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11. August 2015: Humanes Serum statt fötales Kälberserum - Menschen für Tierrechte fordern tierleidfreie Verfahren

kuh mit kaelbchen11. August 2015 / Anlässlich der gestrigen Berichterstattung in der Tagesschau zu falsch deklariertem Fötalen Kälberserum (FKS) (1) verweist der Bundesverband Menschen für Tierrechte darauf, dass für spezifische Zelltypen bereits ein tierleidfreies Zellkulturmedium existiert. Um das tierfreundliche Verfahren für ein breites Spektrum von Zelltypen nutzbar zu machen, bedarf es weiterer Studien. Hierfür fehlt es jedoch an Geld. Um die notwendigen Verfahren schnellstmöglich praxisreif zu entwickeln, fordert der Verband u.a. die Einrichtung eines Forschungsschwerpunktes für tierleidfreie Zellkulturmedien.

„Das qualvolle Sterben der Kälber wird erst dann aufhören, wenn die Bundesregierung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen Sonderforschungsbereich für praxisreife tierleidfreie Zellkulturmedien einrichtet“, so Christina Ledermann stellvertretende Vorsitzende von Menschen für Tierrechte.
Nach Aussagen der Tierrechtsorganisation hat der Nierenforscher Prof. Dr. Gerhard Gstraunthaler und sein Team von der Medizinischen Universität Innsbruck schon vor Jahren ein Verfahren entwickelt, das nicht benötigte Thrombozyten (Blutplättchen) des Menschen aus Blutspenden nutzt. In einer In-vitro Studie mit spezifischen Stammzellen (2) im Jahr 2014 gelang es Gstraunthaler, humane Wachstumsfaktoren zu produzieren, die für Zell- und Gewebekulturen genutzt werden können. Die Entwicklung dieses Verfahrens wurde bislang von der Stiftung set (3) gefördert. Für die Validierungsstudie fehlt nun jedoch die Anschlussfinanzierung. Ob diese Nährlösung auf Basis menschlichen Blutes auch für andere Zelltypen geeignet ist, muss in weiteren Studien geklärt werden.
„In Anbetracht des immensen Tierleids und des großen Bedarfs an Zellkulturmedien sind Bundesregierung und Deutsche Forschungsgemeinschaft in der Pflicht, schnellstmöglich die notwendige Validierungsstudie zu finanzieren und einen Forschungsschwerpunkt für praxisreife tierleidfreie Zellkulturmedien einrichten,“ so Ledermann.


Zur Gewinnung des Fötalen Kälberserums (FKS) werden die Föten von tragenden Kühen verwendet. Dazu wird den Föten in fortgeschrittenem Entwicklungsstadium bis zum geburtreifen Alter eine dicke Nadel durch die Rippen in das schlagende Herz gestochen (punktiert) und so viel Blut wie möglich abgesaugt. Dazu muss das Herz noch schlagen, d h. der Fötus darf nicht tot sein. Obwohl es möglich wäre, die Föten vor der Herz-Punktur zu betäuben, wird die diese ohne Anästhesie durchgeführt. Nach der Prozedur verendet der Fötus qualvoll. Der große Bedarf macht Produktion und Handel von FKS zu einem Riesengeschäft. Jährlich werden bis zu 800.000 Liter FKS herstellt. Nach Schätzungen von Experten werden dafür weltweit etwa zwei Millionen Kälberföten ausgeblutet. In Deutschland werden nach Angaben der Bundestierärztekammer etwa 180.000 tragende Rinder pro Jahr geschlachtet.

(1) Fetales oder Fötales Kälberserum (FKS) wird aus dem Blut von Kuhfeten gewonnen und ist ein Hauptbestandteil vieler Nährmedien, die zur Aufzucht und Kultivierung von Zellen in der Zellkultur benötigt werden. Das FKS ist das am häufigsten verwendete Serum für Zellkulturen in der Medizin und der Chemischen und Pharmaindustrie. Die Bezeichnung FKS wird jedoch kaum verwendet, üblicher sind die englischen Bezeichnungen fetal bovine serum (FBS), fetal calf serum (FCS) oder newborn calf serum (NCS).
(2) Mesenchymale Stammzellen bilden Füll- und Stützgewebes während der Embryonalentwicklung. Aus ihnen bilden sich im Laufe der Entwicklung Binde-, Knorpel- und Muskelgewebe.
(3) Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen

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