in ärmeren Ländern die Lebensgrundlagen. Dabei müsste kein Mensch hungern. Rein rechnerisch würden die heutigen Produktionskapazitäten für die Ernährung von neun Milliarden Menschen ausreichen (15).

Globale Ernährungskrise vorprogrammiert

Der größte Teil der Landfläche der Erde wird für die Tierzucht »verbraucht«. Um Land für Weideflächen und Futtermittelanbau zu gewinnen, wird Urwald gerodet. Nach der genannten FAO-Studie wurden über 90 Prozent des Amazonas-Regenwaldes seit 1970 für die Neuschaffung von Weideland gerodet. Mit dem Urwald wird nicht nur ein wichtiger Kohlenstoffspeicher zerstört, mit ihm gehen auch seltene Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren. Und Besserung ist nicht in Sicht. Wenn die Prognose der FAO zutrifft, wird sich die globale Fleischproduktion bis 2050 noch einmal auf 465 Millionen Tonnen verdoppeln. Dann werden die Tiere so viel pflanzliche Nahrung verbrauchen wie vier Milliarden Menschen. Doch um diese zu produzieren, steht nicht genug Land und Süßwasser zur Verfügung. Eine globale Ernährungskrise ist vorprogrammiert. Im Forschungsreport der Bundesregierung fordern Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts daher, die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel aus pflanzlichen Rohstoffen zu prüfen (16).

Leid der »Nutztiere«

Neben den globalen Folgen einer Ernährung mit Produkten vom Tier ist es für viele Menschen das unermessliche Leid der sogenannten Nutztiere, das sie dazu bewegt, ihre Konsumgewohnheiten zu überdenken. Denn damit Menschen Produkte wie Fleisch, Milch und Eier konsumieren können, leiden und sterben täglich Millionen von Tieren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2009 allein in Deutschland 56 Millionen Schweine geschlachtet (17). Landwirtschaftliche Tierhaltung hat längst nichts mehr mit dem Bauernhofidyll zu tun, das die Produktverpackungen ziert. Um wirtschaftlich produzieren zu können, wurde die (Aus-)Nutzung der Tiere in speziellen Aufzucht-, Mast- und Schlachtbetrieben perfektioniert, in denen die Mitgeschöpfe zu Kennzahlen in einem industriellen Produktionsprozess geworden sind.

Tiere zu Höchstleistungen verdammt

»Masthühner«, »Legehennen«, Puten und »Milchkühe« werden durch züchterische Selektion zu widernatürlichen Höchstleistungen gezwungen - mit gravierenden gesundheitlichen Folgen. So geben Kühe inzwischen im Durchschnitt zwischen 7000 und 10 000 Liter Milch pro Jahr - in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts war diese Menge noch um ein Zehnfaches kleiner. Für die Produktion dieser Milchmenge muss der Stoffwechsel der Kuh ständig Höchstleistungen erbringen, was zu gesundheitlichen Problemen wie z. B. Euterentzündungen führen kann. Damit die Kuh ständig Milch liefert, muss sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die Kälber werden meistens direkt nach der Geburt von der Mutterkuh getrennt - eine Praxis, die für Mutter und Kalb traumatisch ist. Die meisten männlichen Kälber gelangen in die intensive Jungbullenmast und werden nach etwa fünf bis sechs Monaten geschlachtet. Die »Hochleistungsmilchkühe« sind meist schon nach zwei bis drei Kälbern ausgezehrt und landen mit vier bis fünf Jahren auf dem Schlachthof - das natürliche Alter einer Kuh kann jedoch bis etwa 20 Jahre betragen.

Nicht besser sieht es bei den Hühnern aus. Da bei der Nachzucht der »Legehennen« die männlichen Küken aus ökonomischer Sicht »wertlos« sind - ihre Mast würde im Vergleich zu den »Masthühner«-Rassen viel länger dauern -, werden alljährlich allein in Deutschland ca. 40 Millionen männliche Eintagsküken aussortiert und getötet (18).

Tod vor Ende der Mast

Die stärkste Intensivierung hat in der Geflügelmast stattgefunden. Damit beispielsweise »Masthühner« in etwa 33 Tagen »schlachtreif« sind, hat man besonders schnell wachsende Mastlinien mit einem hohen Brustfleischanteil gezüchtet. Da man ihnen ihr natürliches Sättigungsgefühl »weggezüchtet« hat, haben sie nur eines im Sinn: fressen. Beine, Herz und Lunge können mit dem extremen Fleischzuwachs nicht mithalten. Viele Tiere leiden deswegen unter schmerzhaft verkrüppelten Beinen. Bis zu drei Prozent der »Masthühner« in Europa sterben vorzeitig an Herz-Kreislauf-Versagen - das entspricht etwa 12,6 Millionen Tieren pro Jahr allein in Deutschland, die noch vor dem Ende der Mast sterben (19).

Verstümmelung ohne Betäubung

Schweine werden in industriell geprägten Mastanlagen mit hohen Besatzdichten in möglichst kurzer Zeit »schlachtreif« gemästet - ohne Rücksicht auf ihre natürlichen Bedürfnisse. Enge, permanenter Stress und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten führen zu Verhaltensanomalien bis hin zum Kannibalismus. Damit sich die Tiere unter diesen Haltungsbedingungen nicht gegenseitig verletzen und um den Ertrag nicht zu gefährden, werden den Schweinen Schwänze und Zähne abgekniffen. Um zu vermeiden, dass Fleisch männlicher Schweine den typischen Ebergeruch - der von deutschen Verbrauchern abgelehnt wird - aufweist, werden männliche Ferkel kastriert. Bei Kälbern werden die Hornanlagen entfernt, um den Umgang mit ihnen zu vereinfachen. Diese Eingriffe werden in der Regel ohne Betäubung durchgeführt -nach dem Tierschutzgesetz ist dies bis zum Alter von wenigen Tagen oder Wochen erlaubt und wird kaum in Frage gestellt, obwohl natürlich auch junge Tiere Schmerzen spüren. Die betäubungslose Kastration von Schweinen wird derzeit allerdings kritisch diskutiert. In einigen europäischen Ländern ist sie bereits verboten (Norwegen, Schweiz).

Schlachten bei Bewusstsein

Wenn die Tiere diese Tortur hinter sich haben, steht Ihnen die nächste bevor: der Schlachthof. Die Bundesregierung hat selbst schwerwiegende Zwischenfälle bei der Tötung von Schweinen und Rindern auf deutschen Schlachthöfen festgestellt. Wegen den hohen Fehlbetäubungsraten bei Rindern (9%) und bei Schweinen (12%) sind die Tiere nicht richtig betäubt. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland etwa 500.000 Schweine erst beim Abbrühen. 200.000 Rinder durchlaufen den Schlachtvorgang und ihre Zerlegung, unbetäubt (20).

Warmblütige Tiere müssen laut Tierschutzgesetz vor dem Schlachtvorgang - bei dem ihnen die Halsschlagadern zum Ausbluten eröffnet werden - betäubt werden. Die Betäubung wird durch Gas, Stromschlag oder Bolzenschuss vorgenommen. Häufig jedoch herrscht Zeitdruck und zum Teil findet die Schlachtung im Akkord statt, so dass es vorkommen kann, dass Tiere nur unzureichend betäubt werden. Dies kann dazu führen, dass sie den Tötungsschnitt und die anschließenden Stationen im Schlachtvorgang, bei Schweinen z. B. das Abbrühen in heißem Wasser oder bei Geflügeltieren das Rupfen, bewusst miterleben.

Antibiotika-Resistenzen

Die hohen Bestandsdichten in der industrialisierten Landwirtschaft begünstigen den Ausbruch von Tierkrankheiten, so dass den Tieren z. B. bei Infektionen Antibiotika und andere Medikamente verabreicht werden. Wissenschaftler der Universität von Kansas konnten feststellen, dass fast die Hälfte der weltweit produzierten Antibiotika in der intensiven Tierhaltung eingesetzt wird (21). In einer vom nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerium in Auftrag gegebenen Studie wurden in der Tierhaltung eingesetzte Antibiotika bereits in Nutzpflanzen nachgewiesen(22). Besonders problematisch ist die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen. Das bedeutet, dass sich Bakterien entwickeln, die gegen Antibiotika resistent sind und daher schwer zu behandelnde Krankheiten verursachen können. Durch den breiten Einsatz von Antibiotika besteht die Gefahr der Entstehung zunehmend resistenter Bakterien, die fatale Folgen auch für uns Menschen haben können. Denn bei einer ernstzunehmenden Infektion, wie beispielsweise einer Lungenentzündung, kann es passieren, dass Antibiotika nicht mehr wirken und Menschen im schlimmsten Fall sterben müssen.

Millionenfache Tierqual trotz Tierschutzgesetz

Zwar schreibt das Tierschutzgesetz in Paragraf 2 vor, dass Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden müssen. Was genau dies für die einzelnen Tierarten bedeutet - z. B. wie viel Platz sie zur Verfügung haben müssen -, steht in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Jedoch gibt es für einige Tierarten keine konkreten Vorschriften, so z. B. für »Milchkühe«, Puten oder »Mastkaninchen«. Und die für andere Tierarten wie »Legehennen«, Schweine oder Kälber vorliegenden Vorschriften sind absolut unzureichend. Daher sieht die Realität in deutschen Ställen traurig aus. Die meisten Tiere in der Intensivtierhaltung werden artwidrig gehalten, was mit wirtschaftlichen Zwängen gerechtfertigt wird. Viele Verbraucher kaufen vor allem nach dem Preis - also möglichst billig - und sind daher für die Zustände in der Tierhaltung mit verantwortlich. Die Tierhaltung in der ökologischen Landwirtschaft ist zwar deutlich besser als in konventionellen Betrieben, da hier strengere - also tierschutzfreundlichere - Regelungen gelten. Doch auch diese Tiere landen am Ende im Schlachthof.

Fisch - eine Alternative?

Viele, die kein Fleisch mehr essen möchten, weichen auf Fisch aus. Sie denken, dass der Fisch wenigstens in Freiheit gelebt hat, bevor er gefangen wurde. Aber auch gegen den Verzehr von Fisch sprechen die Fakten: Jeden Tag werden Millionen von Fischen gefangen. Während sie mit feinmaschigen Netzen an die Oberfläche gezogen werden, erleiden sie eine qualvolle Druckverminderung, durch die ihre Schwimmblase zerreißen kann. Zudem kommt es vor, dass sich die Tiere gegenseitig durch ihr Körpergewicht erdrücken oder dass sie ersticken, da sie als Kiemenatmer aus der Luft keinen Sauerstoff aufnehmen können. Die Fische, die lebend in den Verarbeitungsprozess gelangen, werden bei lebendigem Leibe aufgeschnitten und verarbeitet oder eingefroren. Das grundsätzlich geltende Betäubungsgebot beim Schlachten gilt ausdrücklich nicht beim Massenfang von Fischen.

Leergefischte Meere und zerstörte Böden

Hinzu kommt die Plünderung unserer Meere durch Massenfischfang und moderne Fangtechniken. Weltweit sind bereits 75 Prozent der kommerziell genutzten Fischarten wie Tunfisch, Rotbarsch oder Nordseekabeljau überfischt (23). Schleppnetze fangen wahllos alles und zerstören den Meeresboden und damit die Kinderstube der meisten Fische. Zusätzlich enden Millionen von Walen, Delfinen, Robben, Schildkröten, Seevögeln, Haien und Rochen als Beifang in den Netzen. Auch Fischzucht in sogenannten Aquakulturen ist höchst problematisch. In Aquakulturen werden Fische - wie in anderen Intensivtierhaltungen auch - auf engstem Raum gehalten. Dies kann zu Aggressionen und Verhaltensstörungen führen. Die Tiere verletzen sich bei den hohen Besatzdichten gegenseitig. Ansteckende Krankheiten und Parasiten wie Meerläuse verbreiten sich schnell. Die Sterblichkeitsraten in Aquakulturen liegen häufig oberhalb von 20 Prozent (24). Die Aquakultur ist der am schnellsten wachsende Zweig in der globalen Ernährungswirtschaft. Leider bringt dies keine Entlastung für die überfischten Wildbestände - im Gegenteil. Der wachsende Bedarf an Futter in den Zuchten gefährdet die Fischbestände zusätzlich. Denn um ein Kilogramm Fisch aus Aquakultur zu züchten, werden im Durchschnitt vier Kilogramm frei lebender Fisch gefangen und verfüttert. Außerdem verursachen Aquakulturen Umweltschäden, wenn Antibiotika, die dem Futter zugesetzt werden, ins Meer gelangen (25).

Zivilisationskrankheiten in den Industrieländern

Neben den ethischen, sozialen und ökologischen Aspekten gilt der hohe Konsum von Produkten vom Tier auch als Ursache vieler Zivilisationskrankheiten. Bereits zu Beginn der 80er-Jahre belegten drei große Vegetarierstudien der Universität Gießen, des Krebsforschungszentrums Heidelberg sowie des Bundesgesundheitsamtes Berlin unabhängig voneinander, dass vegetarisch lebende Menschen günstigere Werte in Bezug auf Blutdruck, Körpergewicht und Krankheitshäufigkeit sowie eine geringere Anfälligkeit für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine insgesamt höhere Lebenserwartung aufweisen (26). Eine aktuelle Studie der Universität Oxford aus dem Jahre 2009 bestätigte, dass Vegetarier ein deutlich geringeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken, als Fleischesser (27). Aber nicht nur Fleisch, auch der hohe Konsum von Eiweiß aus Milchprodukten steht im Verdacht, unserer Gesundheit nicht zuträglich zu sein. Statt - wie von der Milchindustrie beschworen - Mineralstoffmangel aufzuheben, soll der Konsum von Milchprodukten durch Übersäuerung zu Osteoporose zu führen. Nach einer Studie aus dem Jahr 2005 können Milchprodukte die Entstehung von Prostatakrebs begünstigen (28). Auch die Tatsache, dass Kuhmilch die häufigste Ursache für eine Lebensmittelallergie im Kindesalter ist, wirft die Frage auf, ob der Konsum der Muttermilch einer anderen Spezies wirklich gesund für den Menschen ist (29).

Vegetarisch leben - gesund und genussvoll

Vegetarier leben gesund. Die bisher weltweit umfangreichste Vegetarier-Studie der London School of Hygiene and Tropical Medicine mit 11 000 Personen ergab, dass praktisch alle Gesundheitsparameter bei Vegetariern deutlich bessere Werte aufweisen als bei der fleischessenden Kontrollgruppe. Neben häufigerem Idealgewicht, niedrigeren Blutdruck-, Blutfett- und Harnsäurewerten sowie besseren Nierenfunktionsleistungen haben Vegetarier eine deutlich höhere Lebenserwartung (30). Dass die vegetarische Ernährung so gesund ist, liegt insbesondere daran, dass sie mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollgetreide enthält. Diese pflanzlichen Lebensmittel liefern essenzielle Nährstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die vor der Entwicklung chronischer Krankheiten schützen. Außerdem nehmen Vegetarier weniger gesundheitsgefährdende Stoffe wie gesättigte Fettsäuren und Cholesterin auf - denn diese sind hauptsächlich in Fleisch, Wurst sowie in fetten Milchprodukten wie Butter, Sahne und Käse enthalten.

Keine Angst vor Mangelerscheinungen

Die American Dietetic Association (ADA) kam nach einer umfassenden Untersuchung zur vegetarischen Ernährung in einem Positionspapier zu dem Schluss, dass eine gut durchdachte vegetarische Ernährung gesund ist, viele gesundheitliche Vorteile bietet und vor diversen Krankheiten schützt (31). Wenn auf Ausgewogenheit geachtet wird, können laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund auch Kinder bedenkenlos ohne Fleisch ernährt werden (32). Mittlerweile ist auch die rein pflanzliche vegane Ernährung von dem Vorurteil freigesprochen, den Körper nicht mit allen erforderlichen Nährstoffen zu versorgen. Immer mehr Ernährungswissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass eine ausgewogene vegane Vollwertkost gesund ist und eine ausreichende Eiweiß- und Energiezufuhr gewährleistet. In dem Positionspapier der ADA heißt es dazu: »Eine gut geplante vegane oder andere Art der vegetarischen Ernährung ist für jede Lebensphase geeignet, inklusive der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Pubertät …«

Ernährungsform der Zukunft

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen uns, dass eine ausgewogene Ernährung ohne Produkte vom Tier nicht nur möglich, sondern auch am gesündesten ist. Unser derzeitiger Ernährungsstil trägt wesentlich zur Klimaerwärmung bei. Er bedingt Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung und macht eine globale Verteilungsgerechtigkeit von Lebensmitteln unmöglich. Dank zahlreicher Medienberichte und Dokumentationen kann niemand mehr behaupten, von dem Leid der sogenannten Nutztiere in den Intensivtierhaltungen nichts gewusst zu haben. Wir alle tragen dazu bei, wie unsere Zukunft und die der künftigen Bewohner unseres Planeten aussieht. Durch unsere Ernährungs- und Lebensweise können wir Einfluss nehmen - sowohl in die eine wie auch in die andere Richtung. Worauf warten wir noch?


Weiterführende Literatur

Bettina Goldner:
Umweltfreundlich vegetarisch: Genießerrezepte mit CO2-Berechnungen, Hädecke 2009
Claus Leitzmann:
Vegetarische Ernährung, UTB, Stuttgart, 2010
Claus Leitzmann:
Vegetarismus: Grundlagen, Vorteile, Risiken, C. H. Beck Wissen, 2. aktualisierte Auflage 2007.
Gill Langley:
Vegane Ernährung, Echo-Verlag, Göttingen, 1999
Kath Clements:
Vegan - Über Ethik in der Ernährung und die Notwendigkeit eines Wandels, Echo-Verlag, Göttingen, 1996


Quellen
(1) Hamm, M.: Über den Tellerrand hinaus, in Die Zeit (2009), Nr. 51
(2) Der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Lord Nicholas Stern, sagte in einem Interview in der britischen Zeitung »The Times«, dass der Fleischkonsum im Sinne des Klimaschutzes eingeschränkt werden müsste. Pagnamenta, Robin: Climate chief Lord Stern: Give up meat to save the planet. The Times, 27.10.2009. Dr. Rachendra Pachauri plädierte in einem Vortrag an der Universität Gent am 30.08.2008 für eine Reduzierung des Fleischkonsums, um den klimatischen Veränderungen entgegenzuwirken.
(3) Livestock's Long Shadow - Environmental Issues and Options (en), FAO 2006, Rom, 112 S.
(4) Livestock and Climate Change, Worldwatch Institute 2009, 11 S.
(5) Hirschfeld, J., Weiß, J., Preidl, M., Korbun, T. (2008) Klimawirkungen der Landwirtschaft in Deutschland. 55 S. Schriftenreihe des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) 186/08, Berlin.
(6) Methan und Lachgas: Die vergessenen Klimagase (2009). www.wwf.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-klima
(7) Klimafreundlich essen (2009). www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/tid-16517/ernaehrung-klimafreundlich-essen_aid_461022.html
(8) Futtern für das Klima (2009). www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/
0,1518,659296,00.html
(9) Schuler, C., Benning, R. (2006) Fleischfabriken boomen - Umweltstandards sinken. Der Boom der Massentierhaltung in Deutschland und seine Folgen für die Umwelt. 28 S. ff. Bund für Umwelt und Naturschutz, Berlin.
(10) Schuler, C., Benning, R. ibid.
(11) Ein Schwimmbad für ein Kilo Steak (2006). http://www.zeit.de/online/2006/35/bildergalerie-wasser?6
(12) Durch Fleischverzicht die Welt retten (2008). http://www.zeit.de/online/2008/31/weltvegetarier-kongress?page=all
(13) Gold, M., Porritt, J. (2004) The Global Benefits of Eating Less Meat, 23 S.
(14) Wettlauf um Nahrung und Ackerflächen. Die Weltbevölkerung wächst schneller als die Getreideproduktion (2010). www.welthungerhilfe.de/nahrung-ackerflaechen.html
(15) Die Zukunft der Nahrung. Was wir morgen essen (2009). http://www.sueddeutsche.de/wissen/24/462638/text
(16) Flachowsky, G., Dänicke, S., Lebzien. P., Meyer, U. (2008) ForschungsReport 2008/02. Schwerpunkt: Globale Ernährungssicherung. 17 S. Senat der Bundesforschungsinstitute, Braunschweig.
(17) Statistisches Bundesamt, Presseportal (12.02.2010): http://www.presseportal.de/pm/32102/1560436/
statistisches_bundesamt
(18) Martin, M. (2008) Jahresbericht der Landesbeauftragten für Tierschutz in Hessen. 24 S., Hessisches Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Wiesbaden.
(19) SCAHAW: Scientific Committee for Animal Health and Animal Welfare: The Welfare of Chickens kept for Meat Production (Broilers), European Commission, Health and Consumer Protection Directorate-General 2000. Nr. 6.5.2.
(20) Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Drucksache 17/9824) "Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren". 
(21) Humans May Lose Battle With Bacteria, Medicinal Chemist's Research Shows (2008). http://www.sciencedaily.com/releases/2008/04/
080423181124.htm
(22) Antiinfektivaeinträge aus der Tierproduktion in terrestrische und aquatische Kompartimente. Zusammenfassung des Abschlussberichts, Fakultät für Naturwissenschaften, Anorganische und Analytische Chemie, Universität Paderborn 2005.
(23) Stoppt die Plünderung der Ozeane (2010). http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/ueberfischung
(24) The Welfare Of Farmed Fish, Compassion in World Farming 2009, Surrey, 14 S.
(25) Welcher Zuchtfisch darf auf den Teller? (2010) http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/ueberfischung/umweltsiegel/der-aquaculture-stewardship-council
(26) Vegetariern geht es gesundheitlich deutlich besser. In: Der Praktische Arzt, 3/1992
(27) Cancer incidence in British vegetarians, University of Oxford 2009.
(28) Prospective studies of dairy product and calcium intakes and prostate cancer risk: A meta-analysis. Natl. Cancer Inst. 2005.
(29) Accidental allergic reactions in children allergic to cow's milk proteins. J Allergy Clin Immunol 2009.
(30) British Medical Journal, 25.06.1994
(31) Position of the American Dietetic Association: Vegetarian Diets, Journal of the American Dietetic Association, Volume 97, Number 11, 1997.
(32) Ist eine vegetarische Ernährung für Kinder geeignet? Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund (2010) http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/
a_Ernaehrung/s_333.html

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