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Interview: Tieren helfen über das eigene Leben hinaus

03-08-11-BV_vloeperDas Ende des eigenen Lebens und alles, was damit zusammenhängt, ist für Viele ein Tabuthema, so auch das Abfassen eines Testaments. Denn sich mit seinem »letzten Willen« zu beschäftigen, bedeutet auch, sich mit seinem Abschied von Menschen und Tieren auseinanderzusetzen. Dennoch ist es ein wichtiges Thema, wenn man selbst entscheiden will, was mit dem Nachlass geschehen und ob er z. B. zum Wohle der Tiere verwendet werden soll. Denn das Engagement für die Rechte der Tiere ist ohne die Unterstützung wohlwollender Förderer zu Lebzeiten und darüber hinaus nicht möglich. Wichtig zu wissen ist zudem, dass gemeinnützige Organisationen keine Erbschaftssteuer zahlen müssen. Lesen Sie im Interview mit unserem ehemaligen Vorsitzenden und Ehrenmitglied, dem Rechtsanwalt Dr. Eisenhart von Loeper, was Sie bei der Abfassung Ihres Testamentes bedenken sollten.

tierrechte: Was passiert, wenn ich kein Testament mache?

Eisenhart von Loeper: Wenn kein Testament vorliegt, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge ein. Wenn Sie keine Familienangehörigen, also keine gesetzliche Erben haben, fällt Ihr Vermögen an den Staat und Sie haben keinen Einfluss mehr darauf, wie Ihr Geld verwendet wird.

tierrechte: Wen kann ich in meinem Erbe berücksichtigen, wenn ich sicherstellen will, dass es den Tieren zugutekommt?

Eisenhart von Loeper: Nach deutschem Recht sind nur natürliche oder juristische Personen, wie z. B. Vereine oder Stiftungen, erbberechtigt. Tiere jedoch nicht. Die gesetzliche Erbfolge ist nur eine veränderbare Regel des Gesetzgebers. Wenn Sie andere Menschen oder einen Verein bedenken möchten, dann sollten Sie ein Testament oder einen Erbvertrag aufsetzen. Darin halten Sie fest, welche natürliche oder juristische Person Ihr Vermögen - mit Ausnahme des Pflichtteils - erben soll.

tierrechte: Was ist der »Pflichtteil«?

Eisenhart von Loeper: Eigene Abkömmlinge, Eltern und der Ehegatte des sogenannten Erblassers sind gesetzlich bevorzugt. Sie können, wenn sie enterbt werden, vom Erben immerhin die Hälfte des Wertes ihres gesetzlichen Erbes, also den »Pflichtteil«, beanspruchen. Bei der üblichen »Zugewinngemeinschaft« zwischen Eheleuten erhält der verwitwete Ehepartner dann den Pflichtteil von einem Viertel des Nachlassvermögens, falls Kinder da sind, die in diesem Falle insgesamt ebenfalls ein Viertel des Nachlasses verlangen können. Bei solcher Konstellation darf daher der Erblasser über die verbleibende andere Hälfte seines Vermögens testamentarisch frei verfügen.

tierrechte: Wie kann ich eine Organisation, die sich für Tiere einsetzt, in einem Testament bedenken, also z. B. den Bundesverband Menschen für Tierrechte?

Eisenhart von Loeper: Auf ganz unterschiedliche Weise. Der Verein kann eingesetzt werden als Alleinerbe, Miterbe, Vermächtnisnehmer oder Vermächtnisnehmer mit Haustierbetreuung.

tierrechte: Was ist der Unterschied zwischen einem Vermächtnisnehmer und einem Erben?

Eisenhart von Loeper: Während der Erbe als Rechtsnachfolger des Erblassers mit dem Vermögen auch alle bestehenden Verpflichtungen wie z. B. Schulden annimmt, hat der Vermächtnisnehmer keine Verpflichtungen durch die Zuwendung. Insofern ist es besser, den Bundesverband Menschen für Tierrechte als Vermächtnisnehmer einzusetzen. Denn so ist gewährleistet, dass der Bundesverband gegenüber dem Erben den gesetzlichen Anspruch auf das ihm zugedachte Vermächtnis hat. Solche Vermögensvorteile können Sparguthaben, Schmuck, Möbel, Immobilien und sonstige Wertgegenstände sein. Beim Bezugsrecht aus einer Lebensversicherung gilt dagegen die Besonderheit, dass allein das im Versicherungsvertrag Festgelegte gilt, so dass der Nachlass davon regelmäßig nicht betroffen ist. Man spricht hier von einem »Rechtsgeschäft unter Lebenden«, also nicht erbrechtlicher Art mit der Folge, dass die Versicherung die Versicherungssumme an den im Versicherungsvertrag Begünstigten ausbezahlen muss und nur dann, wenn ein Begünstigter nicht bestimmt ist, die Erben zum Zuge kommen. Wird ein Vermächtnis zugewendet, dann ist es ganz wichtig, es so genau wie möglich zu bezeichnen, z. B. welches Sparbuch oder welche Aktiendepots usw.

tierrechte: Wenn ich ein Testament mit dem Bundesverband als Vermächtnisnehmer aufsetzen würde, könnte ich dann entscheiden, wofür mein Vermögen später verwendet wird?

Eisenhart von Loeper: Natürlich. Sie können bestimmen, welche Projekte Sie fördern möchten. Sie können es z.B. so einsetzen, dass es für die Abschaffung von Tierversuchen oder Tiertransporten verwendet wird. Sie können auch den Unterhalt einer Geschäftsstelle des Bundesverbandes, die Förderung der vegetarischen Lebensweise, die Patenschaft für ein Wildtier oder die Unterstützung von Kastrationsaktionen fördern.

tierrechte: Wird bei einem solchen Vermächtnis auch eine Erbschaftssteuer fällig?

Eisenhart von Loeper: Nein, Ihr Vermögen käme ohne Steuerabzug zu 100 Prozent den Tieren zugute. Denn gemeinnützige und besonders förderungswürdige Organisationen wie der Bundesverband müssen keine Erbschafts- oder Schenkungssteuern zahlen.

tierrechte: Welche Formen von Testamenten gibt es und welche Kosten fallen an?

Eisenhart von Loeper: Es gibt zum einen das handschriftliche Testament. Dieses wird vollständig per Hand geschrieben. Es muss mit Vor- und Nachnamen unterzeichnet werden und Ort und Zeitpunkt der Testamentsverfassung enthalten. Bei diesem Dokument fallen keine Kosten an - bis auf die für den Erbschein, den der eingesetzte Erbe beantragen muss. Ein handschriftliches Testament sollte gut aufbewahrt, besser noch beim Amtsgericht hinterlegt werden. Zum anderen gibt es das notarielle Testament. Hierbei ist kein Erbschein nötig. Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung.

tierrechte: Kann es mehrere Testamente geben?

Eisenhart von Loeper: Ja, aber die neuere testamentarische Verfügung ersetzt immer eine ältere, die davon abweicht. Maßgebend ist das zuletzt verfasste Dokument, welches auch lediglich ergänzend zum Beispiel ein Vermächtnis ändern, eine früher verfügte Erbfolge aber bestehen lassen kann. Hier ist es ganz wichtig, den wirklichen Willen unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen, um eine klare Rechtslage zu schaffen und spätere Auseinandersetzungen auszuschließen.

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