Slideshow Image 1
Slideshow Image 2
Slideshow Image 3
Slideshow Image 4

Die Etablierung von Seminaren zum Mensch-Tier-Verhältnis ist sinnvoll

foto paul bischoffPaul Bischoff studiert an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im 7. Semester Soziologie und lebt in einer „veganen“ WG. tierrechte sprach mit ihm über seinen Weg zum Veganismus, über das Lehrangebot zum Mensch-Tier-Verhältnis an Schulen und Universitäten und warum er politische Diskussionen in der Tierrechtsszene für notwendig hält.


Tierrechte: Herr Bischoff, Sie leben vegan und sympathisieren mit dem Tierbefreiungsgedanken. Spielte Ihr Elternhaus im Hinblick auf Ihre Einstellung eine Rolle? Gab es Schlüsselerlebnisse, die Sie zu Ihrer Haltung bewogen haben?

Paul Bischoff: Ich lebe jetzt seit vier Jahren vegan, einige Jahre davor vegetarisch. Zu Hause haben wir uns nicht vegetarisch ernährt. Aber als ich umgestellt habe, konnten das meine Eltern tolerieren, auch wenn meine Mutter sich immer wieder um meine Ernährung Sorgen gemacht hat. Ein konkretes Schlüsselerlebnis gab es zwar nicht, aber ein Freund von mir lebte längere Zeit in England und kam als überzeugter Vegetarier zurück nach Deutschland. Bei ihm ging das vor allem über die Musik, die er in England entdeckt hat. Das war die Band „The Smiths“ und ihr Sänger „Morrissey“ mit ihrem Album „Meat is murder“. Die Thematik führte zu unzähligen Diskussionen zwischen uns. Ich kann durchaus sagen, dass ich von dem Zeitpunkt anfing, mich mit dem Tierleid in der Massentierhaltung und in Tierversuchen auseinanderzusetzen. Recht schnell ist bei mir der Entschluss herangereift, ganz auf tierische Produkte zu verzichten. Dann ging ich auf die ersten Demos, zum Beispiel auf die „Wir haben es satt“ in Berlin und „Frankfurt Pelzfrei“.

Tierrechte: Wurden die Themen „Tierschutz“ und „Tierrechte“ im Unterricht in Ihrer Schule behandelt?

Paul Bischoff: Nein, eigentlich gar nicht. Ich hatte allerdings das Zusatzfach Philosophie gewählt. Der Lehrer war in der Kritischen Theorie geschult und behandelte die Auseinandersetzung mit Peter Singers „Animal Liberation“ und den Holocaust-Vergleich in der Tierrechtsszene.

Tierrechte: Was halten Sie davon, das Thema Tierrechte in den Schulunterricht zu integrieren?

Paul Bischoff: Grundsätzlich finde ich das wichtig. Allerdings sollten die Lehrpläne so aufgebaut sein, dass das nicht in eine Art Pseudobeschäftigung ausartet, sondern eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema stattfindet. Wir erleben ja gerade einen „Vegan-Hype“, die Frage ist aber, ob die Leute das im Moment nur schick finden. Ich befürchte, dass die eigentlichen Fragen leicht ausgeblendet werden, es geht doch viel um Fitness, Abnehmen, Leistung und das eigene Ego. Tierrechtspositionen zu vermitteln finde ich generell schwierig, weil es moralische Fragen sind, die eigenen Antworten darauf müssen freiwillig getroffen werden. Schilderungen von Tierleid führen oft zu Abwehrreaktionen, weil die Leute sich angegriffen fühlen. Allerdings kann ich mit einem entschärften, zahnlosen Veganismus nicht viel anfangen. Man sollte nicht aus den falschen Gründen das Richtige tun.

Tierrechte: An einigen Universitäten werden inzwischen Seminare zum Verhältnis Mensch-Tier-Verhältnis angeboten. Sie selbst haben an einem solchen Seminar teilgenommen. Ist ein solches Lehrangebot der Weiterverbreitung des Tierrechtsgedanken dienlich?

Paul Bischoff: Die Etablierung solcher Seminare an den Universitäten ist auf jeden Fall sinnvoll, das Interesse ist schließlich da. Bis vor kurzem gab es überhaupt kein Angebot. Bei einer Uni-Umfrage hatte ich – und viele andere Kommilitonen auch – schon vor einiger Zeit angeregt, das Mensch-Tier-Verhältnis zu behandeln. Als ich in das Seminar ging, hatte ich mich bereits mit der Thematik auseinandergesetzt. Ich finde es allgemein schwierig zu beantworten, warum sich jemand beeinflussen lässt oder nicht. Eine verstärkte Forschung in diese Richtung könnte zentrale Fragen beantworten, vor allem im Hinblick auf die weitere gesellschaftliche Anerkennung von Tierrechten. Auch ist es wichtig, dass sowohl in Seminaren als auch in der Tierrechtsszene eine politische Diskussion stattfindet und damit eine klare Abgrenzung zu rechtslastigen Positionen.

Tierrechte: Die Tierrechtszene sollte sich Ihrer Meinung nach verstärkt mit ihren eigenen Positionen auseinandersetzen? Können Sie das näher erklären?

Paul Bischoff: Debatten darüber, wo man politisch steht, sind elementar, da sollte man kontrovers diskutieren. Seit geraumer Zeit versuchen Neonazis, in der Tierrechts- und Veganszene Fuß zu fassen. Ich habe das selbst auf einer Demo erlebt. Mich hat erschreckt, dass nicht wenige Demonstranten diese Art der Unterwanderung nicht gestört hat und damit argumentierten: „Hauptsache für die Tiere“. Das ist verdeckte Propagandaarbeit. Hier ist eine klare Abgrenzung wichtig. Doch auch in der Bewegung selbst gibt es problematische Tendenzen und Positionen, die einen solchen Anschluss möglich machen. Naturalismus, Biozentrismus, Antisemitismus und die Abwertung des Menschen lassen sich tatsächlich in manchen theoretischen Ansätzen der Bewegung finden. Die Tierrechtsbewegung muss sich davon distanzieren und die Kritik daran selbst formulieren und nicht anderen überlassen. Sonst schadet das nicht nur der Tierrechtsbewegung selbst, sondern vor allem den Tieren.

Die Fragen stellte Steffanie Richter

Facebook Twitter You Tube E-Mail schicken

Kostenloser Newsletter

Immer über tagesaktuelle Entwicklungen, Hintergrundinformationen, Pressemitteilungen sowie über Tierrechts-Kampagnen und Mitmach-Aktionen informiert sein.

Jetzt Gratis-Infos bestellen »