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25. September 2015: Tierschutzforschungspreis: In-vitro statt Tiermodell

Der 34. Tierschutzforschungspreis des Bundeslandwirtschaftsministeriums geht in diesem Jahr an die Forschergruppe um Prof. Marcel Leist aus Konstanz. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte begrüßt die Auszeichnung des Forschers, der mit seinem Team ein tierversuchsfreies Verfahren zur Untersuchung neurodegenerativer Erkrankungen (z.B. Morbus Parkinson) entwickelt hat. Das Modell kann sowohl in der Grundlagenforschung  als auch zur Testung von Arzneimitteln eingesetzt werden und somit zur Reduktion der Tierversuche beitragen. Der Preis dokumentiert zudem die Leistungsfähigkeit tierversuchsfreier Verfahren und die wachsende Bedeutung dieses wichtigen Forschungsbereiches.     

Prof. Leist, die Doktorandin Liudmila Efremova und Dr. Stefan Schildknecht vom Doerenkamp-Zbinden-Lehrstuhl für In-vitro-Toxikologie und Biomedizin haben ein dreidimensionales Modell mit Nervenzellen von Menschen und Mäusen etabliert.  Bisher werden diese Erkrankungen des Nervensystems in sogenannten Krankheitsmodellen am lebenden Tier erforscht.* Dies führt seit Jahren zu einem rasanten Anstieg der Tierversuchszahlen. Nach Schätzungen werden hierfür jährlich fast 10.000 Tiere eingesetzt.

Dr. Kurt Simons, Vorsitzender des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte, betont: „Wir freuen uns, dass die ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler damit eine Anerkennung für ihre jahrelange wertvolle Arbeit erhalten. Der Preis dokumentiert die Leistungsfähigkeit tierversuchsfreier Verfahren. Denn mit dem In-vitro-Krankheitsmodell können nun ursächliche Mechanismen untersucht und Arzneimittel getestet werden. Die wachsende Bedeutung dieses wichtigen Forschungsbereiches zeigt sich auch darin, dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Tierschutzforschungspreis heute persönlich verliehen hat.“
 
Gleichzeitig eröffnete Bundesminister Schmidt heute das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren, das am Bundesinstitut für Risikobewertung angesiedelt und in das ZEBET** integriert ist. Für die Erstausstattung stehen 6 Millionen Euro, ab 2016 jährlich 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Menschen für Tierrechte begrüßt die Zusage von Bundesminister Schmidt, dass dieses Zentrum zukünftig für die wichtigsten Prüfungen, die der Gesetzgeber für die Durchführung eines Tierversuchs verlangt, Auskünfte anbieten werde. Bei der Feststellung der Unerlässlichkeit und ethischen Vertretbarkeit müssen sich die Genehmigungsbehörden bisher auf ihr Bauchgefühl statt auf wissenschaftlich fundierte und rechtssichere Prüfkriterien verlassen. Der Bundesverband fordert schon seit 2012 in seiner Aktion "Kompetenzzentum statt Tierversuche", diesen unhaltbaren Zustand zu beenden. Bundesminister Schmidt hat heute zugesagt, diese wichtige Forderung des Tierrechtsverbandes zu erfüllen.

 

* Die Krankheitsbilder werden im Tier – meist in Mäusen – durch genetische Manipulation erzeugt. Eine Methode, die Prof. Leist und sein Team recherchiert haben, ist dabei die Tiermodellentwicklung mit MPTP (1-Methyl-4-phenyl-1,2,3,6-tetrahydropyridin). Aus pluripotenten Stammzellen werden humane Neurone und Mäuse-Astrozyten (bestimmter Zelltyp im zentralen Nervensystem) erzeugt und dann mit der MPTP-Chemikalie ein Parkinson-ähnlicher Zustand in Affen und Mäusen erzeugt. Das Kokulturenmodell kann diese Tierversuche ersetzen.

** ZEBET ist die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch am Bundesinstitut für Risikobewertung.

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