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Versuchstier des Jahres 2014: Der Affe

Makaken kleinDie Jury des Bundesverbandes hat den Affen – speziell die Makaken als typische Vertreter – zum „Versuchstier des Jahres 2014“ ernannt. Anlass für die Nominierung ist der skandalöse Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts (BVerWG), der am 20. Januar festlegte, dass die Affenversuche des Hirnforschers Kreiter an der Bremer Universität fortgeführt werden dürfen (mehr dazu hier). Hinzu kommen die katastrophalen Zustände auf Mauritius und die Gefahr, dass Versuche mit Affen in das außereuropäische Ausland verlagert werden. Seit 2003 ernennt der Bundesverband Menschen für Tierrechte in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedsvereinen das „Versuchstier des Jahres“. Damit sollen Tierversuche an einer bestimmten Tierart öffentlich gemacht und die Situation der tierversuchsfreien Forschung aufgezeigt werden.

Tierversuchsstatistik: Primaten-Einsatz in der Grundlagen- forschung nimmt zu

altMakaken sind begehrte Primaten für den Einsatz in Versuchen. Zu dieser Gattung gehören 22 Arten, darunter die Javaner- und Rhesusaffen. Die Versuchstierstatistik der Bundesregierung fasst alle eingesetzten Tiere dieser Gruppen unter „Altweltaffen“* zusammen. Die Zahl der Affen, die in Versuche mussten, schwankt in den letzten zehn Jahren. Gemäß aktueller Statistik wurden 2012 in Deutschland 1.350 Affen in Tierversuchen eingesetzt. Gegenüber 2011 ist dies insgesamt ein Rückgang um knapp 15 Prozent, festzustellen im Bereich der toxikologischen Prüfung sowie in der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Zugenommen hat jedoch der Einsatz der Affen in der Grundlagenforschung und zur Entwicklung medizinischer Produkte oder Geräte.

Haupteinsatzbereich: Qualvolle Giftigkeitsprüfungen

altDie meisten Affen, 72 Prozent bzw. 972 Tiere, wurden 2012 in toxikologischen Tests und anderen sogenannten Sicherheitsprüfungen eingesetzt; vielfach im Rahmen von Arzneimittelzulassungen. Die Prüfung auf giftige (toxische) Eigenschaften von Produkten und Stoffen ist gesetzlich vorgeschrieben. Dazu gehören auch Langzeittoxizitätstests, bei denen neben einer Nagerspezies (meist Ratte) an einer Nicht-Nagerspezies getestet werden muss. Hier kann zwischen Schwein, Hund und Affe gewählt werden; meist werden Hunde genommen, da Affen teurer sind und in Experimentatorenkreisen ethisch kritischer betrachtet werden.

Affen werden überwiegend in der Entwicklungstoxikologie eingesetzt, weil z. B. der Reproduktionszyklus und -vorgang dem des Menschen ähnlicher ist. Trotzdem mussten 2012 laut Statistik 558 Affen in subchronischen (90 Tage lang) oder chronischen (6 - 24 Monate lang) Langzeitversuchen leiden. Qualvolle Experimente müssen die Tiere auch besonders in der Grundlagenforschung ertragen. Hier stehen Impfstoffentwicklung und Hirnforschung (wie die des Bremer Hirnforschers Kreiter) an erster Stelle.

Fehlen: Komplette tierversuchsfreie Testsysteme

Im Bereich Toxikologie hat sich in der tierversuchsfreien Forschung zwar schon einiges bewegt, insbesondere bei der Prüfung von Substanzen auf Schädigungen von Haut und Auge (lokale Toxizitätstests). Die Affen konnten davon aber bislang nicht profitieren. Denn sie werden in anderen Testkategorien verwendet, z. B. der Reproduktionstoxikologie. Dort können zwar einzelne Tests tierversuchsfrei erfolgen, aber ein komplettes tierversuchsfreies Testsystem für alle Prüfparameter steht noch immer nicht zur Verfügung. Hier müssen wir unaufhörlich den Finger in die Wunde legen, denn die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden wird nach wie vor zu wenig investiert, das gilt für Geld wie auch Eliteforscher gleichermaßen.

Der Hirnforschung stehen moderne Verfahren zur Verfügungalt

Im Bereich der Grundlagenforschung stehen der Hirnforschung
heute moderne, bildgebende Verfahren zur Verfügung. Je nach Krankheitssymptom ermöglichen diese, verschiedene Hirnregionen direkt am Menschen zu untersuchen, z. B. per Computertomografie (CT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT). Auch gibt es Ansätze mit Computermodellen, wie das „Human Brain Project“. Es will zukünftig Neurowissenschaftlern Untersuchungen an einem „virtuellen menschlichen Gehirn“ auf Superrechnern ermöglichen, die am lebenden Organismus aus praktischen oder ethischen Gründen gar nicht durchführbar wären.

Weitere tierversuchsfreie Methoden

Auf dem Gebiet der Impfstoffforschung wurde eine in vitro-Methode für Kinderlähmungs-Tests entwickelt. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) akzeptiert diese auch für Teil-Prüfungen, aber auch hier gilt das Gleiche wie bei der Reproduktionstoxikologie: Die Methode wurde bisher nicht weiterentwickelt, so dass ein komplettes tierversuchsfreies Testsystem nicht vorhanden ist. Derzeit wird in Deutschland mit Gewebekulturen aus menschlichen Rachenmandeln im Rahmen eines Verbundprojektes verschiedener Institute geforscht. Ist die Forschung erfolgreich, könnten Affenversuche bei der vorklinischen Testung von Pharmaka und zu speziellen Fragestellungen in der Grundlagenforschung abgeschafft werden.

Nur ein Paradigmenwechsel kann das Ende der Tierversuche einleiten

altTierversuchsfreie Testmethoden sind der Weg zum Ende der Tierversuche. Wir werden nicht aufhören, von Politik, Wissenschaft und Industrie immer wieder ihre Verantwortlichkeit für diesen Paradigmenwechsel einzufordern. Der noch immer praktizierte Schlendrian der Verantwortlichen steht nach wie vor am Pranger! Wir fordern: drastische Erhöhung der Forschungsgelder, Auflegen von Förderprogrammen, Einrichten von Lehrstühlen und Professuren, Ausloben von Forschungspreisen für tierversuchsfreie Verfahren. Wir als Bundesverband der Tierversuchsgegner setzen weiterhin auf diese Strategie. Erste zarte Erfolge zeigen sich in der EU-Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU. Die Richtlinie formuliert als letztendliches Ziel, Tierversuche „zu ersetzen“ und verlangt von den Mitgliedstaaten, zu dieser Entwicklung beizutragen. Das verlangen wir unaufhörlich von allen Beteiligten mit Nachdruck.

 

PfeilLesen Sie hier die Pressemitteilung vom 18.03.2014.

PfeilDen gesamten ausführlichen 25-seitigen Text zum "Affen im Tierversuch“ können Sie sich hier als PDF zum Herunterladen.

resch

 

Der Bundesverband dankt dem diesjährigen Schirmherrn Gregor Resch ganz herzlich für die Unterstützung dieses wichtigen Projektes. Hier lesen Sie sein Grußwort.

 

* Altweltaffenarten sind in Asien und Afrika verbreitet, Neuweltaffen in Mittel- und Südamerika

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