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11. September 2014: Undercover-Recherche über Affenversuche offenbart Versagen des deutschen Tierschutzrechts

Die am Mittwochabend in Stern-TV ausgestrahlte Dokumentation über die Affenversuche am Max-Planck-Institut (MPI) in Tübingen zeigt, dass das deutsche Tierversuchsrecht bei der Feststellung der Unerlässlichkeit und der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen versagt. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte fordert von der Bundesregierung eine sofortige Änderung des Tierschutzgesetzes sowie entschlossene und wirkungsvolle Maßnahmen, um die tierversuchsfreie Forschung voranzubringen.

Die Undercover-Recherche der SOKO Tierschutz e.V., die am 10.09.14 in der Sendung Stern-TV ausgestrahlt wurde, dokumentiert das Leiden der Rhesus- und Javaneraffen, die am MPI für Biologische Kybernetik in der Hirnforschung eingesetzt werden. „Diese schockierenden Versuche sind möglich, weil das deutsche Tierversuchsrecht bei der Feststellung der Unerlässlichkeit und der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen versagt. Um diesen skandalösen und tierschutzwidrigen Zustand zu beseitigen, muss die Regierung unverzüglich das eigenständige Prüfrecht der Behörden für Versuchsanträge im Tierschutzgesetz festschreiben, wie dies die EU-Tierversuchsrichtlinie 2010/63 /EU in Artikel 38 von allen Mitgliedstaaten verlangt“, so Christina Ledermann, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte.

Hintergrund ist eine schwammige Formulierung im Tierschutzgesetz, die den Genehmigungsbehörden faktisch das Recht entzieht, die Unerlässlichkeit von Tierversuchen in den Anträgen eigenständig prüfen zu können. Dies bestätigen der Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 20.01.2014 sowie die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Bremen vom 11.12.2012 zu den sogenannten Bremer Affenversuchen. Zudem fehlt noch immer eine EU-weite Einigung auf eine einheitliche Schaden-Nutzen-Analyse bei der Bewertung von Tierversuchen.

„Die Tatsache, dass die Behörden nur auf Plausibilität prüfen dürfen, überlässt die Entscheidung, ob ein Versuch unerlässlich und damit ethisch vertretbar ist, praktisch den Experimentatoren. Bei diesen Affenversuchen argumentieren die Wissenschaftler beispielsweise, dass das Gehirn selbst schmerzunempfindlich ist. Die Folgeschäden, wie Schmerzen und Entzündungsprozesse sowie die Qual der Gewöhnung an den Primatenstuhl, werden bei der Belastungseinstufung jedoch nicht berücksichtigt. Würde man die Einstufung von "mittel" auf "schwer" anheben, wären diese Tierversuche nicht mehr genehmigungsfähig“, so Christina Ledermann.

Die Recherche der SOKO Tierschutz e.V., die in Kooperation mit der britischen Partnerorganisation des Bundesverbandes, der Britischen Union zur Beendigung von Tierversuchen (BUAV), erstellt wurde zeigt, wie Rhesus- und Javaneraffen leiden, denen in aufwendigen und schmerzhaften Operationen Elektroden ins Gehirn implantiert wurden. Ein Teil der Tiere wird danach in sogenannten Primatenstühlen eingesetzt, wo die Tiere über Stunden fixiert Aufgaben an einem Bildschirm lösen müssen. Die Aufnahmen zeigen, dass die Tiere dazu teilweise mit Gewalt aus dem Käfig gezerrt werden müssen. Zudem werden sie im Primatenstuhl gefügig gemacht, indem man sie durstig hält. Sie werden nur während der Versuche mit Flüssigkeit versorgt. Es wurde beobachtet, dass die Affen nach der Reinigung der Käfige die Gitterstäbe nach Wassertropfen absuchen und aus purer Verzweiflung sogar ihren eigenen Urin trinken. Je nach Versuch werden die Tiere nach einigen Wochen getötet und ihr Gehirn untersucht.

Kontakt: Pressestelle - Christina Ledermann, stell. Vorsitzende, Tel. 0179 – 450 46 80, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Mehr zur Recherche der SOKO Tierschutz e.V. unter:
www.soko-tierschutz.org

 Bundesverband Menschen für Tierrechte untermauert seine Forderung zur Änderung des Tierschutzgesetzes mit diesem Rechtsgutachten der Uni Basel.

Maßnahmen zur Ablösung der Tierversuche und zur Progression tierversuchsfreier Verfahren unter: www.tierrechte.de

Hier lesen Sie das Schreiben des Bundesverbandes an Bundesminister Schmidt: www.tierrechte.de

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