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Ein Altersheim für Kühe

Das Bewusstsein für die Problematik der sogenannten Milchkühe ist in der Gesellschaft noch nicht besonders groß. Im Sommer haben sie Auslauf auf der Weide, im Winter stehen sie im warmen Stall und schließlich ist Milch gesund – so die weit verbreitete Auffassung. Selbst Vegetarier verwenden Milch und Milchprodukte, denn schließlich werden die Kühe gemolken und nicht getötet, um die Milch zu erhalten. Doch wie weit die Ausbeutung der „Milchkühe“ wirklich geht und unter welchen Bedingungen die Milch erzeugt wird, ist Vielen nicht präsent. Mittlerweile gibt es Altersheime für ausgediente „Milchkühe“ - der Bundesverband unterstützt ein solches Projekt. Eine Vertreterin vom Bundesverband war vor Ort.

Neue dauerhafte Bleibe

Ein kleines Dorf im Vogelsberg. Auf einem Fachwerkhof wird ein Kuhaltersheim betrieben – ein Gnadenhof für „Milchkühe“, deren „Milchleistung“ nicht mehr wirtschaftlich war oder die keine Kälber mehr bekommen haben und deshalb geschlachtet werden sollten. Es ist ein sonniger Nachmittag im Herbst. Die bislang acht Bewohnerinnen des Kuhaltersheims sind auf den außerhalb des Ortes gelegenen Weiden. Den Winter verbringen die Tiere auf dem Hof, wo sie Ställe mit Außenauslauf zur Verfügung haben. Zwei Kälber sind unter den acht Tieren – zwei der ausgedienten „Milchkühe“, die vor dem Schlachthof gerettet werden konnten und auf dem Anwesen eine neue Bleibe fanden, waren tragend. Ihre Kälber kamen im Kuhaltersheim zur Welt. Die Tiere im Kuhaltersheim haben Glück gehabt – auf dem Hof können sie dauerhaft bis an ihr Lebensende weitgehend ihrer Art gemäß leben.

Das Leiden der „Milchkühe“
Die allermeisten Kühe jedoch haben weitaus weniger Glück. Für ihre Haltung gibt es bislang keine bindenden gesetzlichen Vorgaben. Zwar werden sie – vor allem in der nördlichen Hälfte Deutschlands – in Boxenlaufställen gehalten, in denen sich die „Milchkühe“ einigermaßen frei bewegen können, und teilweise werden die Tiere zumindest im Sommerhalbjahr auf der Weide gehalten. Sehr oft müssen „Milchkühe“ aber in Anbindehaltung – mitunter ganzjährig – leben. Das bedeutet, sie stehen tagein, tagaus angebunden im Stall auf Betonboden, der noch nicht einmal mit Stroh eingestreut sein muss. 

Jedes Jahr ein Kalb
„Milchkühe“ müssen jedes Jahr ein Kalb gebären. Nur dann produziert der Organismus auch entsprechend Milch. Die Kälber werden den Müttern in der Regel kurz nach der Geburt weggenommen und mit „Milchaustauscher“ ernährt; die Milch der Kuh landet in der Molkerei.
Die Haltung von „Milchkühen“ bringt umso mehr Geld, je mehr Milch die Kuh gibt. Die sogenannte Milchleistung hat sich seit der Mitte des letzten Jahrhunderts vervielfacht. Gab eine Kuh in den fünfziger Jahren im Durchschnitt knapp 700 Liter pro Jahr, so liegt der „Spitzenwert“ heute bei 14.000 Litern. Allein innerhalb des vergangenen Jahrzehnts steigerte sich die jährliche „Milchleistung“ um 1.500 Liter pro Kuh. Die Kehrseite dieser hohen Leistung, welche die Kuh bis an den Rand ihrer körpereigenen Leistungsfähigkeit und darüber hinaus bringt, sind oftmals erhöhte Krankheitsanfälligkeit und verminderte Fruchtbarkeit, d. h. die Kuh wird nicht mehr trächtig und gibt infolgedessen auch immer weniger Milch. Solchermaßen unwirtschaftliche Tiere werden von den Landwirten ausgemustert und landen im Schlachthof. Das führt dazu, dass Kühe oft schon nach der zweiten oder dritten Geburt – also im Alter von etwa vier oder fünf Jahren – geschlachtet werden. Sie könnten jedoch bis zu 25 Jahren erreichen.

Was ist notwendig?
Um das Leiden der „Milchkühe“ zu unterbinden, sind gesetzliche Vorgaben zu ihrer Haltung notwendig. Die Anbindehaltung muss unbedingt verboten werden. Jedoch sollten Verbraucher auch über ihren Konsum von Milch und Milchprodukten nachdenken. Beides ist für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung nicht notwendig. Bis der Gesetzgeber jedoch aktiv wird, können Einrichtungen wie das Kuhaltersheim zumindest einigen Tiere ein besseres Leben bieten. Der Bundesverband sieht die Notwendigkeit, für „Großtiere“ wie Rinder oder Pferde Auffangmöglichkeiten zu schaffen, damit „ausgemusterte“ oder beschlagnahmte Tiere gut untergebracht werden können. Daher haben wir das Kuhaltersheim mit einer größeren Spende unterstützt, die aus einer zweckgebundenen Erbschaft stammte.

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