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Häufig gestellte Fragen zum Versuchstier des Jahres 2017

1. Warum haben Sie die Ratte zum „Versuchstier des Jahres“ gewählt?

Seit 2003 ernennt Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V. das Versuchstier des Jahres. 2017 hat die Jury sich für die Ratte entscheiden. Und das aus gutem Grund: Die Ratte steht in der Tierversuchsstatistik nach Mäusen an zweiter Stelle. Jährlich werden mehr als 320.629 Ratten in Tierversuchen eingesetzt. Nach Abschluss der Versuche werden die Tiere getötet. Betrachtet man den 10-Jahres-Verlauf, haben die Tierverbrauchszahlen abgenommen. Allerdings wurden 2015 mehr Ratten in den gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitstests eingesetzt und die gentechnische Manipulation von Ratten hat 2015 um 80 Prozent im Vergleich zum langjährigen Mittel zugenommen. Die Ratte ist der Blitzableiter für Vorurteile, Ängste und Projektionen des Menschen und sie hat meist keine Lobby. Deswegen hat Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner die Ratte zum Versuchstier des Jahres 2017 ernannt. Das Versuchstier dokumentiert die Qualen der Tiere im Experiment, informiert über tierversuchsfreie Methoden und verfolgt die zügige Abschaffung der Tierversuche.

2. In welchen Tests werden die meisten Ratten eingesetzt?
Ratten leiden zu über 50 Prozent in gesetzlich vorgeschriebenen Giftigkeits- und Sicherheitstests, damit Chemikalien, Arzneimittel, Medizinprodukte, Pestizide und Biozide vermarktet werden dürfen. Die Forschung nutzt Ratten außerdem zu fast einem Drittel in der anwendungsoffenen Grundlagenforschung und in der angewandten Forschung, bei der in der Praxis überprüft wird,ob z.B. eine neue Substanz auch tatsächlich als Arzneimittel im Bereich Hormon- und Stoffwechselerkrankungen und Nerven- bzw. psychische Erkrankungen wirkt. Zunehmend werden Ratten auch genetisch manipuliert, um sie künstlich krank zu machen, um an ihnen die Wirkungen von Medikamenten zu testen. Nach Mäusen sind Ratten auch die häufigste Tierart, die in der Aus-, Fort- und Weiterbildung eingesetzt wird, damit angehende Tierversuchskundler an ihr den Umgang während des Tierversuchs üben können. Hier gab es einen Anstieg um 80 Prozent.

3. Welche Arten von Ratten werden eingesetzt?
Die in Tierversuchen verwendeten Ratten stammen alle von der Wanderratte ab. Von ihr wurden Stämme mit verschiedenen Eigenschaften gezüchtet. Das Wistar Institute for Anatomy and Biology der University of Pennsylvania in Philadelphia begann etwa 1906, Ratten als „standardisierte“ Labortiere zu züchten. Die Tiere nennt man „Wistar-Ratten“, es sind Albinoratten, die eine geringe Häufigkeit von Spontankrebserkrankungen besitzen. Sie werden heute in vielen Forschungslaboren auf der ganzen Welt eingesetzt. Von den „Wistar-Ratten“ wurde eine andere Laborzuchtform weitergezüchtet, die „Sprague-Dawley“-Ratte: Sie hat einen Albino-Rattenstamm und wird wegen ihrer Gutmütigkeit und leichten Handhabung häufig im Bereich der Toxikologie, Pharmakologie, sowie in der Reproduktions- und Verhaltens-Forschung eingesetzt.

Auf dem Gebiet der Alters- und Krebs-Forschung werden dagegen sogenannte „Fischer-344-Ratten“ eingesetzt. Durch Inzucht sind diese Albinos alle genetisch identisch. Des Weiteren gibt es die „Lewis-Ratten“. Sie besitzen eine genetische Disposition für entzündliche Erkrankungen. Sie werden daher gerne zu Studien über Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Spezielle auf Krankheit gezüchtete „Tiermodelle“ sind die „BB-Ratte“ mit der Ausprägung des Diabetes Typ 1 und die „SHR-Ratte“ mit Bluthochdruck-Beschwerden.

4. Bei welchen Tests leiden die Tiere am meisten?
In sogenannten Tiermodellen werden durch gentechnische Manipulation menschliche Krankheiten erzeugt, die für die betroffenen Tiere fast immer stark belastend sind. Sehr schmerzhaft ist ein sogenanntes Osteoarthrose-Modell zur Untersuchung von Gelenksproblemen. Eine ins Kniegelenk gespritzte Substanz zerstört die knorpelbildenden Zellen. Der unter den Knorpelzellen liegende Knochen zerbricht und es kommt zu schmerzhaften Entzündungsprozessen. Mit dem so erzeugten Rattenmodell werden Medikamente getestet. Am Ende werden die Tiere getötet.

Sehr qualvoll sind auch Parkinsonversuche mit Ratten. Um einen parkinsonähnlichen Zustand auszulösen, werden die entsprechenden Nervenzellen im Gehirn mit Gift zerstört. Anschließend werden versuchsweise neue Zellen implantiert. Im Bereich der Giftigkeitsprüfungen leiden Ratten, wenn sie aufgrund der Exposition einer Prüfsubstanz z.B. ersticken müssen, Schmerzen erleiden oder auf eine andere Art und Weise sterben müssen.

Rattenmüttern werden mit einer Testsubstanz in der Trag- und Stillzeit vergiftet, indem sie die Testsubstanz schlucken, einatmen oder über die Haut aufnehmen müssen. Bei manchen Tests werden die Muttertiere noch vor der Geburt der Nachkommen aufgeschnitten, die Föten rausgeholt und auf Veränderungen untersucht. Diese ersticken dabei qualvoll.

In der Grundlagenforschung werden Ratten für Studien des Nervensystems, für Untersuchungen der Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems wie Herzinfarkt oder Schlaganfall und neurodegenerativer Erkrankungen verwendet. Sie werden z.B. künstlich alkoholabhängig gemacht und der Einfluss des Kuschelhormons Oxytocin durch Blockade des Rezeptors im Gehirn überprüft. Ähnlich wie bei Affen werden ihnen für Kognitionsversuche Elektroden ins Gehirn gepflanzt.

5. Für welche dieser Tests gibt es bereits tierversuchsfreie Verfahren?
Zunächst ist es erfreulich, dass es eine gut begründete Initiative gibt, die den Wegfall der akuten Toxizitätstests verfolgt. Akute Toxizitätstest prüfen die Substanzauswirkungen nach einer einmaligen Aufnahme über Mund, Nase, Auge und Haut (z.B. akute Hautätzung-, akute Hautreizungstests, Hautsensibilisierungstests, Augenätzungstest).

In der Langzeittoxizität gibt es derzeit noch keine anerkannten Verfahren, aber aussichtsreiche  Entwicklungen. Neben der Verbesserung bereits vorhandener Organmodelle (z.B. Leberorganoide) wird angestrebt, ab 2018 eine Validierungsstudie mit 10 Miniorganen auf dem Chip zu beginnen (Human-on-a-Chip). Dabei sollen alle wichtigen menschlichen Organe auf dem Mikrochip inkl. notwendigem Blutkreislauf, Hormon- und Immunsystem vorhanden sein. Derzeit ist diese Entwicklung jedoch noch nicht abgeschlossen.

Es gibt mittlerweile unzählige in-vitro-Modelle für die Organe Haut, Herz, Lunge, Darm, Leber und Nieren. Auch Gehirngewebe gibt es (Frühstadien). Weitere Modelle eignen sich für die Untersuchung der Blutbildung, der Gefäße, des Hormonhaushaltes, des Skeletts und des Nervensystems. Die humanen Zellsysteme sind meist nur 4 Wochen nutzbar, aber nicht für die benötigten Langzeitstudien.

Derzeit werden 4-Organ-Chips professionell (industriell) genutzt. Die Chiptechnologie ist bereits bei der translationalen/angewandten Forschung, z.B. zur Testung von Medikamenten von Krankheiten, angekommen. Anstelle von genetisch veränderten Tiermodellen können humane Krankheitsmodelle in der Petrischale (in-vitro) erzeugt und zumindest mechanistische Studien betrieben werden, jedoch keine ganzheitlichen (siehe oben). Es gibt eine Vielzahl an Modellen, wie Knorpelerkrankungsmodelle, Hauterkrankungsmodelle und Modelle der verschiedensten Infektions- und Krebserkrankungen. Mit den humanen Krankheitsmodellen auf dem Chip können auch neuronale und Sucht-Erkrankungen erforscht werden.

8. Warum werden die Tierversuche immer noch gemacht, obwohl es tierversuchsfreie Verfahren gibt? Wie kann es sein, dass bestehende tierversuchsfreie Verfahren nicht angewendet werden?
Grundsätzlich verlangt der Gesetzgeber den Einsatz der tierversuchsfreien Methode vor dem Tierversuch. Es könnten verschiedene Ursachen vorliegen, weshalb trotz eines existierenden tierversuchsfreien Verfahrens dennoch ein Tierversuch durchgeführt wird.

Fall 1: Die tierversuchsfreie Methode ist validiert und steht in der Prüfvorschrift. Da aber der Tierversuch aus der Prüfvorschrift nicht gestrichen wurde, wird dieser nach wie vor angewendet. Das Ersatzverfahren ist lediglich eine Alternative. Unsere Forderung lautet daher: Sofortige Streichung des Tierversuchs aus den Prüfvorschriften, sobald das tierversuchsfreie Verfahren aufgenommen wurde.

Fall 2: Das tierversuchsfreie Verfahren wurde erfolgreich validiert. Es wurde aber noch nicht in die Prüfvorschriften aufgenommen. Dieser Prozess kann sich über viele Jahre hinziehen. Unsere Forderung lautet daher: Sobald die Validierung abgeschlossen ist, muss die Methode innerhalb des Folgejahres in die Prüfvorschrift aufgenommen und der entsprechende Tierversuch daraus gestrichen werden.

Fall 3: Es gibt ein tierversuchsfreies Verfahren. Dieses befindet sich in einer langjährigen Validierungsphase. In dieser Zeit wird der Tierversuch durchgeführt. Unserer Forderung lautet: Drastische Verkürzung der Validierungsphasen durch optimale Ausstattung der mit der Validierung befassten Einrichtungen.

9. Welche Vorteile haben die tierversuchsfreien Verfahren?
Allgemein gilt: Die tierversuchsfreien Verfahren sind – wo nötig - humanspezifisch, häufig schneller und zuverlässiger als das Tierexperiment. Vor allem aber sind die Methoden mit humanen Zellsystemen, z.B. Organoiden in Kombination mit Computersimulationen z.B. ethisch sauber.

Am Ende sollen die Ergebnisse exakter und zuverlässiger sein, weil mit menschlichem Gewebe gearbeitet wird und Speziesunterschiede wegfallen. Kosten und Zeit können eingespart werden, wenn Human-on-a-Chip-Systeme im Hochdurchsatzverfahren eingesetzt werden. So könnten eine Vielzahl an Substanzen und Konzentrationen gleichzeitig getestet werden. Unbrauchbare Substanzen können im Tierversuch oft nicht entdeckt werden. Die Unbrauchbarkeit stellt sich dann erst in der angewandten Forschung heraus. Und – neue Methoden sind weitaus innovativer.

10. Wie lange dauert die Validierung und Anerkennung von tierversuchsfreien Verfahren? So ein Verfahren dauert je nach Fall derzeit rund 6 bis 15 Jahre.

11. Warum dauert das so extrem lang?
Die Verfahren dauern deshalb so lange, weil die Verfahren häufig noch einmal überarbeitet und verbessert werden müssen. Oft wird festgestellt, dass sich eine Fragestellung nur mit einer Kombination von mehreren Tests beantworten lässt. Zudem sind die mit der Validierung befassten Einrichtungen finanziell und personell unzureichend ausgestattet. Außerdem gibt es keine rechtsverbindlichen Rahmenbedingungen, die u.a. die maximale Dauer einer Validierung festlegen.

12. Wie werden Ratten in den Labors gehalten?
In Labors werden Ratten in der Regel standardisiert in kleinen Makrolonkäfigen gehalten. Jedem Tier steht ein Lebensraum von der Größe eines Schuhkartons zur Verfügung. Zum Aufrichten stehen nur 18 Zentimeter zur Verfügung, obgleich es Ratten gibt, die viel größer sind. Das bedeutet, dass sich diese Tiere dann nicht strecken können. Bis zum eigentlichen Versuch leben sie in Familienverbänden oder gleichgeschlechtlichen Gruppen.

13. Kann man diese Haltung als artgerecht bezeichnen?
Nein, die Laborhaltung in sogenannten Makrolonkäfigen ist keinesfalls artgerecht, weil die intelligenten und kletterfreudigen Tiere auf engstem Raum dahindümpeln müssen, auch wenn sie zunächst in Gruppen mit Versteckmöglichkeiten gehalten werden.

14. Was muss sich ändern, damit die Versuche mit Ratten beendet werden?

  • Es muss viel umfassender und intensiver an neuen tierversuchsfreien Methoden geforscht werden wie beispielsweise an humanen Krankheitsmodellen oder an Tests auf Basis von humanen Zell-/Organsystemen. Dafür muss ein entsprechender Forschungs-Etat zur Verfügung stehen

  • Nötig wäre ein gesamteuropäischer Forschungsschwerpunkt für tierversuchsfreie Verfahren mit der entsprechenden Finanzierung

  • Die Forschungsgelder müssen vom Entwicklungsbeginn bis zur Aufnahme der Methoden in die Prüfvorschriften zur Verfügung stehen. Es muss verhindert werden, dass gute, leistungsfähige tierleidfreie Methoden einmal gefördert werden und dann in Vergessenheit geraten

  • Tierversuche müssen sofort aus den Prüfvorschriften gestrichen werden, sobald ein tierversuchsfreies Verfahren aufgenommen wurde

  • Es muss eine Verpflichtung bestehen, die neuen tierversuchsfreien Methoden anzuwenden, wenn sie sich bewährt haben

  • Die Anerkennungszeit der neuen Verfahren auf EU-Ebene muss drastisch verkürzt werden.

  • Wenn einzelne Methoden als Ersatz zum Tierversuch nicht ausreichen, muss es möglich sein, sogenannte integrierte Teststrategien, also eine abgestufte Kombination verschiedener Verfahren, anerkennen zu lassen, wenn die zusätzlichen Verfahren bereits zur Verfügung stehen

  • Wir brauchen ein Verbot von Patentierungen auf Tiere und den Schutz der genetischen Integrität

  • Es müssen mehr Wissenschaftler ihr Know-how einbringen. Deshalb fordern wir die flächendeckende Einrichtung von Lehrstühlen für tierversuchsfreie Methoden und die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern

15. Was tun Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner, um die Abschaffung der Tierversuche zu erreichen?

  •  Wir klären die Öffentlichkeit auf, stellen tierversuchsfreie Forschungen und Wissenschaftler vor und teiben die Durchsetzung des Tierversuchsverbots durch politische Lobby-Arbeit voran

  •  Wir informieren über die Unzulänglichkeit von Tierversuchen

  •  Wir fordern von Politik und Industrie den Ausbau der Förderung tierversuchsfreier Methoden und eine Förderung potenzieller Methoden bis zu ihrer regulatorischen Anerkennung

  • Eine weitere wichtige Forderung ist die Anerkennung von neu entwickelten Methoden auf europäischer Ebene und das so schnell wie möglich

  • Außerdem setzen wir uns auf politischer Ebene für die flächendeckende Einrichtung von Arbeitsgruppen und Lehrstühlen für tierversuchsfreie Methoden ein, damit Nachwuchswissenschaftler in die Lage versetzt werden, hier ihr späteres Know-how einzubringen - damit sich das Wissen auf dem Gebiet potenziert.

16. Was kann die Öffentlichkeit tun, um Menschen für Tierrechte dabei zu unterstützen?

  • Fordern Sie mit uns, die Finanzierung der tierversuchsfreien Methoden auszubauen und an den Universitäten Lehrstühle für tierversuchsfreie Methoden einzurichten

  • Beteiligen Sie sich an unseren Online-Aktionen und Petitionen!

  •  Unterstützen Sie uns, indem Sie Medien, Politiker, Ärzte, Forscher und Interessierte auf die neuen Methoden aufmerksam machen

  •  Als Konsument haben Sie großen Einfluss: Kaufen Sie nach Möglichkeit Produkte, die nicht an Tieren getestet worden sind.

  • Unterstützen Sie unsere wissenschaftliche Facharbeit und unsere politische Lobbyarbeit mit einer Spende.

  •  Werden Sie Mitglied in unserem Bundesverband und unterstützen Sie damit langfristig unseren notwendigen Einsatz für ein Ende der Tierversuche und für die Rechte der Tiere.
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