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Rüsselpaten gesucht – und gefunden

Unser Bundesverband wird oft um Geld für die Rettung einzelner Tiere gebeten. Unsere Satzung schreibt für einen politisch arbeitendenden Verband natürlich andere Mittel-Verwendungen vor. Doch es gibt auch zweckgebundene Spenden. Hier konnten wir dank einer solchen dazu beitragen, ehemaligen „Mastschweinen“ ein schönes Schweineleben zu ermöglichen.

Schweine sind gesellige, soziale und hoch emotionale Tiere. Wer einmal die Chance hatte zu erleben, wie die mitteilungsfreudigen Rüsseltiere unter reichlich Quiek- und Grunzlauten auf einen zukommen und von oben bis unten neugierig „abrüsseln“, muss sie einfach ins Herz schließen!

„Nutztier“ Schwein
Das Schwein ist jedoch in unserer Gesellschaft vor allem ein „Nutztier“. Jedes Jahr werden Millionen Schweine geboren, „gemästet“ und im Alter von wenigen Monaten geschlachtet. Die Haltung auf Spaltenböden ist Standard, das kurze Leben von Enge und Langeweile geprägt, Freilauf in aller Regel nicht möglich. Die Muttertiere werden vor und nach jeder Geburt immer noch für Wochen im sogenannten Kastenstand gehalten, in dem außer Hinlegen und Aufstehen keinerlei Bewegung möglich ist. Angesichts dieses Übermaßes an tierwidriger Haltung fällt es mitunter schwer, nicht zu resignieren und trotzdem Wege zu suchen, den Tieren ein ihrer Art und ihren Bedürfnissen gemäßes Leben zu ermöglichen.

Wann geht der Himmel auf?
Doris Rauh und der von ihr gegründete Verein Rüsselheim e.V. in Allmannshofen bei Augsburg wollten zumindest einige Tiere aus einer solchen Haltung befreien und riefen Ende 2011 das Projekt „Wann geht der Himmel auf?“ ins Leben. Dabei sollten alle Tiere eines Schweinemastbetriebs im bayrischen Landkreis Dillingen freigekauft und für den Rest ihres Lebens gut untergebracht werden. Bis Anfang 2013 übernahm der Verein nach und nach die insgesamt 162 Tiere. Da der Landwirt den Mastbetrieb aufgeben wollte, drohten alle Tiere geschlachtet zu werden. So zögerten Doris Rauh und ihre Mitstreiter von Rüsselheim e.V. nicht lange. Ihr Ziel war es, alle Schweine zu retten. Das nötige Geld aufzutreiben war keine Kleinigkeit, denn die Schweine kosteten zwischen 150 und 350 Euro pro Tier. Auch Unterbringungsmöglichkeiten mussten gefunden werden und natürlich Paten, mit deren Hilfe jedem Rüsseltier dauerhaft ein artgerechtes Leben finanziert werden sollte. Und die Zeit lief davon, denn spätestens Ende Dezember 2012 sollten alle Tiere zum Schlachthof gebracht werden; „Mastschweine“, Ferkel und auch die rund 30 Muttertiere. Die älteste Schweinemama – inzwischen liebevoll Oma Lotti getauft – ist elf Jahre alt. Über zehn Jahre hat sie „manövrierunfähig“ ausschließlich im Kastenstand auf rund 1,5 m² Fläche verbringen müssen.

Der Bundesverband hilft
Als „Sofortmaßnahme“ unterstützte der Bundesverband den Freikauf und die zunächst nötige weitere Finanzierung der Tiere bis genügend Paten gefunden sind mit 10.000 Euro, die aus einer für „Nutztiere“ zweckgebundenen Spende stammten. So war es tatsächlich möglich, alle Schweine des Mastbetriebs zu retten! Die letzten zehn Tiere, für die das Geld vom Bundesverband und den vielen anderen Spendern nicht mehr reichte, übernahm Doris Rauh selbst und finanzierte den Kauf und die weitere Unterbringung aus eigenen Mitteln.

Tiere sind glücklich nach der langen Leidenszeit
Heute stehen die Tiere auf mehreren Höfen in Deutschland. Die meisten Schweine sind sehr gut untergebracht und können auf Dauer bleiben, wo sie jetzt sind – z. B. auf dem Gnadenhof Lemuria im Bergischen Land, wo einige der ehemaligen Muttertiere ein neues Zuhause gefunden haben. Dort habe ich sie Ende März besucht und war sehr berührt von ihrer freundlichen und neugierigen Art. Es ist erstaunlich wie gut sie die lange Leidenszeit im Kastenstand – ohne Bewegung, natürliches Licht und nur mit der „Abwechslung“ aus Fressen, Trächtigkeit oder Stillzeit sowie Neonlicht an oder aus – kompensieren konnten.

Dringend gesucht: Rüsselpaten
Einige Schweine stehen noch in „Übergangshöfen“, wo sie nicht dauerhaft bleiben können, doch die Haltung ist jetzt schon deutlich besser als in der Masthaltung und auf Spaltenboden. Sie werden in Gruppen auf einer dicken Strohschicht gehalten und haben wesentlich mehr Platz als im Maststall. Für diese Tiere wird im Lauf der nächsten Zeit noch eine optimale Haltungsmöglichkeit gesucht, wo sie auch Freilauf haben. Darum kümmert sich Doris Rauh derzeit intensiv. Vor allem aber werden noch weitere Paten gesucht, damit die lebenslange tiergerechte Unterbringung für jedes Schwein gesichert ist. Eine Vollpatenschaft kostet 45 Euro pro Monat, doch sind auch geringere regelmäßige Beiträge ab 5 Euro und auch Einzelspenden hilfreich und notwendig. Bitte überlegen Sie, ob Sie zum Lebensunterhalt der Tiere beitragen können und „Rüsselpate“ werden. Alle dazu nötigen Informationen finden Sie unter den unten genannten Kontaktangaben.

Die richtige Entscheidung
Auch wenn es eine große logistische und vor allem finanzielle Herausforderung war und noch ist, alle Tiere zu kaufen und gut unterzubringen, und auch wenn sich vielleicht die Frage nach dem Sinn stellt angesichts all der vielen, vielen Schweine, die tagtäglich in Deutschland getötet werden, um dann irgendwo auf dem Teller zu landen – die 162 Schweine von Rüsselheim e.V. haben jedenfalls die Chance auf ein neues Leben bekommen. Und seit ich auf dem Gnadenhof Lemuria Oma Lotti, Stummelchen, Missy, Schlumpfine, Lara und die anderen besuchen durfte, weiß ich, sie freizukaufen war die richtige Entscheidung! Rüsselheim e.V. hat mit diesem Projekt nicht die Welt retten können, aber für die geretteten Schweine hat sich ihre kleine Welt komplett geändert...


Marion Selig

Marion Selig war von 1989 bis 2010 Vorstandsmitglied im Bundesverband und ist auch jetzt noch im Tierschutz und für Tierrechte tätig.


Rüsselheim e.V.
Hauptstraße 22
86695 Allmannshofen
Tel.: 08273 – 9986927
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Internet: www.ruesselheim.com

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