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Jura: Wir brauchen Wahlangebote mit tierschutzrechtlicher Spezialisierung

03-08-11-BV vloeperDr. Eisenhart von Loeper ist Ehrenmitglied und ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbandes. Die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz wurde von ihm initiiert und zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Er wurde als erster Tierrechtler mit dem Bundesverdienstkreuz für sein Engagement ausgezeichnet. Im Interview spricht er darüber, was sich im Jura-Studium ändern müsste, damit die Tierrechte als gesellschaftspolitisch relevantes Thema angemessen berücksichtigt werden.

Tierrechte: Herr Dr. Eisenhart von Loeper, Sie sind Jurist und engagieren sich seit Jahrzehnten für die Rechte der Tiere. Würden Sie jungen engagierten Tierrechtlern empfehlen, Jura zu studieren, um später etwas für die Tiere erreichen zu können?

Eisenhart von Loeper: Da kommt es sehr auf persönliche Fähigkeiten und Erfahrungen an. Wer aus Mitgefühl und seinem Wissen um die Tiere und all die Not, die wir Menschen ihnen antun, für deren Rechte eintritt, für den kann sich ein Jura-Studium eignen. Allerdings gilt es dann, das mit dem Studium verbundene „Dickicht“ von Rechtswissen, Lehre und Rechtspraxis schrittweise zu durchdringen. Seine Kraft gewinnt der juristische Beruf allerdings erst, wenn das soziale Engagement gelebt wird.

Tierrechte: Gibt es viele angehende Juristen, die aus Idealismus Jura studieren? Können Sie einschätzen, ob die Zahl der Tierrechtler im Jurastudium steigt?

Eisenhart von Loeper: Das Motiv, soziale Missstände zu verändern, gehört zu den Gründen, sich mit den Rechtswissenschaften zu befassen. Zwar ist das allgemeine Interesse an der industrialisierten Massentierhaltung, den Tierversuchen und am sonstigen Umgang mit Tieren seit Jahrzehnten ein brennendes Thema, auch verbunden mit hohen Einschaltquoten im Fernsehen. Gleiches gilt für breite Teile der Studierenden, die solchen Fragen ernsthaft und offen gegenüberstehen. Der aktive Einsatz für Tierrechte ist aber bisher eher die Ausnahme.

Tierrechte: Kommt die rechtliche Stellung des Tieres in den Lehrplänen der Rechtswissenschaft überhaupt vor – wenn ja, in welcher Form?

Eisenhart von Loeper: Leider spielt diese Frage in den Studienplänen nur eine verschwindend geringe Rolle. An einigen Universitäten werden jedoch auf Veranlassung engagierter Professoren tierschutzrechtliche Themen im Lehrplan einbezogen, so etwa über interdisziplinäre Seminare an der Freien Universität Berlin, in denen der Austausch zwischen Rechts-, Philosophie- und Politikstudierenden gefördert wird. Auch einige andere Universitäten beziehen die Thematik auf Initiative einzelner Professoren ein.

Tierrechte: Was müsste sich im Jurastudium allgemein und in den Lehrplänen ändern, um die wachsende Bedeutung der rechtlichen Stellung des Tieres angemessen zu berücksichtigen?

Eisenhart von Loeper: Angesichts der Aufwertung des Tierschutzes als Staatsziel nach Artikel 20a Grundgesetz sollte die Thematik schon im Grundstudium einleitend behandelt und in dem sich anschließenden Hauptstudium vertieft werden. Das Tierschutzgesetz sollte im Fach „Besonderes Verwaltungsrecht“ zum Erlernen der speziellen öffentlich-rechtlichen Methodik genutzt werden. Das würde ein Großteil der Studierenden sicher begrüßen, weil es sich um ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema handelt, das sich rechtlich aufarbeiten ließe.

Tierrechte: Was ist Ihnen hierbei besonders wichtig?

Eisenhart von Loeper: Am Beispiel des Mensch-Tier-Verhältnisses lässt sich erfassen, welche überragende Bedeutung es für uns als Menschen und für die Gesellschaft hat, aus Mitgefühl und Achtsamkeit für das Leben als Ganzes einzustehen. Dafür braucht es die jüngere Generation. Im Jurastudium sollten mehr Wahlangebote mit möglicher tierschutzrechtlicher Spezialisierung des sogenannten Schwerpunktbereichs eingeführt werden. Hilfreich wären auch zumindest freiwillige Veranstaltungen für Studenten, die sich aufgrund ihrer emotionalen Betroffenheit für Tiere engagieren und die für deren Rechte eintreten wollen.

Die Fragen stellte Christina Ledermann

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