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Die Ausbildung als Grundstein zur Abschaffung von Tierversuchen

simheart iibWer schon in jungen Jahren ein moralisches Bewusstsein entwickelt und Bedenken gegenüber der Nutzung von Tieren äußert, hat es in natur- oder veterinärwissenschaftlichen Studiengängen schwer. Das Sezieren von Tieren oder das Schlachthofpraktikum desensibilisieren die zukünftigen Forscher, Tierärzte, Dozenten, Tierschutzbeauftragten, Wissenschaftsjournalisten oder politischen Fachreferenten gegenüber dem Leid der Tiere. Um dies zu ändern, muss eine kritische Menge an Akademikern erwachsen, die die bestehenden Lehrangebote aus ethischen Gründen hinterfragt und moderne, tierfreie Methoden aktiv einfordert.

Als Kontaktperson für SATIS und InterNICHE erreichen mich nicht selten diese Anfragen: Ich möchte später tierversuchsfreie Verfahren entwickeln, wo kann ich studieren? Oder: Ich würde gern Tierärztin werden, aber wie? Vor allem in den Studienfächern Biologie, Human- und Veterinärmedizin sind tierverbrauchende Praktika in der Lehre noch immer die Regel. In der Tierversuchsstatistik wurden 2013 fast 65.000 extra für die Aus- und Weiterbildung getötete Wirbeltiere erfasst, vor allem Nagetiere, Fische und Schweine. Laut dem online verfügbaren Ethik-Hochschulranking des Bundesverbandes ist vor allem Studierenden der Biologie und Veterinärmedizin ein Studium ohne Tierverbrauch nahezu unmöglich.

Desensibilisierung im Studium
Menschen, die Tierverbrauch kritisch sehen und ablehnen, wählen diese Studiengänge darum oft von vornherein nicht. Andere werden im Laufe des Studiums genötigt, gegen ihr Gewissen zu handeln oder eben ihr Studium abzubrechen. Die in den verschiedenen Studiengängen angebotenen Kursinhalte stellen nicht wenige vor einen Gewissenskonflikt. Einen toten Körper aufzuschneiden, mit Organen zu experimentieren oder gar im Schlachthof zu arbeiten, soll Studierende darin prüfen, ob sie im richtigen Fach sind und sie auf spätere vermeintliche Arbeitsinhalte vorbereiten. Diesen Prozess der Sozialisation bezeichnet man auch als Geheimen Lehrplan (Hidden Curriculum). Das Studium ist daher mehr als nur eine Aneignung von neuem Wissen, es vermittelt ebenso den Umgang mit Gefühlen und Ansprüchen. Daraus ergibt sich zwangsweise der Verlust mitfühlender Studenten und deren Desensibilisierung gegenüber der Tötung von Tieren (Capaldo, 2005).

Auswege aus der Sackgasse Tierversuch
Nach dem Tierschutzgesetz gelten Eingriffe oder Behandlungen an Tieren, die zu Aus-, Fort- oder Weiterbildungszwecken vorgenommen werden, als Tierversuch, bei dem zu prüfen ist, ob der verfolgte Zweck nicht durch andere Methoden oder Verfahren erreicht werden kann. Die Bandbreite 'anderer Methoden oder Verfahren' ist allerdings so groß, dass einem Einsatz von Tieren in der Lehre kaum noch Rechnung getragen werden kann. Das Netzwerk InterNICHE stellt detailreiche Informationen zu mehr als eintausend modernen humanen Materialien in einer umfangreichen, mehrsprachigen und aktuellen Online-Datenbank bereit. Zusätzlich bietet das Netzwerk ein Ausleihsystem, durch das vor der Anschaffung weltweit kostenlos Lehrmaterial entliehen und getestet werden kann.

Positive Beispiele
Gerade die Studierenden, die Tierverbrauch verweigern, engagieren sich oft aktiv für eine Umgestaltung ihrer Kurse. Sie sind hochmotiviert, ihren Berufswunsch zu erreichen und Auswege aus der Sackgasse Tierversuch zu erforschen. Positive Beispiele, wo Institute und einzelne Studierende sich erfolgreich für tiereinsatzfreie Lösungen einsetzten, sind der Bachelor der Biologie in Mainz und Jena. Hier ist es nun möglich, tierfreie Wahlkurse zu belegen. Auch in anderen Städten, wie Berlin, gelang es engagierten Studierenden mittels geliehenen tierfreien Materialien ihre Zoologiekurse erfolgreich zu absolvieren. Veterinärmedizinstudenten, die mit dem Schlachthofpraktikum hadern, können sich an die Tierärztin Barbara Weismann wenden. Sie hat erreicht, dieses Praktikum offiziell zu umgehen.

Über die 'critical mass' zur alternativen Kettenreaktion
Durch die bestehende konventionelle Ausbildung werden unzählige Tiere verbraucht und daraus folgend tierversuchskritische Menschen vom tierverbrauchenden Studienweg abgehalten. Dies prägt letztlich die Forschungslandschaft und somit den Einsatz von Tierversuchen in der  wissenschaftlichen Forschung. Der Zahl der Absolventen, die Tierversuche als selbstverständlich ansehen, muss eine kritische Menge an Akademikern gegenüberstehen, die aus ethischen Gründen bestehende Konventionen hinterfragt. Es gibt großen Bedarf an einer nachhaltigen Änderung dieser Situation, um die stark tierversuchsorientierte Wissenschaft aufzubrechen und neue Wege zu ebnen. Die Ausbildung ist der Grundstein zur Lösung des Problems.

Dr. Astrid Schmidt, SATIS-Ansprechpartner und InterNICHE loan system manager

www.satis-tierrechte.de
www.interniche.org

Zum Weiterlesen:
Über die Notwendigkeit eines tierverbrauchsfreien Studiums – Die Ausbildung als Schlüssel zur Abschaffung von Tierversuchen, Astrid Schmidt und André Schmidt, in TIERethik 6. Jahrgang 2014/1, Heft 8, S. 14-29.

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