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7. November 2003

366.000 Unterschriften für tierversuchsfreie Forschung an Ministerin Künast





Der Bundesverband Menschen für Tierrechte übergab gestern 366.000 Unterschriften an Bundesministerin Renate Künast. Die Unterzeichner unterstreichen damit die Forderung des Verbandes, tierversuchsfreie Forschungsmethoden durch Umschichtung der öffentlichen Fördergelder stärker zu unterstützen. Eine symbolische Aktion, bei der als »Versuchstiere« verkleidete Aktivisten Geldsäcke vor einem Mäusekäfig zu einem Reagenzglas hinüberschaufelten, visualisierte die Forderung.

Hintergrund für die Aktion im Verbraucherschutzministerium in Berlin ist das Missverhältnis der Finanzierung von tierexperimenteller und tierversuchsfreier Forschung. Letzterer stehen nur knapp 4 Millionen Euro jährlich zur Verfügung, während jedes Jahr mehrere Hundert Millionen Euro öffentliche Gelder in die Tierversuchsforschung fließen. Allein einzelne tierexperimentelle Projekte werden mit zweistelligen Millionensummen finanziert.

Mit der bundesweiten Kampagne »Keine Mäuse für Tierversuche - mehr Geld für tierversuchsfreie Forschung« will der Bundesverband Menschen für Tierrechte dieses Missverhältnis ändern. »In Zeiten, in denen überall gespart werden muss, fordern wir keine neuen Töpfe aufzumachen, sondern Gelder aus vorhandenen umzuschichten«, äußerte Kampagnenleiterin Dr. med. vet. Corina Gericke vom Bundesverband gegenüber Ministerin Künast. Die für Tier- und Verbraucherschutz zuständige Ministerin befürwortet diesen Ansatz und hob hervor, dass jedoch auch die Wissenschaft in die Pflicht genommen werden müsse und vermehrt in diesem tierfreundlichen Bereich forschen solle.

Da die Bundesregierung den Etat für 2004 zur Förderung tierversuchsfreier Verfahren auf 2,5 Millionen Euro kürzen will, befürchten die Tierrechtler weitere negative Auswirkungen auf diesen innovativen Forschungszweig. So wies Brigitte Jenner, Mitglied des Bundesverbandes und Vorsitzende der Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg - die über 200.000 Unterschriften beigesteuert hatten - explizit auf die mangelnde finanzielle und personelle Ausstattung von ZEBET, der Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden hin. Als Mitglied auch der ZEBET-Kommission betonte sie, dass diese staatliche Einrichtung maßgeblich an der Entwicklung und Anerkennung tierversuchsfreier Testverfahren beteiligt sei. ZEBET könne jedoch die Aufgaben nur bei entsprechender Finanzierung erfüllen. Mit entsprechenden Details der Situation von ZEBET will sich nun die Bundesministerin auseinandersetzen.

Im Gespräch mit der Ministerin wurde auch die neue Chemikalien-Richtlinie der EU thematisiert. In diesem Zusammenhang plant die EU 30.000 Altchemikalien, die seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt sind, in Tierversuchen testen zu lassen. Hierfür sollen mehr als 20 Millionen Tiere ihr Leben lassen. Die Ministerin bekundete gegenüber den Tierrechtlern, sich hier für die volle Ausschöpfung aller tierversuchsfreien Möglichkeiten einzusetzen.


Kontakt
Dr. med. vet. Corina Gericke, Tel.: 0531 - 54216


Bildmaterial


Symbolisches Geld-Umschaufeln: weg von der tierexperimentellen, hin zur tierversuchsfreien Forschung



Beeindruckt: der erste Stapel von 366.000 Unterschriften v.li: Dr. Corina Gericke vom Bundesverband, Bundesministerin Künast, Brigitte Jenner von den Tierversuchsgegnern Berlin und Brandenburg


Im Gespräch: v. li Dr. Corina Gericke vom Bundesverband, Bundesministerin Künast, Brigitte Jenner von den Tierversuchsgegnern Berlin und Brandenburg

(Fotos: Marco Limberg - Bitte klicken Sie auf die Bilder, um eine größere Darstellung zu erhalten.)

Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Diese Seite generiert am 30. Juli 2010
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