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„Die vegane Lebensweise ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“

Sebastian ZöschSebastian Zösch ist Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender des Vegetarierbund Deutschland e. V. (VEBU). tierrechte fragte ihn, ob der momentane Boom der veganen Ernährung nur ein vorübergehender Trend oder der Beginn eines nachhaltigen Veränderungsprozesses ist, wie wichtig ihm die Herkunft und Produktionsform von Lebensmitteln ist und was nötig wäre, um die bio-vegane Landwirtschaft effektiv zu fördern.

Bei den Vegetariern verzeichnen wir eine Wachstumsrate von rund zehn Prozent im Jahr, während der Anteil an Veganern mit 20 bis 30 Prozent wesentlich dynamischer wächst. Eine aktuelle repräsentative Forsa-Umfrage kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass in Deutschland 42 Millionen Teilzeitvegetarier leben. Mehr als die Hälfte der Deutschen (52 Prozent) isst demnach an drei oder mehr Tagen pro Woche kein Fleisch. Das Thema ist also in der Mitte der Gesellschaft angekommen und die vegane Lebensweise ist in vielen Kreisen als selbstverständlich akzeptiert. Eine Vorreiterrolle spielen, wie in vielen anderen Bereichen auch, natürlich die Großstädte.
 
Vegan leben heißt positiv leben
An diesem geänderten Bewusstsein mache ich fest, dass fleischfrei bzw. vegan zu leben eine langfristige Entwicklung ist, die unsere Lebensweise positiv verändert und weiter verändern wird. Die Argumente für eine vegetarische und vegane Lebensweise rücken seit Jahren immer stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Neben ethischen Überlegungen stehen positive gesundheitliche Effekte sowie die Zusammenhänge von Klimawandel, Welthunger und Fleischkonsum. Auch das Thema Tierrechte erhält eine breitere Öffentlichkeit, so ist z.B. Hilal Sezgins Buch “Artgerecht ist nur die Freiheit” kürzlich in das Programm der Bundeszentrale für politische Bildung aufgenommen worden.

Das Angebot an vegetarischen und veganen Produkten wächst
Und die Industrie zieht mit! Zahlreiche Firmen, Hersteller und Restaurants bieten immer mehr pflanzliche Gerichte an, mit denen sie bereits Millionen von Kunden erreichen. Das wachsende Angebot an leckeren und häufig auch günstigen vegetarischen und veganen Produkten gibt es inzwischen in jedem Supermarkt. Das stellt ein wichtiges Fundament dafür dar, dass die Anzahl an vegetarisch und vegan lebenden Menschen weiter ansteigt. Angebot und Nachfrage verstärken sich hier gegenseitig.

Bio-vegan braucht eine gute Öffentlichkeitsarbeit
Ich persönlich mache mir viele Gedanken über die Herkunft der Lebensmittel, die ich verzehre und bin überzeugt, dass sich die Tendenz zu einer bewussteren und genießerischen Ernährung auch in Zukunft verstärken wird. Dabei sind der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und ein nachhaltiges Wirtschaften der Betriebe, wie sie zu den Grundprinzipien des ökologischen Landbaus gehören, sehr wichtig. Aktuell ist das Angebot an Lebensmitteln, die in bio-veganer Landwirtschaft erzeugt werden, leider noch sehr übersichtlich. Allerdings nimmt das Interesse an dieser nachhaltigen Anbaumethode immerhin zu, auch in Fachkreisen. Es gibt erfolgreich bio-vegan wirtschaftende Betriebe, dennoch fehlt es bislang noch an vielfältiger Praxiserfahrung sowie an experimentellen Erkenntnissen. Eine gute Öffentlichkeitsarbeit kann aber noch mehr Konsumenten für das Thema sensibilisieren. Viele wollen ja weder Schlachtabfälle noch mit Antibiotika belastete Gülle auf den Feldern haben, auf denen ihre Lebensmittel angebaut werden. Und wenn die Nachfrage nach bio-vegan angebauten Lebensmitteln steigt, macht es diese Wirtschaftsweise sowohl für Landwirte als auch für die Forschung interessanter. Der VEBU führt eine Liste mit bio-veganen Höfen und möchte das Thema in Zukunft stärker verfolgen.

Weitere Beiträge zur bio-veganen Landwirtschaft finden Sie in unserem Magazin tierrechte 4.14.

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