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3. Internationaler Kongreß und Fachmesse für die Schädlingsbekämpfung am 6. Mai 1998 in Dortmund: Ein Kommentar der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben

Ein Schwerpunkt der Tagung was das Thema »Verwilderte Haustauben«. Neben einer Fachmesse, auf der sich zahlreiche Anbieter auf Taubenabwehrsysteme spezialisiert hatten, fand auch ein Symposium statt.

Das Symposium oder: Wie der Schädlingsbekämpferverband Marktchancen bei einem Tier sichert, das nicht als Schädling eingestuft ist.

Zur Einstimmung ertönte Georg Kreislers bekanntes Lied »Tauben vergiften im Park«. Nein - kein Auftakt einer Kundgebung gegen das Töten von Tauben, sondern der Beginn eines Symposiums zum Thema »Verwilderte Haustauben« im Rahmen des Internationalen Schädlingsbekämpferkongresses.

Die Themen:

Taubenzecken
Gesundheitsgefährdung
die Problematik in anderen europäischen Städten
verwilderte Haustauben aus Sicht der Verbraucher
die Taubenpille
tierschutzrechtliche Aspekte
biologische Ansätze zur Lösung der Stadttaubenproblematik


Es war wie in Hitchcocks »Vögel«, nur eben mit Tauben als Tätern und ohne die geniale Regie des Meisters. Mit einem hatten die Referenten aus den »neuen« Bundesländern sicherlich Recht: Parasiten wie Zecken können unangenehme Zeitgenossen werden. Probleme mit Taubenzecken werden zwar in der Fachliteratur beschrieben, allerdings meist in Fällen von besonders verwahrlosten Gebäuden. Trotz größter Bemühungen konnten aber auch die sächsischen Referenten keine Übertragung von gefährlichen Infektionskrankheiten nachweisen.
Heftige allergische Reaktionen aufgrund von Zeckenbissen traten ebenfalls nur zu einem verschwindend geringen Teil auf. Ohnehin ist zu bezweifeln, daß die von einer profitorientierten Lobby geladenen Herren fundiertere, objektivere Erkenntnisse vorweisen können, als offizielle Behörden wie das ehemalige Bundesgesundheitsamt, das die Stadttauben bereits seit 1989 nicht mehr als Schädling einstufte.

Ein Beitrag aus Österreich stimmte ebenfalls etwas nachdenklich. Zweifelsohne ist Taubenkot ein hygienisches und ästhetisches Problem, aber die Verschmutzung scheint in Wien ganz besonders schlimm zu sein. Nach Aussagen des österreichischen Referenten können dort in manchen Straßen die Fenster wegen des auf ihnen lastenden Taubenkots nicht mehr geöffnet werden. Ob die einfach zu selten putzen in Wien?

Besonders »amüsant« war der Beitrag eines Referenten zum Thema »Verwilderte Haustauben in Spanien«. Ein junger, dynamischer deutscher Schädlingsbekämpfer berichtete über seine »persönlichen Beobachtungen zur Situation in Spanien«. Deutlich wurde, was Schädlingsbekämpfer unter der Globalisierung der Märkte verstehen: Es geht um die Ausdehung deutscher Märkte auch auf andere europäische Ländern, in denen bisher eine Akzeptanz der Tauben vorhanden war.

Trotz einiger Referenten, die Tötungsaktionen und Fütterungsverbote als wirksame Mittel ansahen, ergabe sich doch im Endergebnis, daß weder die eine noch die andere Methode zu einer wesentlichen Reduktion der Stadttauben führt. Abgesehen von der Stadt Dortmund, die mit ihrem Vertreter Herrn Spottke Tötungsaktionen zu legitimieren versuchte, war die allgemeine Einschätzung, daß Tötungen weder gewollt seien noch eine Lösung darstellten. (In einer Stellungnahme des Ministerums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen werden die Tötungen der Tauben in Dortmund als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bewertet, und man kündigte an, daß sie nicht geduldet werden.)
Es bleibt abzuwarten, wie lange Ordnungsamtsleiter Ministerien ignorieren können.

Zu hoffen ist, daß zumindest die Aussage von Dr. Bartels (Tierärtzliche Hochschule Hannover) und von Peter Arras (Aktion Konsequenter Tierschutz) im Gedächtnis der Verantwortlichen bleiben. Beide Referenten verwiesen auf die Tatsache, daß Stadttauben »verstädterte« Haustiere sind, die als Folge der Domestikation ihre Selbstregulierungsmechanismen verloren haben und deshalb ganzjährig brüten.

Nur Gesamtkonzepte mit der Errichtung von Taubenschlägen, einer kontrollierten Fütterung, dem Einsatz einer unschädlichen Taubenpille und die Reglementierung der Brief- und Rassetaubenzucht können dieses von Menschen verursachte Problem tiergerecht und nachhaltig lösen. Dies wird sowohl von Ministeriums- als auch von Tierschutzseite empfohlen. Die geforderte Konzentration und Sanierung der Brutplätze zum Zwecke der Geburtenregulierung und der Kotentsorgung dürfte der Kammerjägerlobby jedoch wegen der geringen Marktchancen wenig attraktiv erscheinen.

Sollte Ihnen dieser Kommentar etwas unsachlich erscheinen, so erlauben Sie den Mitgliedern der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben, die sich seit mehreren Jahren mit dem Thema auseinandersetzen, bitte eine letzte Einschätzung: Es gilt die Aussage des Bundesgesundheitsamtes, daß durch Tauben keine größere Gesundheitsgefährdung als durch Zier- und Wildvögel sowie Nutz- und Liebhabertiere ausgeht -auch wenn die Schädlingsbekämpferlobby das gerne anders sehen würde.

»Es ist schon paradox. Die einen verdienen Geld, indem sie Tauben als »Sportgeräte« fliegen lassen, die anderen, indem sie unsere Städte vernetzen, damit die Tiere dort nicht landen können. Verlierer sind in beiden Fällen die Tiere und die BürgerInnen, die unter der Situation leiden bzw. im wahrsten Sinne des Wortes teuer dafür bezahlen!«

Elisabeth Heß und Elisabeth Mederer

Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Diese Seite generiert am 21. März 2010
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